Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911

Johan O. Smith

Brief an Aksel Smith, 29. Oktober 1909

Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911

(Maschinengeschrieben, sehr verkürzt, Original fehlt, Quelle: «Seilas mot Himmelens Kyst»)

Horten, 29. Oktober 1909
Lieber Bruder Aksel,
Gnade und Friede.

Danke für deinen lieben Brief sowie für die Briefe von Vater und Berglioth. Heute bekam ich auch einen Brief von Br. Anthony, in dem er einen Brief von Jensen-Mår mitschickt, der Anthony für seinen kleinen mutigen Artikel über „Bier und die Mission“ dankt. Jensen-Mår war ziemlich zornig darüber, dass Erik (Andersen) so etwas hatte schreiben können, aber er wollte nicht öffentlich über die Sache schreiben, sondern privat an Erik.

Du hast ja einen sehr lieben Brief von Berglioth bekommen. Es wundert mich, dass sie es so nehmen konnte, wie sie es genommen hat. Denn ich schrieb ziemlich scharf darüber, was ein Faulenzererleben ist und was kein Faulenzerleben ist. Aber wenn Gott seinen Segen dazu gibt, dann kann es so hart aussehen, wie es will. Diese kleine Szene, glaube ich, hat Berglioth gutgetan; denn sie bekam etwas von den geistlichen Kampfkräften zu spüren, die anscheinend ihre Gebeine gestärkt und vielleicht in einem gewissen Maß ihren Kurs gelenkt haben.

Vater ist etwas in der Klemme und das ist sicherlich notwendig, bevor er aufgibt, „etwas Gutes in dieser Welt zu erwarten“. Wenn das Leiden über diesen Verlust auch aufhört, ist man weit gekommen. Doch hoffe ich nun das Beste für Vater. Es wird ihm sehr guttun, Madame Guyon zu lesen. Das Buch wird immer besser. Sie hatte ein längeres Gespräch mit einem scharfsinnigen Bischof und dieses Gespräch ist wirklich ausgezeichnet. Sie hat in ihren Ausführungen eine solche geistliche Tiefe, dass man kaum seinen Augen traut, wenn man es liest. Bischof Bossuet versucht, ihr wegen ihrer Schriften beizukommen, in denen sie sagt, dass sie Gott in all seinen Fügungen sieht, wo doch Gott eine Person ist, meint Bossuet. Sie antwortet hier u. a.: „Daher gibt es zwei Vorstellungen von Gott, eine über Gott als Subjekt, die primäre Vorstellung, die einfach und undefinierbar ist, die andere über Gott als Vereinigung spezifischer göttlicher Attribute, die komplex ist und sich selbstverständlich analysieren und definieren lässt. Gott, wie er sich in der primären Vorstellung offenbart und nicht nur betrachtet als eine Zusammensetzung von Attributen, sondern als das Subjekt oder die Einheit der Attribute, ist das, was ich reine Göttlichkeit nenne.“

Du siehst daraus, wie mathematisch präzise sie denkt. Gott sandte Madame Guyon in erster Linie zu den geistlichen Leitern, sagt sie selbst. Sie erzählt, dass sie nie predigte, sondern nur mit Leuten sprach und mit ihnen betete und schrieb. Es scheint, dass Gott ein ebensolches Werk für uns zurechtgelegt hat.

Was du mir geschickt hast, war auch ausgezeichnet. Ich habe hier und da Anmerkungen gemacht und habe es bald fertig gelesen, wahrscheinlich Anfang nächste Woche, und möchte es dann Vater weiterschicken.

Du sprichst über eine Zusammenarbeit mit Dänemark. Ja, Gott möge uns nach seinem Gutdünken leiten. Es wäre gut, wenn andere Personen mit Vorschlägen in diese Richtung kämen, glaube ich. Gott wirkt in der einzelnen Person, was er will. Doch mir scheint, dass ich bei den Brüdern Plum und Rassmussen ein Verständnis für die Notwendigkeit bemerkt habe, dass wahre Unterweisung nötig ist. Br. Rasmussen hat einen größeren Einfluss, als man glauben sollte – sowohl auf Wittrock als auch auf Plum und Biehl. Er vereint alle diese Verschiedenheiten, indem er zu niemandem von ihnen eindeutig hält.

Hiermit einen herzlichen Gruß von deinem Bruder

Johan