Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911

Johan O. Smith

Missionæren Nr. 31 – 5. August 1909 - Der Leib der Sünde

Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911

Der Leib der Sünde

Viele Kinder Gottes sind der Auffassung, dass sie, wenn sie Gottes Geist bekommen haben, den Sündenleib vollständig losgeworden sind. Sie sagen, dass alle Versuchung von außen kommt. Der Versucher versucht von außen, die böse Saat ins Herz zu säen. Denn alles, was sich im Menschen befindet, ist rein, da man zum einen mit Christus gestorben und zum anderen mit ihm auferstanden ist.

Andere erklären, dass wir den Sündenleib an uns tragen, solange wir im Leib zuhause sind, aber dass die Sünde nicht über uns herrschen soll, sondern wir über sie herrschen sollen und dass auf diese Weise der Sündenleib nach und nach zugrunde gehen soll.

Wieder andere glauben, man sollte so wenig wie möglich über diese Dinge reden, da sie Einfalt als das höchste Gut ansehen.

Da ich nun einmal glaube, dass es von lebenswichtiger Bedeutung ist, richtig zu untersuchen, was Gottes Wort mit dem meint, was es uns sagt, so glaube ich auch, dass es sehr nützlich sein würde zu untersuchen, ob man den Leib der Sünde tatsächlich ein für alle Mal losgeworden ist oder ob wir uns mit ihm herumplagen müssen, solange wir in unserem irdischen Leib sind.

Paulus sagt in Röm. 6, 6, dass unser alter Mensch mit Christus gekreuzigt wurde, damit der Leib der Sünde zunichtegemacht würde, sodass wir hinfort der Sünde nicht dienen.

Es war nicht der Sündenleib, der gekreuzigt wurde, sondern der alte Mensch. Das Kreuz hat den Sündenleib in uns nicht einmal erreicht. Es hat nur den alten Menschen erreicht, d. h. wir sind in all den Punkten gekreuzigt, wo wir volle Erkenntnis über das Böse haben. Doch können wir heute noch Dinge tun, die wir in einem Jahr nicht tun können, weil wir dann Erkenntnis darüber bekommen haben, dass es verkehrt war. Man wird mit anderen Worten mehr gekreuzigt und der Sündenleib wird mehr zunichtegemacht.

Dieses Zunichtemachen des Sündenleibes steht in direkter Verbindung mit Phil. 3, 10: Ihn zu erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden, indem ich seinem Tod gleichgestaltet werde.

Jedes Zunichtemachen bringt Leiden und Tod mit sich. Diese Leidensgemeinschaft mit Christus ist eine notwendige Bedingung für unsere Heiligung, denn Christus ist auch hier der Weg. Und wenn wir mit ihm leiden, werden wir auch mit ihm verherrlicht werden.

Das Angenehmste von allem wäre natürlich, ein für alle Mal vom Leib der Sünde befreit zu sein. Aber nun hat Gott es nicht so gemacht.

Die Feinde des Kreuzes Christi führen genau auf diesem Gebiet einen hartnäckigen Kampf; denn sie wollen alles auf Christus legen, um selbst frei zu sein. Zwar soll alles auf ihn gelegt werden und muss alles auf ihn gelegt werden, aber die Sache ist nun die, dass wir uns in i h m befinden sollen, weshalb wir notwendigerweise mit ihm sowohl an Leiden wie auch an Freuden Anteil bekommen.

Eine andere Art Feinde des Kreuzes Christi versteckt sich hinter dem, dass es so gut sei, einfältig und kindlich zu sein. Man glaubt, dass man so darum herum kommt, sich Erkenntnis darüber anzueignen, dass man mit Christus leiden muss. Und dadurch bewahrt man sich selbst und sein Leben in dieser Welt so unschuldig hinter diesem Schirm von Einfalt und Kindlichkeit. Ja, in Wahrheit ist dies eine Kindlichkeit, die beträchtlich an den Wolf in Schafskleidern erinnert.

Christus hat in seinem eigenen Leben den Sündenleib in den Tod geführt, als er für uns zur Sünde gemacht wurde. Doch was in Christus geschehen ist, muss notwendigerweise mit uns geschehen. Wenn wir auch nicht so weit kommen, wie Christus gekommen ist, dann sollten wir dennoch mit Paulus sagen können: Eines aber tue ich: Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was vor mir liegt, und jage auf das Ziel zu, den Kampfpreis der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus.

Horten, 30. Juli 1909