Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911

Johan O. Smith

Brief an Aksel Smith, 31. Dezember 1909

Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911
Horten, 31. 12. 1909
Lieber Bruder Aksel,

hiermit schicke ich dir einen Brief von Vater. Er wünscht, dass du ihn liest. Es sieht so aus, dass er den Rundbrief mit Bereitwilligkeit angenommen hat. Ich glaube, dass solche unpersönlichen Rundbriefe auch in der Zukunft nützlich sein werden, wenn Gott es so lenkt. Es freut mich jedes Mal, wenn Vater etwas schreibt, was darauf hindeutet, dass er etwas von der Erkenntnis Gottes angenommen hat.

Hier in Horten gab es wieder eine geistliche „Böe“. Br. Berg hat mich wegen der letzten Festversammlung bei Isachsen, bei der auch du anwesend warst, gründlich ausgescholten. Die Prügel konnte ich ja auch verdient haben, denn ich hatte nicht die geringste Rücksicht darauf genommen, dass Leute anwesend waren, die alle meine Worte sichteten wie den Weizen. Doch Br. Berg hat nicht nur geprügelt, sondern er trieb den Nagel mit dem größten Vorschlaghammer hinein und mit aller Kraft, die er besaß.

Nach dieser Strafpredigt musste auch ich Rechenschaft ablegen. Und dann stand Schw. Knudsen auf und sagte, dass sie von Gott einen Hinweis bekommen hätte, uns daran zu erinnern, eine Pferdedroschke zu bestellen, was sie nicht befolgt hatte. Ebenso erzählte Br. Isachsen, dass er angeregt hatte, dass Schw. Bakke von denselben wie letztes Mal (Schwiegermutter und mir) mit der Pferdedroschke abgeholt werden sollte. Auf diesen Vorschlag wurde nicht eingegangen, weshalb er für die Zukunft gelernt hätte, sagte er, dass er, wenn er einen Vorschlag mache, zusehen müsse, dass dieser akzeptiert werde.

Nach den Aussagen dieser Zeugen wandte ich mich an Br. Berg und fragte, was nun aus dem Inhalt seiner Rede (aus den Argumenten) geworden sei. Er sagte, dass jetzt alles in ein anderes Licht gekommen sei. (Seiner Meinung nach ein falsches Licht.)

Er fuhr indessen mit seinen Angriffen fort und sagte, dass ich gesagt hätte, dass ich nicht den geringsten Wunsch hätte, Schw. Bakke in der Versammlung dabei zu haben und dass sie gerne dort bleiben könnte, wo sie war.

Während seines ganzen Angriffs weissagte Schw. Bakke zu Br. Bergs Gunsten. Und während ich den Sachverhalt erklärte, weissagte sie gegen mich direkt mir ins Gesicht. Ich musste ihr dann den Mund stopfen und sie davon überzeugen, wie verkehrt es ist, die Weissagung als Kampfmittel zu gebrauchen. Ich hätte nicht die geringste Liebe zu Schw. Bakke, behauptete Br. Berg.

Danach musste ich erklären, dass, obwohl Schw. Bakke mir kein Vertrauen entgegengebracht hatte, Gott mich dennoch dazu gebraucht hatte, sie aus der Sache mit Brun zu befreien. Des Weiteren hatte ich sie mehrmals zuhause besucht, um sie, wenn möglich, zu gewinnen. Ebenso bin ich dabei gewesen, sie zur Versammlung zu fahren.

Br. Berg fuhr auf wie ein Löwe und beendete die Prozedur augenblicklich – das Verhör und die Aufklärung kämen später, weshalb ich finde, dass seine Angriffe ein klägliches Ende nahmen.

Am Tag darauf ging ich zu Schw. Knudsen und besprach die Sache. Sie erzählte dann, dass ihre Kinder diesen Sommer lange Zeit krank gewesen waren und sie große Ausgaben für Medizin gehabt hatten. Br. Berg hatte ihnen während dieser Zeit gewaltige Reden darüber gehalten, dass sie gesündigt hätten, weil Krankheit in ihr Haus gekommen war. Doch als Br. Berg zwei oder drei Kinder mit Scharlach ins Krankenhaus einliefern musste, hörte dieses Gerede auf.

Dann war Br. Berg mit Schw. Bakke in Moss, damit sie getauft würde. Doch als er später zur Versammlung kam, war keine Rede davon, dass es echt sein könne mit jemand, der sich nicht taufen ließe. Schw. Knudsen kam dann dazu, dass sie Berg verweigern musste, bei ihr Versammlungen zu halten. Aber dann war es Schw. Bakke, die wieder Versammlungen wünschte; und so kam es, dass sie wieder damit anfingen.

Du kennst die Verhältnisse hier in Horten recht gut, weshalb ich dir dies etwas ausführlich geschrieben habe. Ich kann über solche seltsamen Läuterungen nur lachen. Br. Berg muss ein grobkörniger Schleifstein sein, an dem man schon seine Kanten wegbekommen kann. Doch tut er alles in bester Absicht und alles im Eifer für die Wahrheit, weshalb ich ihn trotz allem gernhabe.

Du weißt, dass ich mich über alle Beleidigungen, die 3 bis 4 Wochen andauerten, lustig gemacht habe usw. Mit diesen haben sie aufgehört und erwähnten sie mit keinem Wort. Doch Schw. Knudsen hatte darüber nachgedacht und sich gerichtet.

Bei all diesem lerne ich, immer mehr zu ertragen. Br. Berg sagte, dass, wenn ich keine Liebe hätte, mein ganzer Dienst nichts sei, all meine Erkenntnis nichts sei und alles zu nichts reduziert würde. Ich empfand das wie einen Schlag auf den Kopf mit einem schweren Hammer und dachte die ganze erste Wache daran. Doch nun bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass mir das besser bekommt als ein Scheffel Schmeichelei. Im Übrigen war es ja eigentlich ich, der ursprünglich diese Kampfmethode angefangen hat. Daher muss ich mich damit abfinden, einen Schlag einzustecken.

Die Schwestern hier haben sich nach und nach daran gewöhnt, sodass sie heute deutlich mehr ertragen als am Anfang und dann deutet jedenfalls alles in die richtige Richtung.

Das Barometer, das du mir gabst, solltest du bei Gelegenheit, wenn du hierher kommst, wieder mitnehmen, denn du hast es ja selbst als Geschenk von Br. Wintersborg bekommen und solltest es selbst behalten. Wenn nämlich Br. Wintersborg hierher käme und es in meinem Haus sehen würde, würde es ihn vielleicht befremden. Etwas, was man geschenkt bekommt, gehört fester zur Person als Dinge, die man kauft. Wir haben ja nun so viele Dinge von dir bekommen, deswegen sei so gut und nimm es zurück. Ich habe dies auch mit Pauline besprochen und sie sagt dasselbe.

Br. Anthony wird es dir hoffentlich nicht übelnehmen, dass du der Vermittler für den Artikel von Schw. Palme warst. Das kam mir in den Sinn, als ich ihren Artikel heute im „Missionæren“ und im „Korsets vei“ (Weg des Kreuzes) las. Ich glaube, er hat eine Riesenangst um die Zeitschrift. Du könntest ja in dieser Hinsicht aufmerksam sein. Du weißt, wenn er dich liebt, dann will er nur dich haben und nicht einen ganzen Stab im Schlepptau. Er hat bei mir erfahren, wozu das führen kann.

„Ja, jetz werden wir schliessen für diesmahl. Lebst du da sehr wohl und sei hertzlich gegrüsst bei deiner Bruder“ (Deutsch im Original)

Johan

Heute Abend gehen wir zu Schw. Pauline Bergersen (nicht Roa) zu einer kleinen geselligen Runde.