Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911

Johan O. Smith

Missionæren Nr. 39 – 29. September 1910 - Auf Kreuzfahrt

Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911

Auf Kreuzfahrt

An den Missionæren.

Die Geschwaderübungen sind jetzt vorbei und wir sind wieder in normalere Verhältnisse gekommen. Während der Kriegsübungen entlang der Küste waren wir sehr beschäftigt, aber es gab ja besonders an Sonntagen Landgang und ich habe so Gelegenheit gehabt, in mehreren Städten zwischen Bergen und Horten an Versammlungen teilzunehmen.

In Arendal nahm ich an einigen richtig guten Versammlungen in der Baptistenkapelle teil, die gedrängt voll von Leuten war. Ebenso hatten wir eine gesegnete Gesprächsrunde zuhause bei Jacob Tolleffsen in Bergen, wo mehrere Geschwister versammelt waren.

Außerdem habe ich in Haugesund, Kristiansand, Lillesand und Risør an Versammlungen teilgenommen und Geschwister besucht.

Der Gesamteindruck, den ich im Großen und Ganzen von den Verhältnissen bekommen habe, ist, dass es, was den Gebrauch der Gnadengaben betrifft, nun auf eine ruhigere und besonnenere Weise vor sich zu gehen scheint. Doch gibt es leider noch immer viele, die mehr über Zungenrede und Taufe als über Jesus Christus reden. Man muss gehorsam sein und sich taufen lassen, sagt man, als ob alles so wäre, wie es sein soll, wenn man nur getauft ist. Ich glaube sowohl an die Taufe als auch an die Zungenrede; aber dieses einseitige Drängen zeugt von Fleischlichkeit. Der Geist der Weisheit ist leicht beweglich, frei, gewandt; er drängt nicht unaufhörlich zu Taufe und Zungenrede. Wenn wir uns selbst prüfen, dann werden wir bestimmt herausfinden, dass Gott mehr von uns verlangt als Taufe. Oder was nützt die Taufe, wenn man nicht in einem neuen Leben wandelt. Das Fasten war auch von Gott angeordnet, aber es wurde dermaßen entheiligt, dass Gott sagen musste: Euer Fasten ist mir ein Gräuel. Ich glaube – obwohl ich selbst als Erwachsener getauft bin – dass eine ganze Menge der vor sich gehenden Taufagitation und Taufhandlung ein ebenso großer Gräuel für Gott ist wie das Fasten der gottlosen Juden.

Und dann gibt es andere, die auf eine so unheilige Weise über „das Zeichen für die Geistestaufe“ (gemeint ist die Zungenrede) sprechen, dass es einen im Innersten ekeln muss. Ich glaube im Übrigen nicht im Geringsten daran, dass die Gabe der Zungenrede ein größeres Zeichen für die Geistestaufe ist als Auslegung, Weissagung, Glaube und anderes, was Gott seinen Auserwählten schenkt.

Das Zeichen, dass wir den Heiligen Geist bekommen haben und diesem Geist gehorchen, ist, dass wir Liebe untereinander haben. Denn das ist die Liebe zu Gott, dass wir seine Gebote halten. Und der Geist wirkt dahingehend, dass wir seine Gebote halten.

Es ist nun höchste Zeit, mit all diesem Gerede über Taufe und Zungenrede aufzuhören. Lasst uns von nun an lieber darüber reden und uns dessen befleißigen, dem Heiligen Geist zu gehorchen und uns von ihm leiten zu lassen. Dann glaube ich, dass wir nicht so sehr mit dem „Zeichen“ dafür beschäftigt sein werden, ob wir Gottes Geist haben oder nicht.

Aber, wie in der Welt – so auch unter den Gläubigen. Die Leiter lassen sich von den Zeitschriften dirigieren. Man liest über Zungenrede und abermals über Zungenrede, sodass man zum Schluss glaubt, dass das Ganze aus Zungenrede besteht und dass es im Übrigen so gehen darf, wie es will.

Solche Wegleiter führen die Leute in die Irre, da sie den Menschen keine gesunde Speise geben, sodass sie dadurch wachsen können.

Man kann beinahe hinkommen, wo man will, und dieser obengenannte Sauerteig ist durchgedrungen. Wer hat die Verantwortung für all diese Unwissenheit? Jemand muss wohl die Verantwortung dafür haben. Spricht man darüber, mit Christus zu leiden und seine Leidensgemeinschaft kennenzulernen, dann ist man äußerst erstaunt, denn man hat nie von etwas anderem gehört, als dass man nur die Freude mit Christus teilen soll. Dass jemand kommt und darüber spricht, dass man nicht alleine die Freude, sondern auch Leiden und Schmach mit Christus teilen soll, wird ehrlich gesagt nicht einmal verstanden. Die meisten, sagte Paulus, sind Feinde des Kreuzes Christi und man kann sicher sein, dass 1910 dasselbe gilt. Es ist nicht so gut bestellt, wie die Zeitschriften es darstellen. Im Gegenteil ist eine gründliche Unterweisung nötig. Es ist nötig, vom Heiligen Geist gelehrt zu werden, dem Geist, der uns in alle Wahrheit leiten wird. Doch damit hält man schön hinter dem Berg. Vermutlich ist die Feindschaft gegen das Kreuz die Ursache. Stattdessen ist es so unheimlich leicht, mit Taufe und Zungenrede loszudonnern.

Lasst uns nun bedenken, dass uns die Zeit davonläuft, wenn wir sie nicht benützen. Es ist mehr in Christus zu erreichen; denn in ihm liegen alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen. Wir müssen zu mehr Reife heranwachsen und lernen, rein von unrein, heilig von unheilig zu unterscheiden. Erst wenn wir das tun, ehren wir Gott. Gott wird nicht dadurch geehrt, dass er eine ganze Reihe Kinder hat, die einseitig jahrein jahraus über Dinge predigen, die sie selbst nicht verstehen.

P/S Norge, Horten 13. 9. 1910