vielen Dank für deinen sehr lieben Brief, der davon zeugt, dass du es gut hast in Christus Jesus.
Der Geist macht lebendig – das Fleisch ist nichts nütze. Der Herr ist der Geist und wo der Geist Gottes ist, da ist Freiheit. Wer den Geist Gottes hat, hat nichts zu verbergen, darum kann alles ans Licht hervorkommen. Wenn wir in diesem Licht wandeln, dann haben wir Gemeinschaft miteinander und das Blut Christi, des Sohnes Gottes, reinigt uns von aller Sünde. Wer will verdammen – Christus ist gestorben – ja vielmehr – er ist auferweckt.
Ich höre, dass du jemandem begegnet bist, der dich züchtigen wollte. Das war wahrscheinlich einer von den 10.000. Denn ob ihr gleich 10.000 Zuchtmeister hättet in Christo, so habt ihr doch nicht viele Väter, sagt der Apostel. Die Sache ist aber die, dass die Gnade uns züchtigen soll, das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste zu verleugnen – nicht die 10.000 Zuchtmeister.
Weiter sprichst du über die Gesellschaft, mit der du zusammen warst, dass sie weltlich waren usw., dass du aber große Freude daran fandest, ihnen das Wort zu verkündigen. Ja, hier kann man keine Regel aufstellen; denn ich habe Freiheit zu allem, will mich aber von nichts beherrschen lassen, sagt der Apostel. So aber jemand von den Ungläubigen euch einlädt, so geht hin, sagt er, und esset, ohne euch ein Gewissen zu machen. Nun ist aber die Sache die: Wir dienen dem Gesetz Gottes mit unserer Gesinnung und dem Gesetz der Sünde mit unserem Fleisch; die Gottlosen aber dienen dem Gesetz der Sünde sowohl mit der Gesinnung als auch mit dem Fleisch – hier liegt der Unterschied.
Wenn wir wie der Apostel uneingeschränkt sagen können, 2. Kor. 2, 15: Denn wir sind für Gott ein Wohlgeruch Christi unter denen, die gerettet werden, und unter denen, die verloren gehen; den einen ein Geruch des Todes zum Tode, den anderen aber ein Geruch des Lebens zum Leben. Und wer ist hierzu tüchtig? Wenn wir hierzu tüchtig sind, dann können wir sowohl in die schlechtesten Kneipen als auch in die Behausungen des Königs gehen, denn wir sind wie Feuer in trockenem Stroh.
Wenn man aber schwach ist und dazu neigt, am fremden Joch mit den Ungläubigen zu ziehen, dann tut man am besten daran, wenn man sich schnellstmöglich von ihnen trennt, denn wie stimmt Christus mit Belial überein, Gott mit der Welt, der Ungläubige mit dem Gläubigen? 2. Kor. 6, 14 ff. Darum geht aus von ihnen und sondert euch ab, spricht der Herr; und rührt nichts Unreines an, so will ich euch annehmen. Unsere Gesinnung und die Gesinnung der Welt sind so gegensätzlich. Die Welt ist fleischlich gesinnt und das ist der Tod. Wir aber sind geistlich gesinnt und das ist Leben und Friede. Wir müssen allen alten Sauerteig hinausreinigen und ein neuer Teig werden. So lasset uns von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes uns reinigen und fortfahren mit der Heiligung in der Furcht Gottes.
Wer Pech anrührt, wird befleckt, rührt man das Feuer an, verbrennt man sich, und rührt man die Sünde an, bekommt man ihre Stiche zu spüren. Unsere Freiheit in Christus ist groß, wir dürfen durch sie aber in keinerlei Weise dem Fleisch Raum geben. Sollen wir in der Sünde beharren, damit die Gnade umso mächtiger werde? Das sei ferne! Wie sollten wir in der Sünde leben wollen, der wir gestorben sind?
Lass uns nie nach den breiten Wegen fragen, wie weit wir uns mit Armen und Beinen in die Welt hinausstrecken und immer noch ein Christ sein können. Die Gesinnung und die Gedanken von solchen sind auf die Welt und auf die Fleischtöpfe Ägyptens gerichtet. Und wonach sie streben und trachten, das wird ihnen gelingen. Lass uns aber nach der Weisheit und Kraft Gottes trachten und nach den Dingen, die droben sind, und lass uns das vergessen, was in der Welt ist. Ach, dass du kalt oder warm wärest, spricht der Herr, weil du aber lau bist, werde ich dich ausspeien aus meinem Mund. Halb und halb nützt nichts, man wird dann ein religiöser Sklave, der einer Salzsäule gleicht, die ihre Kraft verloren hat. Kalt oder warm. Gott lässt sich nichts vorheucheln, er hat Augen wie Feuerflammen und alles ist bloß und aufgedeckt vor seinen Augen, mit dem wir es zu tun haben. Er ist nicht auf Gottlose angewiesen. Ihm wird nicht mit Menschenhänden gedient, als hätte er etwas nötig; er gibt selbst allen Leben und Odem.
Wollen wir Diener des Herrn sein, dann sollen wir reden als das Wort des Herrn. Und das ist aufs Erste lebendig, danach scharf, schärfer denn kein zweischneidig Schwert. Es ist nicht abgerundet und stumpf, sondern es scheidet Mark und Bein, und es richtet die verborgenen Gedanken und Sinne des Herzens.
Nach deinem letzten Brief kommt es mir so vor, dass du versuchen willst, deine weltlichen Kameraden zu behalten und dennoch in Christus zu leben. Doch das möchte ich dir sagen, lieber Aksel: Entweder musst du sie gewinnen oder sie gewinnen dich. Unzählige Menschen haben versucht, Gott und die Welt zusammenzuspleißen, aber es ist immer misslungen und es ist das Verderben der Betreffenden geworden. Bist du froh und glücklich in Christus, so verkaufe dieses dein Erstgeburtsrecht nicht für ein Linsengericht wie Esau. Später hat er es mit Tränen gesucht, aber vergeblich. Willst du kerngesund und stark wie ein junger Löwe werden und hüpfen wie ein gemästetes Kalb, dann nimm klar Abstand von der Welt und ihren Herrlichkeiten und rede so zu deinen Freunden, dass sie entweder das Weite suchen oder durch deine feurige Rede schmelzen.
Ich kann nicht anders, als so zu reden, wie ich es tue. Möge Gott dir Einsicht und Offenbarung des Geistes geben, seine Geheimnisse zu verstehen, die die Weisen und Klugen dieser Welt nicht verstehen. Die Wahrheit soll sich nicht nach uns richten, sondern wir uns nach ihr. Ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch freimachen. Christus ist die Wahrheit, der Weg und das Leben. Er übertrifft alle Erkenntnis. Erkennen wir Lüge, wird Lüge unser Teil, und erkennen wir Wahrheit, dann wird Wahrheit unser Teil.
Die Weisheit wird uns in Feuer und Wasser führen. Die Wahrheit ist radikal und rücksichtslos gegenüber unserem eigenen Leben in dieser Welt. Gott hat auch seinen Sohn nicht verschont.
Lies Lk. 11, 37 ff. Hier sitzt Jesus zu Tisch bei einem Pharisäer; sieh aber, wie er austeilt. Eine Mahlzeit hat ihn nicht zum Knecht seiner Gastgeber gemacht.
In Apg. 6, 10 steht von Stephanus: Und sie vermochten nicht zu widerstehen der Weisheit und dem Geist, in dem er redete. In Apg. 7, 57 hielten sie ihre Ohren zu und stürmten einmütig auf ihn ein. Stephanus war fähig, der Welt zu predigen, denn niemand konnte ihm widerstehen. Doch darin lag die Feindschaft. Stephanus war ein kräftiger Stein des Anstoßes.
Abraham saß in Gottes Rat. Er machte Einwendungen, als Gott Sodom zerstören wollte, und Gott hat sehr auf seine Rede geachtet. Lot war zwar auch gerecht, aber Gott konnte nicht so zu ihm reden wie zu Abraham. So auch jetzt. Es ist möglich, sich Gott ganz und ungeteilt hinzugeben, sodass man in seinem geheimen Rat sitzen darf. Dort ist es spannend. Dort lernt man die Dinge verstehen. Dort ist man in seinen Sachen nicht unsicher, sondern völlig sicher, und man kann völlig sicher reden. Wir glauben, darum reden wir, steht geschrieben. Ist man unsicher, dann redet man unsicher. Glaube ist aber feste Überzeugung von dem, was man nicht sieht. Es ist keine nur ungefähre Überzeugung.
Es war wertvoll, dass du Klarheit darüber bekamst, dass wir notwendigerweise Gottes Gesetz mit der Gesinnung und dem Gesetz der Sünde mit dem Fleisch dienen müssen. Und hierfür dankt Paulus Gott. Das ist verwunderlich, aber dadurch wird unser Ruhm immer ausgeschlossen und die ständige Gnade züchtigt uns. Man braucht über diese Dinge nicht unwissend zu sein; aber für die meisten ist dies eine verborgene Sache. Sie wagen nicht, das zu glauben. Nur Feigheit. Es gehört etwas Draufgängertum dazu. Die Freiheit Norwegens haben wir durchentschlossenes Handeln gewonnen. Ebenso bekommen wir die Freiheit in Christus durch entschlossenes Handeln. Weg mit allem Bündnis und aller Verbindung zur Welt. Sie stellen Bedingungen. Pfeife auch darauf. Satan ist zertreten und die Bedingung ist, dies zu glauben.
Grüße zuhause. Ich hoffe, dass Ludvig bald kommt. Es ist so gewöhnlich, dass man wirken will, aber die Sache ist: Gott ist es, der in euch wirkt das Wollen und das Vollbringen – unser Wirken im Äußeren ist nichts – nur Torheit.
Heute und vor einigen Tagen sprach ich mit Fregattenkapitän Kielland.
Er könne solche nicht leiden, die Gottes Wort ständig im Mund führten, sagte er. Das gehöre ins Kämmerlein. Ich antwortete ihm darauf, dass so nicht viel daraus würde, in alle Welt hinauszugehen und alle Völker zu Jüngern zu machen, wenn alle sich in ihr Kämmerlein verkriechen würden. Er biss sich auf die Lippen und schwieg. Aber heute hatte er etwas gefunden und sich eine Revanche zurechtgelegt und ich wurde in sein Büro hinuntergerufen. Aber es war nur Unsinn. Der Mann wollte nur derjenige sein, der Recht hatte, und so ließ ich ihn gewähren, denn er verstand sich nur auf natürliche und nicht auf geistliche Dinge. Mit dem Arsenalverwalter Sande rede ich viel über diese Dinge, denn ich sitze tagsüber in seinem Büro. Heute las ich ihm Lk. 11 vor, wo Jesus zum Essen eingeladen ist, und er lachte und freute sich.
Schreibe bald, denn es ist sehr spannend, von dir zu hören.
Dein Johan