Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911

Johan O. Smith

Brief an Aksel Smith, 21. Februar 1910

Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911
Horten, 21. 2. 1910
Lieber Bruder Aksel,

danke für den Brief. Ich habe einen Kranz für 3,25 Kr. für dich bestellt. Die Beerdigung beginnt nächsten Samstag um 14 Uhr am Haus. Br. Ellefsen war gerade hier bei mir und er sagte, dass es so schön wäre, wenn du so rechtzeitig von Mjøndalen abreisen könntest, dass du an der Beerdigung teilnehmen könntest. Der Zug aus Drammen kommt hier um 11:36 Uhr an. Es wäre gut, wenn du es so hinbekommen könntest.

Diese Begebenheit hat sehr tief in Br. Ellefsens Herz gepflügt und man kann in Wahrheit sagen, dass der Herr jeden Sohn züchtigt, den er annimmt.

Ich habe jetzt den Befehl über die Abkommandierung mit dem Panzerschiff Norge ab dem 1. Mai unterschrieben. Wahrscheinlich wird die Fahrt bis zum 1. November dauern – 6 Monate.

Das Leben bietet Abwechslungen; aber Gott wird uns in allen Dingen reichlich beistehen. Wenn ich mich nicht von menschlichen Gefühlen und menschlicher Sympathie hätte mitreißen lassen, hätte ich vielleicht Gottes Führung in dieser Sache mit Br. Ellefsen während der ganzen Zeit viel tiefgehender verstanden. Aber dieser Unterstrom von Gottes Führung und Gottes Weisheit erfordert absolutes Vertrauen und absolute Hingabe. Und dies wird wiederum eine Aussonderung der menschlichen Gefühle mit sich bringen. Aber wer ist hierin tüchtig? Für mich persönlich war diese Erkenntnis verborgen und das Volk des Herrn geht aufgrund von Mangel an Erkenntnis oft auf vielerlei Weise in die Irre. Gottes Erkenntnis und ein williges Herz kommen in Übereinstimmung mit Gottes Führung. Doch Mangel an Erkenntnis stellt sich immer quer, selbst wenn das Herz willig ist. Oder was hilft Eifer ohne Erkenntnis? Das ist ja dasselbe, wie in die Luft zu fechten. Derjenige, der kämpft, wird ja auch nicht gekrönt, er kämpfe denn recht. Doch, ich glaube schon, dass ich es nötig habe, gründlich in Gottes Willen und Wegen unterwiesen zu werden, und ich bin Gott sehr dankbar für alle Unterweisung. Aber meistens geht der Seele die Unterweisung des Herrn auf, wenn wir falsch gehandelt haben. Eingestehen und Gericht bringen uns dann zu Gottes Erkenntnis über die Sache.

Das sind die inneren Wege, von denen Madame Guyon so oft spricht – innere Vergehen, inneres Eingestehen, inneres Gericht und inneres Leben und Erkenntnis.

Schwester Dahl hatte Schwierigkeiten zu verstehen, dass die Gnade dem Kreuz vorausgeht und dass die Gnade nicht unser rechtmäßiges Leben ist usw. Aber höre jetzt, was Madame Guyon sagt:

„Personen, die in den Wegen Gottes wohl unterrichtet sind, wissen wohl, dass Gott ihnen nur mit der Absicht Gnade erweist, um ihnen damit Gelegenheit und Mittel zu Opferungen zu verleihen. Die Gnade Gottes zurückzubehalten, und sie ihm nicht zu opfern, ist Eigennutz, und man macht sich damit unwürdig, neue Gnade zu erhalten.“

Br. Ellefsen würde auch gerne einen von Schw. Palmes Wandsprüchen kaufen, er findet diese so schön. Könntest du ein paar mitbringen?

Dann lebe wohl und viele Grüße an deine Haushälterin und Schw. Palme. Es ist gut, dass du dort in Mjøndalen immer wieder mit ihr sprechen kannst.

Brüderliche Grüße

Johan