Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911

Johan O. Smith

Brief an Aksel Smith, 7. Dezember 1910 (1)

Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911
Horten, 7. 12. 1910
Lieber Bruder Aksel,

danke für deinen lieben Brief, den ich gestern bekam. Was die Verhältnisse hier in Horten und die Sache betrifft, über die wir geschrieben haben, habe ich in meinem Herzen gründlich nachgeforscht, um, wenn möglich, denen recht geben zu können, die glauben, Unrecht gelitten zu haben.

Gott hat mir einen Sinn gegeben, dass es mein Herzenswunsch ist, dem recht zu geben, was recht ist. Jedoch habe ich gesehen, dass das Urteil meiner Widersacher meinen Vergehen nicht entspricht.

Recht oft bin ich im Eifer für die Wahrheit über das Ziel hinausgeschossen und meine Widersacher haben sich dann gefreut und sich daran festgebissen. Aber Gott hat mir immer Gnade gegeben, sie wiederum zu überwinden und auf Abstand zu bringen.

Mir ist bange davor, dass sie mich so behandeln könnten, wie die Philister Simson behandelten, wenn sie nur die Oberhand bekämen. Aber Gott hat es nicht zugelassen und er wird es nicht zulassen, solange ich fest in der Wahrheit bleibe. Ich weiß wohl und erkenne, dass meiner Unvollkommenheiten viele sind und dass in der Hitze des Gefechts Schläge fallen können, von denen man nicht unbedingt sagen kann, dass sie den Regeln entsprechen. Aber damit ist überhaupt nicht gesagt, dass dies meinen Gegnern Gelegenheit geben soll, den Sieg davonzutragen, um mir später die Augen auszustechen. Jesu Widersacher lauerten auf Jesus, um ihn, wenn möglich, in seinen Worten zu fangen. Dieses Belauern wird heute noch praktiziert. Doch ist es der Geist in der Sache, der beurteilt werden muss, und nicht die Worte. Ist der Geist betrügerisch, dann kann man die Worte widerlegen, selbst wenn diese den Regeln entsprechen. Aber stimmt der Geist, so kann man nicht einhaken, selbst wenn die Worte ganz verkehrt ausfallen.

Das Wort „Spott“ kann ich mich nicht erinnern, verwendet zu haben. Aber Br. Ellefsen hat es bei P. Roa verwendet. Ich stimme dir zu, dass P. R. an jenem Vormittag Br. Ellefsen nicht so in die Enge hätte treiben dürfen. Doch auf der anderen Seite war es sinnlos von Br. Ellefsen, sich derart der Mutlosigkeit hinzugeben.

Ich glaube, es gibt eine Freiheit unter Vertrauten, die unter Uneingeweihten nicht praktiziert werden kann. Du hast selbst erzählt, dass du dir Bande anlegen musst, wenn du mit Bruder Anthony zusammen bist. Diese Bande kannst du abwerfen, wenn wir zusammen sind. Aber je mehr man im Geist voneinander entfernt ist, umso mehr muss man sich Bande anlegen, um nicht über das Gewissen eines anderen hinauszugehen. Dort, wo der Geist Gottes ist, da ist Freiheit. Und diese Freiheit liebe ich so sehr und will gerne, dass wir sie unter Brüdern und Schwestern praktizieren. Doch verstehe ich mehr und mehr, dass man sich überall Bande anlegen muss und sich nur vortasten kann zu dem, was anderen angenehm sein kann. Die Freiheit wird dadurch kleiner und kleiner und man wird wieder gebunden wie ein Knecht – nicht um seiner selbst willen – sondern um anderer willen.

Der Prophet Elia hat die Propheten Baals gründlich zum Narren gehalten. Er empfahl ihnen, lauter zu rufen, weil ihr Gott vielleicht auf Reisen oder auch eingeschlafen wäre. Davon ausgehend hast du ja auch geschrieben, als du im „Missionæren“ diejenigen angegriffen hast, die „den Sprung“ von Röm. 7 nach Röm. 8 gepredigt hatten, die aber jetzt nicht einmal versuchten, das zu verteidigen, was sie selbst gepredigt hatten.

Ich glaube eben nicht, dass dieser „Spott“ des Propheten Elia seinen Ursprung im Teufel hatte. Im Gegenteil glaube ich, dass er vollauf angebracht war. Also müssen wir den Beweggrund auch für den „Spott“ suchen.

Wenn die Überführung und das Licht die Torheit vollkommen klar beleuchten, dann ist der Spott sehr naheliegend.

Doch verstehe ich, was du meinst, und ich will in Zukunft mehr auf mich selbst achten. Denn es kann eine Befriedigung darin liegen, Fehler anderer bloßzustellen, sodass dann doch das Fleisch Nahrung bekommen kann. Eine solche Bloßstellung muss von Leiden begleitet sein, was einen nützlichen Einfluss auf den haben wird, der überführt wird, und das wird Vertrauen und Verbundenheit bei ihm wecken. Lässt man dagegen der Überführung fleischliche Zufriedenheit folgen, so wird der Überführte sich noch mehr verhärten und das Ganze geht schief.

Also muss man Rücksicht darauf nehmen, ob man den Betreffenden gewinnen kann oder nicht. Denn einem Toren soll man nach seiner Torheit antworten, damit er nicht in eigenen Augen weise wird.

Die Hauptsache bei dem Ganzen ist jedoch letztendlich: Wenn wir Jesus Christus lieben und das wollen, was richtig ist, dann wird es uns gutgehen, selbst wenn alles auf dem Kopf steht.

Sei auf das Herzlichste gegrüßt von deinem Bruder

Johan