Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911

Johan O. Smith

Brief an Aksel Smith, 20. Dezember 1909

Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911
Horten, 20. 12. 1909
Lieber Bruder Aksel,

danke für deinen Brief, der heute ankam. Den Rundbrief solltest du, glaube ich, nicht an Vater schicken, da er Zurechtweisungen enthält, deren Zeuge ich werde. Das könnte ihn verletzen und eine der Absicht entgegengesetzte Wirkung haben.

Beim Militär ist eine Zurechtweisung in Gegenwart anderer weit schärfer als unter vier Augen. Vater könnte dies auffassen, als ob wir beide richtig auf ihn losgehen wollten.

Du weißt, dass man im Alter zwischen 60 und 70 Jahren als Mensch leicht verletzbar ist – besonders von seinen eigenen Kindern. Mir persönlich wurde immer nachgesagt, dass ich hart sei, und jetzt habe ich das so oft gehört, dass es mir geradezu ins Blut übergegangen ist, sodass ich von mir selbst glaube, dass ich hart bin. Es freut mich deshalb, ausnahmsweise zur Milde raten zu können.

Viele Briefe habe ich zerrissen, wenn Pauline sie kritisieren durfte. Wir brauchen Rat, denn im Eifer für die Wahrheit ist man meistens in Gefahr, Dinge zu begehen, die auf lange Zeit Schaden anrichten können.

21. 12. Kadett Aslaksen kam gestern vorbei und verabschiedete sich. Er wollte heute um 17 Uhr nach Hause fahren. Bruder Aslaksen macht Fortschritte, aber er braucht Umgang mit dem Volk Gottes, damit er die gegenseitige Hilfe erfahren kann.

Rundbriefe passen, wenn alle ebenbürtig sind. Aber nicht, wenn einer, dem der Rundbrief gilt, zurechtgewiesen werden soll. Die Lehre im Allgemeinen und Briefe an die Gemeinden sandte Paulus zum Lesen an mehrere Gemeinden. Doch in diesem Fall, glaube ich, dass es für Vater schwierig sein wird, es so anzunehmen, dass er es als Richtschnur beherzigen kann. Und wenn er das nicht tut, dann ist ja die Absicht nicht erreicht. Er könnte vielleicht Anstoß nehmen und dann wäre es ja schlimmer.

Nun sind es nicht mehr viele Tage bis Weihnachten. Ich glaube, es wird das Beste sein, den genannten Brief hier bei mir solange liegenzulassen. Und dann kannst du ja später entscheiden, ob du ihn in Umlauf bringen willst.

Was mich persönlich betrifft, bin ich nie so sehr in Gefahr, Fehler zu begehen, wie dann, wenn ich am meisten für die Wahrheit eifere. Aber gerade deshalb hat Gott viele Male gestoppt, was ich vorhatte. Es gibt einen Eifer für Gott, der gezähmt werden muss und sich als Langmut und Geduld auswirken muss. Dieser Eifer hätte nach außen wirken sollen, aber weil er nicht angenommen werden kann, wirkt er auf uns selbst zurück als eine verzehrende Kraft, das ist: „Der Eifer um dein Haus hat mich verzehrt.“

Nur diese wenigen Worte in Eile.

Herzliche Grüße von deinem Bruder

Johan

Pauline bittet dich zu schreiben, wann du ankommst.