deinen sehr wertvollen Brief bekam ich heute. Ich ersehe daraus, dass das Licht immer heller leuchtet bis zum vollen Tag. Gott ist Licht und es ist überhaupt keine Finsternis in ihm. Er wohnt durch den Glauben im Herzen und darum wird es hell dort drinnen. Aber das Licht enthält auch Wärme, darum wird es hell und warm im Herzen. Wenn wir dann zu alledem noch an den Wasserbächen gepflanzt sind, dann gedeihen wir bestimmt in dem Wachstum, das Gott gibt – ohne irgendwelche Sorgen. Was du schriebst von der Überzeugungsarbeit des Geistes Gottes, war ganz klar. Beim Sünder bewirkt diese Überzeugung Schmerz – tiefen Schmerz – bis man das Leben verliert, aber dann findet man auch das Leben – das ewige. Wenn wir uns dann gründlich der Sünde haben überführen lassen und den Meister annehmen, so werden wir gründlich von der Gerechtigkeit überzeugt, Joh. 16, 10, weil Jesus auferweckt und zum Vater gegangen ist und wir ihn nicht mehr sehen. Dann ist der Glaube gekommen. Denn wie kann jemand das glauben, was er sieht? Darum sind wir auch selig, denn selig sind, die nicht sehen und doch glauben. Es ist eine Freude, durch das Wort vom Geist überzeugt zu werden, dass wir ganz gerecht sind, dass die ganze Schrift davon zeugt, dass wir ohne Fleck sind – ohne Fleck und Runzel. Wenn wir nicht ganz gerecht würden, wäre das Sterben Christi unvollkommen. Doch nun hat er ein Opfer für die Sünden dargebracht, und sitzt nun für immer zur Rechten Gottes. Hebr. 10, 12. Dieses Opfer ist in Ewigkeit ausreichend und wer glaubt, eilt nicht. Gottes Wort ist das, was feststeht, darum ist es erfreulich zu sehen, dass du dort nach Licht forschst. Wer sucht, der findet. Ich selbst habe viel gesucht und geforscht, habe aber auch viel gefunden, was mich sicher und stark in Gott macht. Doch gibt es unheimlich viel mehr zu suchen, denn er übertrifft alle Erkenntnis. Sein Wort irrt nie. Es geht auf, so wie Rätsel und Gleichnisse aufgehen. Die Schrift ist für uns verschlossen, bis er, der den beiden auf dem Weg nach Emmaus die Schrift öffnete, sie uns öffnet. Und dann fangen unsere Herzen an zu brennen, denn Licht und Wärme dringen ein. Aber solche Offenbarungen werden nur zu dem, was nützlich ist, verliehen. 1. Kor. 12, 7. Wenn wir eifrig sind, dann wird bald mehr und mehr nützlich für uns. Doch dem Gleichgültigen ist das, was er hat, viel mehr als genug. Ja, ihm wird auch das genommen werden, was er hat. Man kann sein Pfund vermehren und an jenem Tag ein gutes Zeugnis vom Meister bekommen und zur Freude des Vaters eingehen.
Es gibt nur eine einzige Gemeinschaft und es gibt nur einen einzigen Glauben. Diese Gemeinschaft ist mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus. Gott ist kein Katholik oder Presbyterianer oder Mormone oder Baptist oder Lutheraner oder Methodist, sondern er ist „Ich bin!“ Nun sollen wir vollkommen werden, so wie unser Vater vollkommen ist. Gott lässt sich nicht nach einem Menschen benennen, denn er gibt selbst allen Leben und Odem. Niemand sollte es wagen, ihn nach Luthers oder Paulus’oder Kephas’Namen zu benennen, denn nie hat man gehört, dass der Älteste nach dem Jüngsten benannt wird. Aber von ihm kommt der Name Vater – sei es im Himmel oder auf der Erde. Nun sind wir Christi Braut, darum haben wir seinen Namen auf unsere Stirn bekommen. Wenn meine Frau sich nach einem anderen Mann nennen wollte, dann sollte sie zu dem Mann gehen, dessen Namen sie annimmt. Genauso wie die Münze, die der Meister ansah und sprach: Gib Gott, was Gottes ist, und dem Kaiser, was des Kaisers ist. Warum sollte man Christi Braut Frau Luther und Frau Wesley und Frau Josef Smith nennen? Sind Luther und Wesley und Josef Smith für uns gestorben? Nein und nochmals nein! Hurerei und Mord und Parteiungen sind von einem Vater, dem Teufel. Es gibt keinen anderen Namen unter dem Himmel, durch welchen wir errettet werden sollen, als den Namen Christi. Das Schwert des Geistes, das lebendig und scharf ist, wird wohl wissen, das Fahrwasser für diesen teuren Namen freizuhalten. Es wird immer eine Kluft sein zwischen dem Namen Christi und den Namen von Sekten. Der reiche Mann und Lazarus werden keine Verbindung haben.
Der König ist ja das Oberhaupt der lutherischen Kirche. Doch jetzt haben wir keinen König in Norwegen und selbstverständlich hat die Staatskirche ihr Haupt verloren, sodass sie eine zeitlang nur noch mit dem Körper dastand, bis die norwegische Regierung ihr Haupt wurde. Wie das Haupt so schnell ausgetauscht werden und anwachsen kann, ist ziemlich unnatürlich.
Doch das Haupt von Gottes Gemeinde ist Christus. Wenn du in Offb. 17, 3 liest, dann findest du die Hure, die auf dem Tier sitzt. Sitzen nicht auch alle Staatskirchen auf den Staaten? Die „Geistlichen“ (?) bekommen von dort ihren Lohn. Und was ist das anderes, als vom Tier getragen zu werden?
Wir nahmen nichts von den Heiden, sagt Paulus. Einen Pfarrer, der nach dem Gesetz eines fleischlichen Gebotes angestellt ist, als Seelsorger zu haben, ist nicht weit her. Wir sind ja selbst Könige und Priester und haben Christus als Hohepriester, Hebr. 7, 16, der dies nicht nach dem Gesetz eines fleischlichen Gebotes geworden ist, sondern nach der Kraft eines unvergänglichen Lebens. Von diesem Hohepriester stammen wir ab, denn wir sind Fleisch von seinem Fleisch und Bein von seinem Bein. Dies ist Christi Lehre – alle andere Lehre ist schlicht und einfach vom Teufel, selbst wenn man noch so sehr versucht, die Traditionen aufrechtzuerhalten. Nur an Christi Namen festzuhalten, ist genug. Aber man kann ja ein wenig Ansehen nach dem Fleisch erhalten, dadurch dass man den Namen der Staatskirche annimmt und sich unter ihre Fittiche begibt. Sicher ist aber: das Fundament der Staatskirche ist der Staat. Niemand kann jedoch einen anderen Grund legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Christus. Wenn mich jemand im Geist Gottes und durch die Schrift davon überzeugen kann, dass ich Lüge geschrieben habe und dass die Staatskirche etwas von Gott ist, dann will ich mir gerne sagen lassen, denn ich vermag nichts wider die Wahrheit.
Ich habe dir keinen Vorwurf gemacht, lieber Aksel, weil du in der Staatskirche bist, weit davon. Jesus machte noch nicht einmal der Frau, die im Ehebruch ergriffen wurde, einen Vorwurf. Aber etwas sagte er, nachdem sie überführt war: Gehe hin und sündige hinfort nicht mehr. Wem viel gegeben ist, von dem wird man viel fordern. Ein jeder ist angenehm vor Gott nach dem, was er hat, nicht nach dem, was er nicht hat.
Paulus sagt zu Timotheus: Überzeuge, weise zurecht, ermahne. Dies ist auch unsere Aufgabe. Nicht zuerst zurechtweisen, sondern zuerst überzeugen. Nur derjenige, dem die Augen aufgetan sind, kann zurechtgewiesen werden. Zucht hagelt es von allen Seiten, aber es gibt unheimlich wenig Überzeugungsarbeit.
Es war sehr erfreulich zu hören, dass auch Selma es gut bekommen hat. Letztes Jahr im Herbst in Arendal merkte ich ihr an, dass sie von Gottes Reich nicht weit weg war. Möge sie auch auf dem neuen Weg, auf dem sie angefangen hat, schnell, offen und geradlinig bleiben.
Wir dürfen es nie für nötig halten, voreinander zu heucheln. Lass uns alles, was uns auf dem Herzen liegt, frei heraus sagen und alles hinausreinigen, sodass wir einander innig aus reinem Herzen lieben können. Nur reine Herzen schmelzen zusammen. Schmutz ist Isolation. Es bringt nichts, etwas in der Erde zu vergraben. Der Geist, der alle Dinge erforscht, findet es augenblicklich.
Lebe von Herzen wohl. Ich mag deine langen Briefe sehr, aber ohne, dass du es wolltest, wurde es dieses Mal so schwer, dass wir das hier klären mussten. Nächstes Mal kannst du gerne doppelt so viel schreiben.
Man bekommt selbst eine ungeheuer gute Unterweisung, wenn man diese Dinge schreibt, denn oft kommt das Licht, während man schreibt. Und dabei lernt man, sich so klar wie möglich und so kurz wie möglich zu fassen.
Ich habe mich beim Wahlausschuss in Oddernes abgemeldet. Wie du weißt, habe ich im Mai 1903 in Gimlemoen gewohnt. Dieses Mal stehen so wichtige Dinge bevor, dass ich daran teilnehmen muss. Sonst habe ich nie meine Stimme abgegeben.
Es wäre schön, persönlich miteinander zu sprechen. Wir haben jetzt genug Platz, wenn du einmal hierher kommst.
Ich glaube, dass Ludvig großes Vertrauen zu dir hat. Vielleicht könntest du ihn gewinnen. Er braucht Errettung, dann wird alles andere in Ordnung kommen.
Grüße Selma und alle zuhause. Vaters Brief habe ich bekommen. Dein Bruder
Johan