Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911

Johan O. Smith

Brief an Aksel Smith, 30. November 1910

Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911
Horten, 30. 11. 1910
Lieber Bruder Aksel,

danke für unser letztes Zusammensein. Das war ein herrlicher Tag am letzten Sonntag, 27. 11. Br. Aslaksen jubelte auf dem Heimweg vom Bahnhof. Gestern hatten wir wieder eine von diesen schönen klärenden Bibelstunden. Gottes Geist schließt uns alles bis ins Detail auf, sodass wir uns nur wundern und Gott für all seine Gnade in und durch Jesus Christus danken können.

Am Tag, nachdem wir im Wasser gewesen waren, fühlte ich mich schon etwas steif in den Beinen, doch das ging vorüber. Br. Ellefsen fühlt sich auch gut. Karl sagt, dass er es am Sonntag gut mit Gott bekommen habe. Die Bürde sei verschwunden, sagt er. In der letzten Versammlung betete er zu Gott. Aslaksen erzählte, er habe nach Hause geschrieben, dass sie sich darauf vorbereiten sollten, dass er in naher Zukunft ganz aus der Marine austreten würde, um sich völlig im Dienst des Herrn zu opfern. Er bittet Gott, schnell mit ihm zu handeln, dass er in Christi Leidensgemeinschaft hineinkommen und es ihm vergönnt werden möge, um des Namens Christi willen zu leiden. Das ist ein bemerkenswerter Mann. Er sagt selbst, dass er im letzten Monat große Fortschritte gemacht habe, und das ist wahr. Er hat ein weitreichendes Auffassungsvermögen und den Geist des Gebets bekommen. Was wohl aus diesem Mann wird?

Gottes Geist arbeitet wie gewöhnlich unermüdlich und ich glaube, er wird uns jetzt Geheimnisse offenbaren, wie Dienste auszuführen sind, welche Ergebnisse Gebet hat usw. Gott geht systematisch vor, wenn es um unsere Entwicklung geht, und man reift dazu heran, zu glauben und zu dienen. In Gottes Reich unbewusst, ohne die bestimmten Linien des Glaubens zu dienen, ist zwar das Übliche, doch ich glaube, dass, ebenso wie Gott uns in seiner sonstigen Erkenntnis bestimmte Linien offenbart hat, wird er dies auch hinsichtlich des Dienstes tun. Das wird dann etwas ganz anderes, etwas Bestimmtes. Man kann dann in wirklichem Glauben handeln, ohne all diese ewige Arbeit aufs Geratewohl. Ich glaube, Gott ist mächtig, hier klare Linien zu geben. Und wir müssen nur dazu heranreifen, sie anzunehmen.

Du verstehst ja, dass wir nun in die „Linien des Dienstes“, im Gegensatz zu den „Linien der Entwicklung im persönlichen Leben“ hineinkommen. Ja, hier verstehe ich so wenig, doch verstehe ich, dass die Apostel in ihrem Dienst in bestimmten Glaubenslinien und nicht ins Blaue hinein arbeiteten. Und gerade dies ist es, was in mir ein Sehnen nach geistlicher Klarheit in diesem unbekannten und in unserer Zeit so schlecht kartierten Gebiet bewirkte. Wir sind ja im Grunde nur Entdeckungsreisende und dürfen uns nicht wundern, wenn wir auf Gebiete treffen, die für uns seither unbekannt waren.

Hinsichtlich Marie Sollie, die den Verstand verloren hat, weißt du, dass wir für sie gebetet haben und für sie beten. Ohne irgendeine Aufforderung erzählte Schwiegermutter heute, dass sie vorhätte, hinaufzugehen und mit ihrer alten Mutter über sie zu sprechen. Letztes Mal, als Schwiegermutter mit M. S. sprach, sagte diese: „O, wie gut Sie es haben, dass Sie Licht haben.“ Solche Worte lassen erkennen, dass etwas in ihr vor sich geht. Vielleicht kann es da eine Lösung geben, bevor wir richtig davon wissen – zur Verherrlichung Gottes und zur Befestigung der Glaubenslinien in unserer Arbeit nach außen.

Herzliche Grüße. Grüße Ingerid. Dein Bruder

Johan