Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911

Johan O. Smith

Brief an Aksel Smith, 29. Dezember 1909

Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911
Horten, 29. 12. 1909
Lieber Bruder Aksel,

danke für deinen lieben Besuch hier an Weihnachten. Es ist immer fruchtbringend, gemeinsam nach verborgenen Schätzen zu graben. Die Worte von Samuel Eide, die du am Bahnhof zitiertest, sind durchaus wert, sich zu Herzen zu nehmen.

Ich schicke anbei einen Brief von Br. Plum, der wohl uns beiden gleichermaßen gilt.

Gestern sprach ich mit Br. Johansen. Er steht jetzt in so starken Feuerprüfungen, dass er nicht bei Isachsen zur Versammlung gehen konnte, sondern früher als gewöhnlich zu Bett gehen musste. Keine Gebete und kein Trost helfen etwas gegen Gottes Beschluss mit mir, sagt er. Nur durch das Feuer zu gehen, gibt Frieden.

Wir gingen miteinander zu Knudsens, wo wir uns ganz privat über die Fahrt und das Ganze unterhielten. Der Besuch war durchaus erfolgreich. Ich habe bemerkt, dass wenn man Steine auf einen Hund wirft und der Hund dann schwanzwedelnd dem Steinwerfer entgegenkommt, dieser dann nicht mehr das Herz hat, auf ihn zu werfen. Ich kann mir vorstellen, dass wir auf diese Weise auch diejenigen entwaffnen können, die Steine auf uns werfen. Gestern ist dies jedenfalls ganz gut gelungen. Das kann vielleicht etwas demütigend sein, aber man wird durch die Gnade und die Ergebnisse, die es bringt, vollkommen entschädigt.

Wenn man einwilligt, das Leben zu verlieren, schmerzt es, alles verlassen zu müssen. Aber wenn man nach Jahren sieht, wie das, woran man hing, verblasst und zugrunde geht, dann bleibt einem eine große Freude darüber, dass das Herz nicht zusammen mit und in dem Vergänglichen zugrunde geht. Soviel zum Allgemeinen.

Nun zum Hintergrund: Gestern war Kinderweihnachtsfeier in der Methodistenkirche. Dort sah ich Gesichter, die früher von der Anmut der Jugend geprägt waren, die aber jetzt schon vom Zahn der Zeit gezeichnet waren. Es gab eine Zeit in meinem Leben, in der ich all diesen frohen Gesichtern in meinem Herzen Lebewohl sagen und mich abwenden musste, um Gottes guten und vollkommenen Willen zu tun. Dieses Abwenden entzündete ein schmerzendes Feuer in meinem Inneren. Doch als ich gestern das ansah, was schmerzlich zu verlassen gewesen war, entdeckte ich, dass mein Herz nur von dem gelöst worden war, was verblasst und vergeht. Dadurch lernte ich, dass derjenige, der sich nicht in seinem Herzen losreißen lässt, mit den Jahren Enttäuschung und Gram leiden muss, weil das, worauf er sich verließ, zugrunde geht. Aber wer sich vom Vergänglichen losreißen lässt, während es in voller Blüte steht, wird, wenn es zugrunde geht, nicht enttäuscht, sondern zufrieden sein.

Wir lernen hieraus, dass alle Dinge zu ihrer Zeit zu uns zurückkommen. Das, was Wunden verursachte, bringt nach Jahren Heilung. Oder, was man um des Namens Jesu willen verliert, bekommt man zurück.

Br. Plum muss auch die Zeit zu Hilfe nehmen, um uns kennenzulernen. Noch kennt er uns nicht wirklich, aber dazu kann er kommen, wenn ihm richtig die Augen dafür aufgehen, dass wir nicht seine Güter suchen, sondern ihn selbst. Denn in diesem Punkt hat er als vermögender Mann vielleicht mehr gesehen als die meisten. Denn wenn alle das Ihre suchen, müssen sie es dort suchen, wo es zu finden ist, und dann ist es nicht einfach, Geld verwalten zu müssen.

Ja, hiermit will ich schließen, indem ich dir für alles im alten Jahr danke und dir ein Jahr reich an Segnungen und Fortschritt in Jesus Christus wünsche. Ebenso möchte ich dir Heilung und Segen im Zeitlichen wünschen.

Sei von uns allen hier gegrüßt – und zuletzt von deinem Bruder

Johan

Johanne grüßt.

Wie du siehst, grüßt Johanne mit geführter Feder.

Plum schickte 6 Karten wie die beigelegte, doch im Hinblick auf das Gewicht schicke ich nur, was am besten passt.