Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911

Johan O. Smith

Brief an Aksel Smith, 29. Juni 1910

Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911
Horten, 29. 6. 1910
Lieber Bruder Aksel,

ich schreibe dir ein paar Worte in der Mittagsruhe und erinnere an Jak. 4, 4: Ihr Treulosen! Ist euch denn nicht klar, dass Freundschaft mit der Welt zugleich Feindschaft mit Gott bedeutet? Wer also ein Freund dieser Welt sein will, der wird zum Feind Gottes.

Ein Mann wie David, der nach dem Herzen Gottes war, hatte keine vertraute Freundschaft mit der Welt und ihren Oberen, er lag im Gegenteil ständig im Krieg mit ihnen.

Der Brief von Vater an dich veranlasst mich, darauf hinzuweisen, dass es „treulos“ ist, wenn man mit Onkel Anton (der ein sehr gottloser Mann ist) und seiner Frau Gemeinschaft hat. Was sollen Vater und Mutter bei ihm in Schweden anderes tun, als ihre fleischlichen Lüste zu befriedigen? Ist ein Berg im Weg, um dorthin zu kommen, dann wird wahrer Glaube Berge versetzen. Doch ich glaube kaum, dass dieser Berg (vielleicht Geldberg) im Glauben versetzt werden kann. Als Tante Beate noch im Wohlstand lebte, waren ihr auch Besuche von Mutter und Berglioth vergönnt. Aber jetzt, wo die Armut das Haus heimgesucht hat, haben Mutter und auch Berglioth sich ferngehalten. Solches Umwerben des Großen in der Welt und des Mammons ist Treulosigkeit gegenüber Christus. Ich habe mit Onkel Anton über Gott gesprochen und er und seine Frau vermochten kaum, zwei Wegstrecken weit mitzufolgen. Doch Vater und Mutter können Spaß in seinen Palästen haben und sich von seinen erwähnten vier Pferden kutschieren lassen. Eitelkeit kennzeichnet unsere Zeit und man kann das Dichten und alles, was Dienst heißt, bleiben lassen, solange man das Große in der Welt anbetet und bewundert. Hätten Vater und Mutter für Anton Christus verkündigt, dann hätte er sich nie erdreistet, sie einzuladen. Nur ein gleichgültiges, außerordentlich gleichgültiges Verhältnis zu Gott kann unsere Feinde dazu treiben, solche Annäherungen zu machen. Wer nicht Vater und Mutter, Bruder und Schwester usw. hasst, ist mein nicht wert. Ich will Vater nicht davon schreiben, er würde sonst verstehen, dass du seinen Brief hierher geschickt hast. Aber du solltest ihn in dieser Angelegenheit ernstlich ermahnen. Mutter war ja ihr ganzes Leben lang gleichgültig, sodass man von ihr nichts erwarten kann.

Dann gab es noch Br. Gerrards Lobpreis über den „Inder“. Man muss sich davor hüten, einen Menschen zu vergöttern, denn das ist Engelverehrung. Dann verlässt man das Haupt: Christus.

Nur diese wenigen Worte in Liebe mit der Bitte, sie – wenn möglich – an den richtigen Betreffenden weiterzuschicken.

Dein ergebener Bruder

Johan

Grüße Br. und Schw. Anthony.