deinen sehr lieben Brief habe ich gerade eben bekommen. Es war eine wahre Freude für mich, von den tatsächlichen Verhältnissen in Kristiansand zu hören, da ich weiß, dass Gott dir Gnade gegeben hat zu verstehen. Du schreibst einiges über Vater, dass er mit dem Sündenleib fertig sei usw. Ich glaube, wenn du wiederholt versucht hast, ihn von dem zu überzeugen, was richtig ist, dann solltest du in dieser Sache ruhen. Denn der ständige Kampf wird deinen Leib anstrengen ohne entsprechende Frucht. Ich habe Vater ja selbst bis ins Unendliche an diese Dinge erinnert, aber er will nicht. Vermutlich ist etwas in seinem Leben, das er nicht ans Licht hervorbringen will, denn mit Finsternis und durch Verdrehungen versucht man dann, das zu umgehen. Wir sind hierin von der Verantwortung frei, da wir ja bis ins Unendliche daran erinnert haben, dass wir durch viele Leiden in die Herrlichkeit eingehen; dass wir den Weg des Kreuzes gehen müssen. Es ist mir eine große Freude, lieber Bruder, deinen Eifer für Gott und deine Liebe zur Wahrheit zu erfahren – selbst da, wo dies Leiden bewirkt. Halte treu aus mit dem, was du hast, sowohl im persönlichen Leben als auch im Dienst, dann wird Gott dir einen reichen Eingang in Gottes ewiges Reich geben. Ich hatte jetzt Wache in der Kaserne und hatte da Zeit, mehrere von den englischen Schriften, die du mir gabst, zu lesen. Mrs. Penn Lewis schreibt ganz ausgezeichnet in „Vink for arbeidere“ (Hinweise für Arbeiter). Ebenso habe ich in „Die Heiligung“ gelesen, wo ich u. a. Bemerkungen fand über: „Der Schatz in irdenen Gefäßen; wo gesagt wird: Von Gott dargereichte Andacht und Anbetung strengt Gehirn und Nerven nicht an, sondern sie erquickt und stärkt Geist, Seele und Leib.
Anstrengend wird die Andacht, wenn das irdene Gefäß mit aller Nervenanspannung die Andacht hervorbringen soll, als müsse dem Herzen die Andacht von uns dargereicht werden.“ Dies passt nicht nur gut auf die Andacht, sondern auch auf Gespräche mit Leuten. Trifft man Menschen, die träge sind zu begreifen, dann wird der Leib durch die ständige Suche nach überzeugenden Mitteln angestrengt. Doch ein angenehmes Gespräch mit Gleichgesinnten stärkt Leib, Seele und Geist. Ich glaube, dass du, der du einen schwachen Leib hast, gerade hier aufpassen solltest, dass du dich nicht unnötig überanstrengst. Denn du weißt, dass man nicht nur zur Zeit von Paulus Leuten begegnete, die hart widerstanden. Auch in unserer Zeit gibt es viele solche Leute wie den Schmied. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass man seine Kräfte an solchen Leuten vergeuden soll, außer insoweit, dass man als Lohn die Genugtuung bekommen könnte, dass man sie gründlich widerlegt hat. Nichts ist ja so nervenaufreibend wie fruchtlose Überzeugungsarbeit. Solche halsstarrigen Objekte muss man ohne Kurs und Ziel weitertreiben lassen. Jesus opferte weder Zeit noch Kräfte für solche Leute. Er antwortete dem Toren entsprechend dessen Torheit und ließ ihn weiterziehen. In solch geistlicher Härte müssen wir uns üben.
Frau Larsen ist hier und hat mich einmal besucht. Sie war auch in einer Versammlung. Sie trat ziemlich mannhaft und belehrend auf, sowohl bei mir als auch zu Beginn der Versammlung. Sie braucht Unterweisung in dem zarten geistlichen Taktgefühl, das der Schmuck geistlicher Frauen ist. Ebenso muss ihr Blick weg von den Gaben und hin zum Geber gerichtet werden. Aber diese Arbeit soll Vater auf sich nehmen, da sie zu ihm am meisten Vertrauen hatte. Wenn diese Dinge nicht bald zurechtgebracht werden, wird die Aufgeblasenheit sie verderben und sie wird wieder draußen in der Welt anzutreffen sein. Sie ist bereits ziemlich weit draußen auf der schiefen Bahn. Hier hat derjenige, der sich für einen Hirten hält, etwas zu tun. Es ist ganz angemessen, dass Frl. Holmqvist jetzt Autorität hat. Auf die naive Gutmütigkeit kann man verzichten. Hier kann man sehen, wie notwendig es ist, ganz von Anfang an alles Ungesunde fernzuhalten. Frau Larsen ist vermutlich jetzt auf dem Weg nach Kristiansand. Sie wollte unterwegs zuhause vorbeischauen, sagte sie.
Von Anthony habe ich einen sehr schönen Brief bekommen. Er ist ziemlich demütig.
Herzliche Grüße, dein Bruder Johan