Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911

Johan O. Smith

Brief an Aksel Smith, 13. Oktober 1909

Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911
Horten, 13. 10. 1909
Lieber Bruder Aksel,

danke für deinen lieben Brief und das Telegramm. Gleichzeitig mit deinem Brief erhielt ich heute auch einen längeren Brief von Br. Anthony. Du solltest deine Reise so planen, dass du am Samstag hierher kommst, denn es kann einiges geben, über das wir miteinander sprechen sollten. Der entfachte Eifer über die Ablehnung des Urlaubsantrags hat zwar starke Angriffe auf das Gleichgewicht im Gemüt unternommen, aber Gott sei gedankt, der uns allezeit Sieg gibt, das zu „bezwingen“, was unsere Ruhe im Gemüt stören will. Br. Anthony hat große Kämpfe, höre ich; aber er muss den Schmerz ausleiden. Du musst ihm schreiben und ihm hier und da einen aufrüttelnden Ansporn geben. Ich habe ihm heute geschrieben, dass wir schon genug geistliche Wracks haben (das heißt solche, die sich nicht bis zu völligem Sieg durchgekämpft haben) und dass man als Herausgeber einer so großen Zeitschrift einen Mann mit völligem Sieg braucht.

Es war eine Freude zu hören, dass sich Agn. Thelle und Dagm. Gregersen und auch Kleppe versammelt haben, um die Frage der Heiligung zu erörtern. Ende letzten Monats war, wie du weißt, eine Heiligungskonferenz bei Nissens in Kopenhagen, zu der die Brüder Plum und Rasmussen eingeladen waren. Ich habe jetzt Br. R. geschrieben und ihn gebeten, mir ein wenig davon zu berichten, wie diese Versammlung ablief, welche Themen und welche Ergebnisse es gab. Was wir jetzt hier im Land und in ganz Skandinavien brauchen, ist eine zielbewusste Heiligungsarbeit. Konferenzen und Zusammenkünfte hat es genug gegeben. Wenn man mehr von dieser Art haben wollte, dann müsste es eine Heiligungskonferenz sein, bei der man die Notwendigkeit erörtern würde, Erkenntnis über das zu verbreiten, was der Kraft seiner Auferstehung folgt – nämlich die Leidensgemeinschaft mit Christus. Und dann braucht man eine Zeitschrift über Heiligung. Diese Zeitschrift, glaube ich, würde in ganz Skandinavien Eingang finden.

„Det gode budskap“ und „Byposten“ sind auf die Dauer kaum lebensfähig. Dafür sammeln sie zu sehr zu sich selbst und werden nicht in gesunden geistlichen Spuren geleitet.

Wenn jetzt die Brüder Erik Andersen und Barratt nicht in die tiefen Spuren der Heiligung mitkommen, werden sie eine passive oder vielleicht widerstrebende Haltung einnehmen, die sie sehr bald an die Oberfläche bringen wird. Diesen Freitag wird voraussichtlich ein Artikel veröffentlicht, den ich für den „Missionæren“ geschrieben habe. Dieser Artikel ist in seiner Art radikaler als die Artikel, die ich mich vorher erdreisten konnte zu schreiben. Weil ich den Eindruck habe, dass der Redakteur mehr mitmacht, können solche Dinge meine Zensur passieren. Du weißt selbst, dass man so schreiben muss, dass es hineingenommen wird, selbst wenn man dabei auf die treffendsten und kraftvollsten Sätze verzichten muss.

Es mangelt in hohem Maß an Ehrlichkeit bei den Männern, die die Lehre vom Übergang zu Röm. 8 ins Land gebracht haben. Ich habe besonders Lust gehabt, diese Sache ans Licht zu bringen, zumal sie das Bauwerk ihrer Lehre nicht verteidigen, sondern ohne Widerspruch einstürzen lassen. Wenn sie aber ihre Lehre ohne Widerspruch einstürzen lassen, dann bedeutet das dasselbe, wie das Ruder aus der Hand zu geben. Die geistliche Leitung entgleitet ihrer Hand, weil sie nicht vermögen, das Schiff auf richtigem Kurs zu halten. Hast du eigentlich darüber nachgedacht? Dies ist und wird das Ende der geistlichen Kampagne. Denn immer leiten die Sieger – im Zeitlichen wie im Geistlichen. Aber sie verstehen kaum die Zeit ihrer Heimsuchung. Es kam die Zeit für König Nebukadnezar, dass das Königtum aus seiner Hand gerissen werden sollte. Wir leben in einer Zeit starker geistlicher Evolutionen, weshalb wir in hohem Maß wachen und beten müssen. Nicht alle können etwas damit anfangen, von diesen Dinge zu hören. Aber Gott hat dir ja Gnade gegeben, viel in Wort und Schrift zu arbeiten gegen die Arbeiter, die versucht haben, das Ruder zu halten, wo sie nicht verstehen zu leiten. Daher ist es gut für uns, über diese Dinge eingehend zu sprechen. In den letzten Tagen habe ich die Leidensgemeinschaft Christi stärker als seit langem empfunden. Das hat mich mehr ins Gebet getrieben, um Trost zu finden. Ich hoffe, dass wir uns bald sehen und mehr darüber reden können.

Dein an der Arbeit teilhabender Bruder

Johan