Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911

Brief an Aksel Smith, 15. Oktober 1905

Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911
Horten, 15. Oktober 1905
Lieber Bruder Aksel,

Gottes Gnade und Friede. Für deinen sehr lieben Brief danke ich dir. Er zeugt davon, dass du mit der Zeit immer mehr lernst, Gott zu lieben und die Leere der Welt zu empfinden.

Jedes Knie soll sich vor Gott beugen und sie sollen bekennen, dass Christus ein Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters. Daher ist es, wie du sagtest, am besten, die Knie zu beugen – je früher, umso besser. Die Freude der Welt besteht in der Befriedigung fleischlicher Begierden. Aber solche Begierden sind Sünde, denn alle Sünde ist in der Welt aufgrund von Begierde, und im Gesetz heißt es: du sollst nicht begehren. Und alle Gesetzesübertretung ist Sünde, denn das Gesetz ist nur für Übertreter gegeben. Das Gesetz kann nicht auf den Gerechten wirken, denn das Gesetz ist gerecht, heilig und gut. Dasselbe ist auch der Gerechte, sodass diese beiden eins sind. Darum heißt es auch: Wer seinen Bruder verleumdet, der verleumdet das Gesetz und richtet das Gesetz.

Genauso wie eine Rechenaufgabe beweisbar ist, so kann auch jedes Wort Gottes bewiesen werden. Denn das Wort kann in alle seine Bestandteile zerlegt werden und es kann bis ins Unendliche trennen und scheiden, bis hin zu Mark und Bein, und es versteht, die verborgenen Gedanken und Gesinnungen des Herzens zu richten.

Eine Sache ist von ungeheuer großer Wichtigkeit und man kann ganz einfach kein Jünger Jesu sein, ohne dass man mit ihm leidet, d. h. dass man sein Kreuz aufnimmt und ihm nachfolgt und sein Leben lässt.

Jemand, der mit Christus und um des Namens Christi willen Leiden ertragen kann, der überwindet sich selbst und damit Satan und all seine Macht. Durch Leiden geht unser „Ich“ zugrunde und unser neues „Ich“ wächst heran und das ist nur Kraft. Darum konnte der Apostel sagen: „Ich“, doch nicht „Ich“. Ja, solch eine Rede ist verwunderlich, aber er wird „Wunderbarer“, Ratgeber und Friedefürst genannt.

Die Welt und ihre Lust sind nichts – nur Leere. Die Freuden der Welt sind nur ein herrliches Tor, durch das man geht, um in eine noch größere Leere hinauszukommen.

Das, was die Welt Freude nennt, ist das, was vor sich geht, wenn die Begierde empfängt. Doch wenn die Begierde empfängt, gebiert sie die Sünde. Wer aber zunimmt in Sünde, wird verändert nach dem Bild seines Vaters (dem Teufel) von Verdammnis zu Verdammnis.

Aber nicht so mit uns in Christus; wir werden, indem wir in das Angesicht Christi schauen, verwandelt von Herrlichkeit zu Herrlichkeit. Satan hat keine Macht über uns. Sein Regiment ist in der Finsternis und nicht im Licht. Aber wir sind Kinder des Lichts. Kinder des Lichts sind unüberwindbar. Wahrheit ist ihr Feldruf und Kraft ist ihre Losung. Ständig geht eine Unionsauflösung vor sich, aber das bewirkt, dass wir einen geübten Sinn bekommen, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Gott ist ein eifernder Gott, darum werden auch wir von Eifer erfüllt, denn der Eifer wird uns verzehren.

Gott hat jede Kraft an ihren Platz gesetzt und ohne Kraft können keine Kräfte zunichtegemacht werden. Es gibt Kräfte im Licht und Kräfte in der Finsternis, denn wir sind aus der Macht Satans zu Gott gekommen. Daran sehen wir, dass Satan Macht hat. Wenn aber der Stärkere ins Haus hineinkommt, dann bindet er den Starken und wirft ihn hinaus.

Ich bin sehr froh, dass du auf dem Weg angefangen hast, der zum Leben führt. Gott gibt den Demütigen Gnade. Mögen wir uns daher jederzeit unter Gottes gewaltige Hand demütigen, dass er uns erhöhen kann zu seiner Zeit. Lass uns immer den Eigenwillen aufgeben und mit Freude in dem Kampf laufen, der uns verordnet ist, wissend, dass wir uns jederzeit hinter ihm befinden, der den Weg für uns gebahnt hat.

Lass uns immer das Herz dazu hingeben, Weisheit zu verstehen, und möge immer Einsicht unsere Zierde sein. Lass uns nie Menschenknechte werden, denn wir sind teuer erkauft. Lass uns nie das Fleisch so pflegen, dass Begierde geweckt wird, sondern lass uns immer über uns selbst triumphieren. Gott zieht alle zu sich. Er will, dass alle Menschen selig werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Die Sache ist nur, seinem Ziehen und seinem Willen nicht zu widerstehen.

Nun sind wir abgemustert, gestern wurden wir fertig, aber morgen soll ich nach Melsomvik, um das Inventar und den Warenbestand der Schiffe abzuliefern. Dieses Mal hatten wir gute und tüchtige Leute an Bord. Unser Geschwader wurde „das Schwarzmeer-Geschwader“ genannt. Man musste kräftig einheizen, um auf 8 Knoten zu kommen. Wir hatten im Geschwader auch eine ganze Reihe Reserveoffiziere, die, wie du dir vorstellen kannst, nicht viel konnten, aber es hat trotzdem Spaß gemacht und die Übungen und das Nachladen der Munition gingen ausgezeichnet. Wir hatten keine angenehmen Gefühle, als wir mit unserem kleinen Fahrzeug im Hvalergebiet lagen. Das war, als ob wir uns auf einer Yacht mit 5 bis 10 Gewehren an Bord mit einem Panzer anlegen wollten. Wir konnten mit knapper Not damit rechnen, dass wir ein Torpedoboot von uns fernhalten konnten. Aber wir hatten alles Mögliche, was schießen und schwimmen konnte, zusammengekratzt. Wir waren das Kommandofahrzeug und hatten 5 Torpedoboote unter uns.

Aber jetzt ist es vorbei und das in Ruhe und Frieden, doch waren wir auf das Schlimmste vorbereitet. Mehreren von den norwegischen Torpedobooten wäre im Falle eines Falles bestimmt nicht so leicht zu entkommen gewesen. Christian will gerne bei mir sein, denn ich renne mit ihm und das macht Spaß.

Nun will ich für dieses Mal schließen mit einem lieben Gruß von deinem Bruder

Johan

Grüße Ludvig und zuhause.