Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911

Johan O. Smith

Brief an Aksel Smith, 29. September 1909

Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911
Horten, 29. 9. 1909
Lieber Bruder Aksel,
Gnade und Friede von Jesus Christus, unserem Herrn.

Danke für deinen lieben Brief, den ich heute erhielt. Es ist jedes Mal eine Freude, deine Briefe zu bekommen, da du dich allezeit befleißigst, Gott in Erkenntnis und Leben näher und näher zu kommen. Br. Anthony kommt morgen (Donnerstag) hierher. Er freute sich sehr darüber, dass wir jetzt möglicherweise eine Gelegenheit bekommen, zusammen zu sein und zusammenzuarbeiten. Ich habe beim kommandierenden Admiral Beurlaubung vom 15. 10. bis 15. 1. 1910 – 3 Monate – beantragt. Die Antwort kann ich bis ca. 10. Oktober erwarten. Es ist in aller Stille angedeutet worden, dass ca. 6 Bootsmänner diesen Winter beurlaubt werden könnten. Diese Sache wird sich wohl zurechtlegen, so Gott will. Ich erwähnte in meinem Gesuch, dass der Herausgeber versprochen hätte, mir Englischunterricht zu geben und bei Übersetzungen zu helfen. Dafür würde ich ihn auf andere Weise unterstützen. Man will nämlich sehr gerne, dass die Marine auch Nutzen von den Beurlaubungen hat.

Letzten Sonntag war ich bei Ellefsen, der Landurlaub hatte. Er hatte einen ganz jungen Konstabler 3. Kl. bei sich, der an Bord Frieden mit Gott bekommen hatte. Br. Ellefsen ist jetzt eifriger als je zuvor. Das Leben an Bord und der Widerstand haben ihn nur näher zu Christus geführt. Er konnte von Geisteskämpfen berichten, die er an Bord ausgefochten hatte. D. h. Kämpfe im Geist – ohne Worte – gegen verschiedene Personen. Er sagte, sie würden ihn dem Geist nach hassen – nicht zuletzt seine Vorgesetzten.

Br. Birkeland, der auf dem anderen Panzerschiff (Tordenskjold) war, konnte auch von einem jungen Maschinistenlehrling berichten, der sich an Bord bekehrt hatte. Er hieß Terjesen und war aus Porsgrund. Sein Vater, seine Mutter und alle übrigen Geschwister, 9 an der Zahl, waren bekehrt, nur dieser eine Junge noch nicht. Doch als er nun erzählen konnte, dass er an Bord Jesus gefunden hatte, war der Jubel überaus groß. Sie wagten nicht, es seiner schwachen Mutter zu erzählen, weil sie befürchteten, dass es zu überraschend käme. Br. Birkeland sagte gestern mit Tränen in den Augen, dass er sich so danach sehnen würde, über vieles sprechen zu können.

Es ist erstaunlich, wie Gott arbeitet, ja, erstaunlicher, als ich ausdrücken kann. Seine Güte wird mehr und mehr offenbar, sodass ich in den letzten Tagen viel an Eph. 2, 7 dachte: damit er in den kommenden Zeiten erzeige den überschwenglichen Reichtum seiner Gnade durch seine Güte gegen uns in Christus Jesus.

Während eines Gesprächs später draußen bei Pauline Roa gab uns Gott ein herrliches Licht über 2. Petr. 1, 19 bis zum Ende des Kapitels. Hier sieht man deutlich, dass die Schrift (das prophetische Wort) nie durch menschlichen Willen geschrieben wurde und deshalb auch nicht durch menschlichen Willen ausgelegt werden kann, sondern durch den und in dem Heiligen Geist.

Du tust dich gerade etwas schwer damit, sehe ich. Du hattest ja ein klares Verlangen danach, den „Weg des Glaubens“ zu gehen. Dieses Verlangen wird Gott bestimmt auch nach seinem Reichtum erfüllen. Denn er hat einen großen Reichtum an Situationen, in die er uns führen kann, um den Glauben zu prüfen, der nach bestandener Prüfung köstlicher wird als das vergängliche Gold, das durchs Feuer geläutert wird. Aber bei dem Herrn Herrn gibt es Auswege aus Feuer, Wasser und dem Totenreich – hinein in eine ewige und gewichtige Herrlichkeit. Daher wird Gott sicher auch hier einen Ausweg schaffen. Doch in Stille und Ruhe soll unsere Stärke liegen. Wir sollen still stehen und das Heil des Herrn sehen. Du weißt ja selbst, dass wir darüber miteinander sprachen.

Aasgaardstrand ist nur ein ganz kleiner Ort, von armen Seeund Fischerleuten bewohnt. Ich glaube also kaum, dass du dort dein Auskommen findest. Einen Zahnarzt gibt es dort sicher nicht. Oberbootsmann P. sprach von Fredriksværn; er glaubte kaum, dass es dort einen Zahnarzt gibt. Diese Stadt liegt vermutlich ca. ½ Stunde zu Fuß von Larvik entfernt und ist beträchtlich größer als Aasgaardstrand. Anthony könnte diesbezüglich bestimmt mehr über diese Stadt erzählen.

Danke für den Gruß, er passte so ausgezeichnet und war mir zum Segen. Denn Gott hat eherne Türen weggenommen und eiserne Riegel zerbrochen und er wird es weiterhin tun.

Es freut mich sehr zu sehen, dass Br. Anthony in Christus vorangeht und dass er tieferen und größeren Frieden bekommt. Allein unsere Arbeit im Geist trägt eine ewige Frucht und besteht aus Gold, Silber und edlen Steinen, die das Feuer ertragen, wenn der Tag kommt. Daran lass uns denken und andere daran erinnern, sodass wir mehr und mehr Gottes Mitarbeiter werden und mit Paulus sagen können: Wir sind Gottes Mitarbeiter, ihr aber Gottes Ackerfeld. Nun ist Gott ein Geist und seine Arbeit geistlich. Wenn wir daher seine Mitarbeiter sein wollen, müssen wir etwas im Geist hervorbringen. Gottes Acker zu sein ist eine Sache, aber Arbeiter auf diesem Acker zu sein, ist etwas ganz anderes.

Herzliche Grüße. Dein Bruder

Johan