heute (Sonntag) sitze ich an Bord und bin mit an der Reihe, auf dem Schiff Wache zu halten. Danke für deinen lieben Brief, aus dem ich ersehe, dass du jetzt in Richtung Osten unterwegs bist. Ab ca. 1. November habe ich frei „von Bord“ und es wäre aus mehreren Gründen schön, wenn du mit deiner Reise hierher bis dahin abwarten würdest. Vielleicht bekomme ich einige Tage Urlaub, auf jeden Fall werde ich 8 bis 14 Tage beantragen, denn wir hatten ja den ganzen Sommer über nicht einen einzigen Tag frei. An Land wartet jetzt viel Arbeit auf mich, doch ich freue mich richtig darauf, sie anzupacken.
Deinen Artikel im „Missionæren“ habe ich gelesen, ebenso Barratts Reisebericht im „Korsets Seir“ (Sieg des Kreuzes). Es sieht so aus, als ob Reiseberichte die Kost sind, die das Rückgrat der heutigen Christen bildet. Vielleicht geben sie deshalb bei jedem Windhauch nach. Es gibt bis jetzt noch keinen Mann und auch keine Frau, die mit echter Sorgfalt in die Tiefen des Gemeindelebens eingreifen. Vielleicht deshalb, weil es so gut wie keine Individuen mit einem wirklichen inneren Leben gibt. Alle diese ewigen Reiseberichte scheinen mir viel mit dem Polierlappen des Zimmermanns gemein zu haben. Er füllt Schellack in Löcher und Ritzen und reibt mit Politur über das Ganze und dann glänzt es so schön. Alles ist es bestens bestellt. Es wäre gegen den guten Ton, etwas anderes zu sagen.
Noch stehen jedoch Christi Worte fest und ich komme ihnen eher näher, als dass ich weiter weg davon komme: Und ihr sollt von allen Menschen um meines Namens willen gehasst werden. Christi Diener sollen nicht umherreisen und den Most der Arbeit des Geistes genießen, denn das bedeutet, die Wolle von der Gemeinde zu scheren und sich selbst damit zu wärmen. Die Apostel griffen die Sache gründlicher an als die Apostel unserer Zeit, die verglichen mit jenen nichts anderes als Kalktüncher sind, die nie wirklich solide die Mauer reparieren und den Schaden ausbessern. Man benutzt den Glanz der Welt, um Glanz über die Arbeit des Geistes zu werfen. Diejenigen, die in den Augen der Welt groß erscheinen, werden ständig hervorgehoben, wenn sie sich zu Christus bekehrt haben. Man benutzt ihren äußerlichen Glanz und will damit Christus verherrlichen. Wenn ein armer Arbeiter oder eine arme Frau sich zu Gott bekehren, dann erwähnt man nicht viel davon. Aber wenn jemand kommt, der in der Welt angesehen ist, dann ruft man im Chor Halleluja, als ob so eine Seele in den Augen des Herrn wertvoller wäre.
Aber das ist es, wogegen Jakobus ermahnt: Liebe Brüder, haltet den Glauben an Jesus Christus, unsern Herrn der Herrlichkeit, frei von allem Ansehen der Person.
Wenn ihr solche Unterschiede bei euch macht, urteilt ihr mit bösen Gedanken, sagt der Apostel.
Das apostolische Gemeindeleben und die alten, guten Apostel gibt es nicht mehr. Man muss sich mitten in der Gemeinde mit Leiden und Trübsalen abfinden, wenn man in der Lage sein will, der Gemeinde zu helfen. Aber wenn man kommt und nach einem kurzen Aufenthalt wieder abreist als der große Mann, den man mehr nach dem Fleisch als nach dem Geist bewundert, dann hat man nichts anderes getan, als die Wolle von den Schafen zu scheren.
Ja, nun war ich in der Schiffskantine und habe zu Abend gegessen. Und dort entspann sich eine lebhafte geistliche Unterhaltung, bei der Gott mir Gnade gab, die Bibel hervorzuholen und von Gottes Wort ausgehend zu überzeugen, sowie (mit dem Schwert in der Hand) ein Zeugnis über einen persönlichen Glauben abzulegen. Die meisten gaben sich mit der Erklärung zufrieden – obwohl es viel „wenn“ und „aber“ gab.
An seinem letzten Tag als Kadett (Dienstältester) war Leutnant Aslaksen an Bord der „Frithjof“ aufgestanden und hat vor seinen Kameraden ein Zeugnis abgelegt. Mehrere hatten Tränen in ihren Augen, sagte er. Als er letztes Mal bei uns zuhause war, fragte er, ob wir im Winter den Römerbrief durchgehen könnten, da er jetzt in der Marineoffiziersschule mehr Vorträge bekäme und nicht mehr so viel Stoff lesen müsste.
Diese Fahrt war eine Fahrt voller Kampf. Aber Gott sei gedankt, alles hat zum Guten gedient. Wir haben jetzt einen neuen Chef und einen neuen ersten Offizier und die Verhältnisse an Bord sind nicht wiederzuerkennen.
Br. Anthony schickte mir einen längeren Brief. Grüße ihn von mir, grüße ebenso seine Frau.
Der Zahnarzt Freberg ist jetzt von Horten weggezogen. Jetzt haben wir noch Sannerud, Reichborn-Kjennerud und Ring.
Wer ein Haus baut, muss tief graben und das Fundament auf den Felsen setzen. Ebenso muss man in der Gemeinde tief graben, sodass sie sicher in Christus eingewurzelt und gegründet werden kann. Doch ebenso wie das Graben in der Erde Arbeit und Mühe mit sich bringt, so bringt das Graben im verkehrten Erdboden des Herzens noch größere Mühe mit sich.
Nun hoffe ich, dass wir – so Gott will – in den nächsten Tagen Gelegenheit bekommen, miteinander zu sprechen. So wie es jetzt ist, beansprucht der Dienst auf dem Schiff meine ganze Zeit. Zwar haben wir etwas Landgang am Abend, aber wir müssen morgens um 6 Uhr wieder an Bord sein. Also um 5 Uhr aufstehen und dann ist man abends nach der Mühe des Tages auch nicht mehr so in Form.
Hiermit einen herzlichen Gruß von deinem Bruder
JohanBr. Johansen ist sehr in Ordnung. Er und Br. Ellefsen halten kleine Versammlungen in der Umgebung. Ellefsen ist gottesfürchtig.
