Gottes Gnade und Friede.
Jetzt habe ich einen Brief von Br. Anthony erhalten, in dem er schreibt, dass er auf dem „Missionæren“ mehrere Tausend Kronen Schulden hat und deshalb nicht frei ist. Er hat 10.000 Kr. geliehen, als er die Zeitschrift kaufte, und sieht sich daher verpflichtet, die Zeitschrift inhaltlich so zu gestalten, dass sie sich finanziell trägt. Mein Artikel solle einen Ehrenplatz im Regal erhalten, sagte er. Ja, hierüber gibt es viel zu sagen, weshalb man nichts sagen sollte.
Genug davon; die grundlegende Arbeit, die für eine wahre Heiligung absolut notwendig ist, ist hiermit wegen der obengenannten Geldangelegenheit zum Stillstand gebracht. Mein Dienst in Christus ist immer in die Richtung gegangen, zuerst den Grund ganz und gar freizumachen und danach aufzubauen. Auf einem fremden Grund zu bauen war für mich genauso abscheulich wie – ja, ich weiß nicht, was für einen Ausdruck ich dafür verwenden soll, aber ich betrachte es schlicht und einfach als geistliche Hurerei. Aus diesem Grund haben alle Abbrucharbeiter hart und gefühllos ausgesehen. Aber die Personen, die sich aus Liebe zur Wahrheit niederbrechen ließen, haben dann später die Erfahrung gemacht, dass mein Dienst in Christus nicht nur im Abbrechen, sondern auch im Bauen bestand. Doch leider gibt es nicht viele, die den ganzen Weg hier mitgehen konnten. Diejenigen jedoch, die mitgingen, können von der seligen Gemeinschaft zeugen, die wir im Heiligen Geist miteinander haben.
Gott hat mich von Anfang an hart angefasst, fast mehr als ich glaubte, dass ein Mensch aushalten könnte. Er ließ mich durch Feuerprüfungen gehen, von denen nur ich selbst und Gott wissen. Dadurch, dass ich so gründlich zunichtegemacht und entwurzelt wurde, kam ich in einem frühen Stadium in eine tiefe Leidensgemeinschaft mit Christus hinein. Ja, die Leiden waren am Anfang so stark, dass ich mich viele Male geradezu rasend benahm, wenn ich alleine war und niemand mich sah. Aber ich bat Gott, mich zum Gehorsam zu zwingen und mit meinem aufgewühlten Herzen Geduld zu haben. Alle diese schlimmsten Prüfungen waren freiwilliger Art, sodass ich ohne weiteres alles über Bord hätte werfen können und den Leiden entgehen. Aber ich hatte immer das Gefühl, sobald ich dies täte, würde ich für immer in ein verkehrtes Verhältnis zu Gott kommen und seine Kraft und die vertraute Gemeinschaft mit ihm verlieren. Die Folge wurde, dass ich von Gott Gnade bekam, unter großen Leiden alle diese Strapazen siegreich durchzustehen.
Da ich nun selbst diesen Weg gehen musste, ist auch gerade hier mit meiner Person ein Werk geschehen – eine Ausbildung, geistliche Ausbildung, die nur Gott durchführen kann. Eben aus diesem Grund wird alles, was ich schreibe, so hart, was ich rede, so hart – und das Arbeitsfeld wird kleiner und kleiner. Wenn ich an den „Missionæren“ schrieb, habe ich versucht, mich mit allen Kräften zu bremsen. Wenn dann also ein so behutsamer Artikel bei der Zeitschrift angekommen ist, war dies nicht ohne beträchtliche Mühe damit, mich zurückzuhalten. Ich habe um anderer willen an mich halten müssen.
Eben der Artikel, der im Regal landete, war die Frucht einer längeren Aufräumarbeit. Es war nun dahin gekommen, dass das Brecheisen an besonders wichtigen Verhältnissen angesetzt war, wo es für die Heiligungsarbeit von größter Bedeutung ist, dass dort aufgeräumt wird. Gott war die ganze Zeit mit und ich bin sicher, dass Gott einen herrlichen Sieg verliehen hätte, selbst wenn die Feinde des Kreuzes Christi vor Verärgerung getobt hätten. Ohne dass ich speziell darauf bedacht war, wurde die geistliche Arbeit im „Missionæren“ völlig rational mit bestimmten Linien, die auf ein bestimmtes Ziel hinwiesen, vorangetrieben. Aber jedesmal, wenn ich gebremst werde, steht mir vor Augen, dass meine Hände gebunden sind, weshalb ich auch in diesem Stück ganz zufrieden bin.
Heute habe ich Vater wieder von Madame Guyon geschrieben, dass dieses Buch besonders gut für Personen wäre, die gerechtfertigt sind, aber nicht das Geringste von Heiligung verstünden. Das heißt solche, die nie weiter kommen, als über die ersten grundlegenden Wahrheiten zu reden: dass wir ein Leib mit Christus sind, dass wir mit ihm in den Himmel gesetzt sind, dass wir von der Sünde und dem Gesetz freigemacht sind usw. Dass es in dem Buch darum geht, in Leiden und Trübsalen auszuhalten, dass es ja wenig nützen würde, davon zu reden, in den Himmel gesetzt zu sein, wenn man beim geringsten Widerstand in vollen Harnisch gerät und dass eben für diese Dinge die Heiligung notwendig wäre. Ebenso habe ich Br. Aanensens Brief sehr gelobt, dass er in Christi Leidensgemeinschaft wohl weiter gekommen wäre, als sie nur als bloße Erkenntnis im Kopf zu haben.
Vater braucht so etwas; er lernt nie nachzudenken, bevor nicht die Sache für ihn auf den Kopf gestellt wird. Er wird nun wahrscheinlich mit Aanensen über diese Dinge sprechen, sodass es schon möglich ist, dass Licht aufgehen kann. Ich habe auch Berglioth empfohlen, das Buch zu lesen und es immer in kleineren Abschnitten zu lesen, damit man alles zusammen schlucken kann.
Gott hat uns eine herrliche Arbeit gegeben, die wir ausführen sollen, und ich schätze sie sehr. Es wird eine Seele hier und eine andere dort benötigt, damit der Teig von vielen Seiten her durchsäuert werden kann. Du kannst ganz sicher sein, dass es funktionieren wird. Wenn die Menschen nur die Wahrheit liebten, würde es schnell gehen.
Es gibt bereits eine kleine Schar auf dem Weg der Heiligung und später könnte von einer kleinen vertraulichen „Heiligungskonferenz“ die Rede sein und von der Herausgabe einer kleinen Zeitschrift „Heiligung“. Diese muss die Erstlingsfrucht bzw. das Vorzüglichste von „der Bewegung“ sein.
Wir brauchen eine Zeitschrift, die von allem und allen frei ist. Eine Zeitschrift, die bis auf den Grund abbrechen und aufbauen kann. Eine unparteiische Zeitschrift, die keinen Standpunkt einnimmt, ohne ihre Quellen im Göttlichen zu haben. Man will aufbauen und aufbauen, aber man muss dann wirklich darauf achten, auf welchen Grund man baut. Ich habe den Grund gelegt als ein weiser Baumeister, sagt Paulus, ein anderer baut darauf. Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut. Wenn wir den Menschen gefallen wollen, sind wir nicht Diener Christi. Unter solchen Umständen drückt man sich davor, den Grund freizuräumen. Aber Gott sei gedankt, niemand kann auf einem anderen Grund bauen, außer dem, der gelegt ist, nämlich Christus. Wenn jemand einen anderen Grund hat, ist es nicht möglich, auf ihn zu bauen. Deshalb ist es ja absolut notwendig, zuerst den wahren Grund zu legen, denn man kann auf einem anderen nichts bauen.
Hiermit einen herzlichen Gruß. Diesmal habe ich etwas persönlich geschrieben, da es im Moment gerade angebracht sein kann.
Dein allezeit in Christi Wahrheit verbundener Bruder
Johan