Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911

Johan O. Smith

Brief an Aksel Smith, 29. April 1909

Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911
Horten, 29. April 1909
Lieber Bruder Aksel,
Gottes Gnade und Friede.

Danke für deinen sehr lieben Brief, aus dem ich sehe, dass es dir gutgeht und dass du wünschst, in der Stille für dich allein zu wohnen. Ja, das ist das Beste von allem. Nur in Gottes Nähe in Ruhe und Vertrauen leben, vor Gottes Angesicht stehen und seine Stimme hören – kann man sich etwas Höheres und eine tiefere Ruhe hier auf der Erde vorstellen? Man soll sich nicht um die Werke sorgen, denn es kommt nicht auf die Quantität der Werke, sondern auf deren Qualität an. Gott will gerne welche haben, die vor seinem Angesicht stehen, denn es gibt genug von denen, die vor dem Angesicht der Leute stehen. Und wenn wir in allem seine (Gottes) Ehre suchen, dann wird Gott uns auch nicht beschämen. Daher war ich froh, als du davon sprachst, in der Stille zu leben. Aber nun gibt es zwei Arten von Stille – eine Todesstille und eine hörende Stille. Lass uns mit aller Wachsamkeit die Letztere wählen.

Br. Andresen (Der fröhliche Maurer) war ein paar Tage hier und ich kann ihn nicht genug loben. Tag und Nacht betete er zu Gott und war zu großem Segen. Du weißt, wie schlimm Christian Probleme mit dem Stuhlgang hatte. Zuletzt hatte er nie Stuhlgang ohne Einlauf. Dann bekam ich einen Rat von einem Bruder aus Moss und kaufte Harlemer-Öl und gab ihm 2 bis 3 Tropfen in Wein. Aber dieses Zeug muss ihm ziemlich ins Blut gegangen sein, anstatt im Bauch auflösend zu wirken, denn der Junge bekam in der Nacht Herzklopfen und stand aufrecht im Bett und schrie, während das Herz gewaltig schlug. Ich bat Gott um Christians Leben und das Herz wurde ruhiger, er war wirklich tapfer. Ich erzählte diese ganze Geschichte Br. Andresen. Zweimal betete er und legte ihm die Hände auf. Von dem Moment an haben wir nie mehr einen Einlauf für ihn gebraucht, sondern er hat Stuhlgang ohne Einlauf oder andere Mittel gehabt. Er hat eine harte Zeit hinter sich, doch heute war ihm etwas unwohl und heute Abend bekam er starken Durchfall – nur eine Magenverstimmung. Gott ist gut, sein Name sei gepriesen. Grüße Br. Andresen sehr herzlich von uns und erzähl ihm, wie es dem kleinen Christian gegangen ist, denn er wollte gerne Näheres hierüber hören. Er ist nun in Larvik und Kongsberg. Ich glaube, er würde in Kristiansand zu großem Segen sein, denn er lehrt die Leute beten.

Du schreibst von dem Artikel im „Missionæren“. Es war erfreulich zu hören, dass einige sich ermannt und angefangen haben zu denken. Natürlich kann ein solch kleiner Artikel nicht allumfassend sein, sodass er aufgrund seiner Begrenztheit angreifbar sein und den Widersachern Gelegenheit geben kann, von Dingen zu reden, die im Artikel nicht einmal erwähnt sind. Aber unser Wissen ist Stückwerk und unser Reden ist Stückwerk. Ich habe jedoch alles in Gottes Hand ruhen lassen, denn es ist nicht meine Absicht, mich selbst zu verteidigen. Um der Wahrheit selbst willen habe ich in der Gnade, die Gott gibt, versucht, etwas von der absolut falschen Lehre zu entfernen, die die allermeisten der vom Gesetz freigemachten Kinder Gottes durchsäuert hat. Viele endeten in falscher Freiheit und sind in Sünden aller Art gekommen. Es ist also dringend erforderlich, dass etwas in dieser Richtung gesagt wird. Es gibt nun eine Menge Brüder und Schwestern, die während der letzten Erweckung den Geist bekommen haben, und es wäre traurig, wenn alle diese an solch miserable Lehrinhalte geraten würden. Aus Furcht vor Knechtschaft greift man zu solchen Lehrinhalten. Doch die Wahrheit hat in sich selbst die Eigenschaft freizumachen, sodass man sich nicht davor zu fürchten braucht, sie zu erkennen. Heute Nachmittag sprach ich mit Br. Engstrøm und beiden Tollefsens am Telefon. Sie sind bei Axel Wold in Moss und baten mich hinüberzukommen, aber das kann ich nicht. Tollefsens kommen nicht hierher, aber Engstrøm kommt.

Brüderliche Grüße an dich und Berglioth. In Christus, dein

Johan