Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911

Johan O. Smith

Brief an Aksel Smith, 12. Juli 1910

Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911
P/S Norge, Arendal, 12. 7. 1910
Lieber Bruder Aksel,
Gottes Friede.

Danke, dass du nach Arendal kamst. Es ist immer gesegnet, gemeinsam Gedanken entwickeln zu können. Gestern bekam ich eine Karte von Br. Ellefsen, in der er schreibt, dass Pauline Nilsen Roa nun ernstlich krank ist und wahrscheinlich sterben muss. Als ich das letzte Mal in Horten war, lag sie zu Bett und litt an einer Entzündung in der Hüfte. Sie hat in ihrem Leben viel gelitten. Jetzt ist sie pflegebedürftig und ist alleine in der Welt, sodass Gott sie vielleicht nun heimholen wird. Es war eine wehmütig stimmende Nachricht. Ich schrieb ihr einen längeren Brief, den Ellefsen ihr vorlesen soll. Sie konnte geistliche Wahrheiten leicht erfassen. Aber sie war schwach, wenn es darum ging, sich von allem und allen abzusondern. Davon habe ich ihr auch im Brief geschrieben. Ich hatte nie den Eindruck, dass ich sie direkt auf etwas ansprechen sollte, ermahnte aber dennoch allgemein zu dem, wovon ich verstand, dass es richtig war. Das Leben ist kurz; es gilt zu wachen. Es wird Tag für Tag ernster, finde ich. Br. Ellefsen gleitet nun mehr und mehr in die Spuren hinein, ein Diener des Herrn zu sein. Seit seine Frau starb, ist er zielbewusster als je zuvor.

Pastor Pauls Buch kann ich mein Ja und Amen nicht geben. Denn seine Auslegung genügt leider bei Weitem nicht. Dinge, die er nicht versteht, erklärt er mit der größten Kühnheit. Aber gerade dadurch kommt er vom Weg ab. Es kommen viele menschliche, tiefsinnige Gedanken hervor; diese werden jedoch von dem, was der Geist lehrt, in keinster Weise bestätigt. Und er versteigt sich hier und dort, wenn er in Schriftstellen Rückhalt für seine Gedanken sucht. Das Buch ist am mildesten ausgedrückt verwerflich und ich persönlich will vor dieser Art falscher Auslegungen warnen.

Wenn wir den Geist bekommen haben, dann seien sowohl die Sünde als auch deren Wurzel weg und der Mensch sei ganz heilig, meint Pastor Paul. Unser Geist ist doch nicht auf einmal lebendiggemacht, sondern er wird nach und nach lebendiggemacht. Diesem widerspricht Pastor Paul. Es steht geschrieben: Werdet vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist. Wir werden immerdar in den Tod gegeben. Röm. 7 gelte für einen Menschen, der nicht Gottes Geist habe, meint Pastor Paul. Wir müssen uns sehr davor hüten, dass wir nicht Fleisch für unseren Arm halten, sondern am Haupt, Christus, festhalten und von ihm lernen, der ein besserer Lehrmeister ist als alle Menschen zusammen. Sieh nur nach, was für ein Ende es mit dieser Art von Lehren nimmt. Im tiefsten Grund ist es falsche Freiheit, selbst wenn er nach außen hin zu guten Werken ermahnt – so halbwegs. Wenn der Mensch sich selbst erhöhen will, geht es immer schief. Wir müssen auf die Stimme des Geistes hören und von ihm lernen, wenn es uns gutgehen soll. Ich bin froh, dass du das Buch geschickt hast. Ich bin noch nicht ganz damit durch. Wenn du Frau Katharina Booths Weisheit liest, kannst du einen ganz anderen kräftigen Klang hören. Es gibt eine menschlich religiöse Weisheit, die Gott nie anerkannt hat. Ihr Ton ist hohl und ihr fehlt der kräftige Klang der Liebe. Gottes Weisheit sprudelt immer vor Liebe und beinhaltet Tausende von Wegen hinein in Gottes Vaterherz. Gottes Weisheit zeugt immer von der beständig reinigenden Macht des Blutes und davon, dass wir immer Reinigung nötig haben, sowohl äußere als auch innere. Diese liebliche Lehre will man auf alle Weise verderben, um die Wirkung des Blutes außer Funktion zu setzen. Und Pastor Amli fühlt sich so wohl in diesem Netz, dass er hier so viel Arbeit investieren kann. Höre auf den Klang, lieber Aksel. Prüfe diejenigen, die sagen, sie seien Apostel. Nimm nicht alles für bare Münze. Nein, ich weiß, dass das du nicht tust. Hiermit einen brüderlichen Gruß an dich und die zuhause. Wir sollen von hier aus nach Lillesand und von dort nach Bergen.

Dein ergebener Bruder

Johan

Adr. Bergen