Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911

Johan O. Smith

Brief an Aksel Smith, 23. August 1909

Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911
Horten, 23. 8. 1909
Lieber Bruder Aksel,
Gottes Gnade und Friede.

Vielen Dank für deine Briefkarte aus Lyngør. Gestern war Br. Anthony hier. Wir haben über vieles gesprochen und besonders zu Röm. 7 stellte er viele Fragen. Er fragte u. a., wie Paulus sagen konnte, dass das Gebot ihm den Tod brachte, und später wieder sagen konnte, dass nicht das Gebot ihm den Tod brachte, sondern die Sünde. Dies scheint sich ja zu widersprechen, aber ich glaube schon, dass ihn die Antwort einigermaßen zufriedengestellt hat. Denn ich erklärte ihm, dass 1) das Gebot, 2) die Sünde und 3) ich drei verschiedene Dinge sind. Als 3) ich und 2) die Sünde eins waren, wirkte 1) das Gebot, bis ich merkte und verstand, dass ich eine Bürde (die Sünde) mit mir herumschleppte, die nie die Forderung des Gesetzes erfüllen konnte. Das Gebot wirkte nun solange an mir, dass alle mögliche Begierde vor mein Bewusstsein kam. Das Gebot bewirkte, dass ich nun mein ganzes Elend zu sehen bekam und die Folge wurde dann, dass ich mein Mandat niederlegte. Das Gebot war zum Leben gegeben, aber es fand sich, dass es mir den Tod brachte. Aber gerade, als ich starb, wurde ich lebendig und kam in Harmonie mit dem Gebot. Also sehen wir, dass das Gebot mir das Leben brachte, wirkliches Leben, aber das war nach dem Tod (der Selbstaufgabe). All dies geschah aber um der Sünde willen, damit sie als Sünde sichtbar würde. Also 1) brachte ihm die Sünde den Tod durch das, was gut ist, 2) nämlich das Gebot.

Das wiederum bedeutet: Früher war ich mit der Sünde vereint, aber jetzt bin ich mit dem Gebot vereint.

Des weiteren konnte er V. 20 nicht verstehen, dass nun nicht mehr ich es tue, sondern die Sünde, die in mir wohnt. Doch hierüber kam er zu voller Klarheit und freute sich darüber. Er war übrigens ein scharfer Denker. Aber du weißt, dass es möglich ist, ein „scharfer Denker, aber schwer von Begriff“ zu sein. Ich will dies nicht auf Br. Anthony beziehen, sondern erwähne es in dieser Verbindung nur als Denkanstoß.

Im Übrigen konnten wir sehr gut miteinander reden. Es fiel ihm nicht schwer, sich selbst bloßzustellen. Er kam um 11.30 Uhr und fuhr um 18.23 Uhr wieder ab. Sonderbar, sagte er, dass er nicht verstanden hatte, was ich schrieb. Ebenso erzählte er, dass der letzte Brief, in dem ich über „den Leib“ und „den Menschen“ schrieb, nicht verstanden wurde. Gerade dieser kleine Brief beinhaltete viele wertvolle Wahrheiten. Aber er sagte, dass der Brief sehr kurzgefasst wäre und viele Gedanken sich überlagerten.

Ich glaube, dass wir von diesen tieferen Dingen zu Leuten im Allgemeinen nicht reden können, sondern sie nur von dem Standpunkt aus, wo sie sich befinden, weiterführen können. Ich sagte zu Br. Anthony auch, dass nicht alle von Gottes Volk Jesu Jünger wären, sondern nur die, die das Kreuz aufnähmen. Darin war er einig. Er sei jetzt entschlossen, das Kreuz aufzunehmen, sagte er. Er hätte großes Vertrauen zu dir und fühlte sich jedes Mal gerichtet, wenn er mit dir zusammen wäre, sagte er. Dies wäre nicht so angenehm, aber es wäre nötig, sagte er.

Nur dieser kleine „Bericht“ von unserem Zusammensein. Grüße alle zuhause sowie Ludvig, wenn du ihn triffst. Ich hoffe, wir treffen uns, wenn deine Westnorwegenreise beendet ist. Es ist immer so gut, mit dir über die Geheimnisse Christi zu reden. Br. Anthony hat gute Voraussetzungen, wenn er nur das Kreuz vertragen könnte.

Herzliche Grüße von uns allen hier.

Dein Bruder Johan