Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911

Johan O. Smith

Brief an Aksel Smith, 3. Juli 1910

Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911
Horten, 3. Juli 1910
Lieber Bruder Aksel,

es ist jetzt 19 Uhr (Sonntag) und wir warten auf den Lotsen, der die Kabine übernehmen wird, die ich benutzt habe. Morgen starten wir zu einer 14-tägigen Übung, die von Kragerø aus westwärts entlang der Küste stattfinden wird. Nächsten Sonntag sind wir voraussichtlich in Arendal.

Gott hat mich hier an Bord gestärkt. Noch nie habe ich Davids Psalmen so inhaltsreich gefunden wie gerade jetzt. Satan hat eine gewaltige Herrschaft hier an Bord und man kann in Wahrheit sagen, dass er hier seinen Thron hat. Ich fühle einen Druck an Bord dieses Fahrzeugs wie nie zuvor. Ebenso empfinden es die übrigen Unteroffiziere. Dieser ehrsüchtige, herrschsüchtige Geist breitet sich wie eine erstickende Decke über das Ganze aus. Mitunter fühle ich ein gewaltiges Verlangen, das Joch zu zerbrechen und den Kampf in der Gegenwart aller offen auszufechten.

Wenn es in dem Kampf Gerechtigkeit gäbe, könnte man das erwägen. Doch die hohen Herren decken sich mit Ungerechtigkeit und hüllen sich in den Mantel der Lüge, wann immer sie meinen, dass es erforderlich ist. Und solche soll man anbeten und bewundern. Der Teufel bot Jesus an, seine Macht und seine Herrschaft in dieser Welt mit ihm zu teilen, wenn er ihn anbeten würde. So machen es auch die Herren der Welt. Sie bieten uns gute Stellungen an, wenn wir sie anbeten und bewundern wollen. Nein! Gott verleihe mir Kraft, ihnen allezeit hart zu widerstehen, allezeit den Kampf des Glaubens zu kämpfen.

Was in dieser Welt gering und für nichts geachtet ist, das hat Gott erwählt, damit er zuschanden mache, was etwas ist. Lass uns daher nicht Bewunderer des Größenwahns sein und mit diesem am fremden Joch ziehen, sondern ihn vielmehr strafen. Man redet über Kraft. Aber wie soll man Kraft bekommen, wenn das Große in der Welt betrügen und ohnmächtig machen kann? Wir sollen es in Christi Kraft ohnmächtig machen und entwaffnen. Selbst Christen, die allermeisten, beten das Große und die Eleganz der Welt an und bewundern deren Anmut. Ein einfacher, rechtschaffener Mann – er kann so gottesfürchtig sein, wie er will – gilt nichts, wenn er nicht rundum von weltlicher Größe besudelt ist.

Gott gebe mir Gnade, solchen Menschen allezeit zu widerstehen – ob sie sich unter dem Namen Christi nähern oder nicht.

Gott hat zuhause jahrelang gearbeitet, aber Anbetung des Großen in der Welt hindert Gott daran, sein Werk auszuführen.

Was hilft es, hier in dieser Welt für fein und groß zu gelten, wenn die Welt mit ihrer Lust vergeht? Christus hat uns nicht darum gebeten, einen Prachtund Schmuckwettkampf aufzunehmen. Er hat auch nicht vor, sich eine Schar heranzubilden, die Helden darin sind, sich nach der neuesten Mode zu kleiden.

Es ist an der Zeit, ein großes Brandopfer zur Ehre des Herrn Zebaoth zu machen, d. h. alle Abgötter zu verbrennen, sodass der einzig wahre Gott Herr werde. Der Gott dieser Welt – was ist das anderes als Eitelkeit und Stolz? Und eben dieser Gott hat den Ungläubigen den Sinn verblendet. Bewunderer dieses Gottes werden auch blind.

Wir fahren jetzt westwärts; doch ehrlich gesagt fühle ich mich so, als ob ich keinem von ihnen etwas schuldig wäre. Wenn man eine so unehrliche Gesinnung gegenüber Christus hat, dass man sich in den Herrlichkeiten der Welt wohlfühlen und sich davon ernähren kann – dann hat Gott mir eine Gesinnung gegeben, die so etwas verabscheut.

Möge Gott mich erlösen und mir Gnade geben, dieser Art von Religion zu widerstehen und mich von ihr fernzuhalten. Es ist besser, alleine mit Gott zu wandeln, als in Saus und Braus mit Verwandten und Freunden in so einer gottlosen Treulosigkeit zu leben. Wenn du rein sein willst, dann sondere dich von ihnen allen zusammen ab, denn Gemeinschaft mit ihnen ist nichts anderes als Befleckung.

Für mich bedeutet das, Christus zu leben, und mich durch die Gnade, die Gott mir gegeben hat, von allem und allen Befleckenden abzusondern.

Du sagst, dass es Anthony nicht gut geht, und ich bin froh, dass es ihm nicht gut geht. Denn wenn es ihm gut ginge, würde ich an Gottes Wort zweifeln, doch nun wird es als Wahrheit bestätigt. Niemandem geht es gut, der sich durchschlängeln will. Es sind Mut und Glauben nötig, alles, was hindert, zu durchtrennen und zu zerbrechen. Niemand Feiges wird über diese Hindernisse kommen, die den Weg zu Gottes Reich versperren. Nur Gottes Weisheit kann sich solcher Barrikaden bedienen, um alles Unreine fernzuhalten. Wahrlich, sie sollen nicht von dort herauskommen, bis sie den letzten Heller bezahlt haben. Es steht davon geschrieben, alles für Schaden zu achten. Die Theorie darüber stimmt zwar, aber mit der Praxis ist es schlecht bestellt.

Und so geht man umher und fragt sich, wo die Kraft bleibt. Nun, sie verduftet durch die Verehrung und Bewunderung der weltlichen Größe, gegen die Christus seinen beharrlichsten Kampf führte.

Nun will ich für dieses Mal schließen. Zwar gehe ich allerlei Trübsalen entgegen, aber gelobt sei Gott, er ist eine Hilfe in der sehr großen Trübsal. Er wird mich aus der Gewalt der Hochmütigen und aus der Herrschaft der Tyrannen befreien. Meine Seele verlässt sich auf ihn; er wird mir in meiner Mühe beistehen und in Angst nahe sein. Der Kampf, der vor uns liegt, ist sehr groß. Wir würden daran zugrunde gehen, wenn Gottes Gnade nicht wirksam wäre.

Hiermit ein herzlicher Gruß von deinem Bruder

Johan

Grüße Anthony und seine Frau.