Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911

Johan O. Smith

Brief an Aksel Smith, 13. August 1909

Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911
Horten, 13. 8. 1909
Lieber Bruder Aksel,
Gottes Gnade und Friede.

Herzlichen Dank für deinen lieben Brief. Es hat mich gefreut, von Schwester Palme zu hören. Wir haben nun Br. Rasmussen aus Kopenhagen hier bei uns gehabt. Er wohnte von Donnerstag bis Sonntagmorgen hier und fuhr anschließend nach Kristiania. Er ist ein sehr lieber Bruder. Er sagte selbst, dass er sehr zum Kritisieren geneigt hatte. Doch wir fanden heraus, dass jemand, der auf eine väterliche Weise in aller Liebe den Fehlern, die er sieht, abhelfen kann, größer ist als der, der kritisiert. Wir wurden hierin also einig und ich würde wünschen, dass alle, die Gnade von Gott bekommen haben, zwischen edel und unedel zu unterscheiden, diese Fähigkeit gebrauchen würden, um dem Volk Gottes zu helfen, anstatt zu kritisieren und es noch weiter wegzujagen. Zuchtmeister haben wir genug, aber an Vätern in Christus Jesus herrscht großer Mangel. Mögen wir das im Gedächtnis behalten!!!! Es gehört ein gereifter Sinn dazu, Beleidigungen, bedeutungslose Missverständnisse und vieles andere, wovon Gottes Volk überlistet werden kann, zu übersehen. Zwei bis drei Griffe weiter am Steuerrad können den Kurs des Schiffes ändern, aber viel Kritik über den Kurs hilft nichts.

Frau Larsen aus Kristiansand war hier mit einem Gruß von Vater. Gestern hatten wir eine Versammlung bei Isachsens, zu der richtig viele Menschen kamen. Von Br. Birkeland auf der „Tordenskiold“ habe ich einen Brief bekommen. Er ist eifrig zum Gebet. Br. Gunnerius Tollefsen schickte einen Brief und zwei englische Zeitschriften. Br. Ellefsen hat ihn nämlich besucht.

Nach meinem Verständnis ist es so, dass wir am allerbesten ruhen, wenn unsere Gedanken und unser Sinn in Gott vertieft sind. Wir befassen uns ja nicht mit theologischen Kopfstudien, sondern nur mit dem, was uns im Heiligen Geist offenbart wird. Irgendwo müssen die Gedanken ja sein und im Fleisch kann man keine Ruhe finden, das weißt du ja. Doch die Sache ist wohl eher die, dass Br. Anthony diese harte Kost nicht gefällt und deshalb schlägt er Ruhe vor. Aber diese Ruhe (Ferienruhe) hat ihren Ursprung wohl eher im Fleisch als in der Welt des Geistes. Möge Gott dir Gnade geben, denen, mit denen du in Verbindung kommst, keine Ruhe zu gönnen, ehe sie in der Wahrheit ruhen. Für Ferienruhe ist am allerwenigsten Zeit. Schwester Palme hätte wohl auch am liebsten Ruhe gehabt, aber nun bekam sie keine Ruhe, ehe sie in Gottes wunderbaren Wahrheiten ruhte.

Die Weisheit von oben ist zuerst 1) rein, danach 2) friedsam. Nicht zuerst friedsam und danach rein. Der Mensch wünscht sich von Natur aus zwar gerne Friedsamkeit, doch die Weisheit von oben verlangt zuerst Reinheit.

Br. Rasmussen bat mich, dich zu grüßen. Er fährt morgen mit der „Dronning Maud“ nach Kopenhagen.

Grüße Br. Anthony.

Sei auf das Herzlichste gegrüßt von deinem in Christus streitenden Bruder

Johan