Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911

Johan O. Smith

Missionæren Nr. 16 – 22. April 1909 - Röm. 7 und Röm. 8

Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911

Röm. 7 und Röm. 8

Wo man hinkommt und mit Gläubigen ins Gespräch kommt, die gelernt haben, Gott im Geist zu dienen, und die davon freigemacht sind, ihm auf eine gesetzliche Weise zu dienen, glaubt man, von Röm. 7 in Röm. 8 hineingehüpft zu sein. Man hält sich für freigemacht, sodass man nie mehr dahin kommen kann, etwas Verkehrtes zu tun. Hiermit müsste man auch davon freigemacht sein, sich selbst zu richten, und das Ganze zeigt direkt in Richtung falsche Freiheit.

Die Menschen, die eine solch verpestete Lehre in Umlauf gesetzt haben, verstehen wohl kaum, was sie getan haben. Tatsache ist aber, dass unter den vom Gesetz freigemachten Christen in unserem Land diese falschen Lehrinhalte tiefere Wurzeln geschlagen haben, als man ahnt.

Ich habe Geschwister gefragt, die es wirklich aufrichtig meinen, ob sie denn, seit sie die Geistestaufe bekamen und vom Gesetz freigemacht wurden, niemals etwas Verkehrtes getan haben; aber man hat sich um die Antwort gedrückt. Denn man weiß ja nur allzu gut, dass man hier und da Dinge getan hat, die man nicht hätte tun sollen. Aber ehrlich zu sein und dies einzugestehen, wagt man nicht, weil es nicht übereinstimmt mit der Freimachungslehre, die man gelernt hat, und damit, von Röm. 7 in Röm. 8 hineingehüpft zu sein.

Alle Sünde ist aufgrund der Begierde in der Welt. Nun kommt es aber darauf an, ob man die Sünde hasst oder liebt. Ein Dieb liebt es zu stehlen und ein Geiziger zu sammeln. Man kann dann nicht sagen, dass der Dieb und der Geizige tun, was sie hassen. Sie tun, was sie lieben, und kommen dadurch unter den Fluch des Gesetzes.

Anders ist es mit der Seele, die durch das Gesetz freigemacht und dem Gesetz gestorben ist. Wenn so jemand etwas Verkehrtes tut, dann hasst er es, weil das Gesetz, das heilig, gerecht und gut ist, gegen dieses ist. Gott hasst es und die vom Gesetz freigemachte Seele hasst es. Aber dann sind ja sowohl Gott als auch der betreffende Bruder oder die betreffende Schwester völlig einig in diesem Punkt. Und wenn wir dann durch den Geist dieses Werk töten, das die Schrift „Werk des Leibes“ nennt, dann werden wir leben.

Ich würde wirklich gerne den Menschen sehen, der von sich sagen kann, frei davon zu sein, hier und da das zu tun, was er hasst. Aber tut man das, was man hasst, dann befindet man sich ja weiterhin in Röm. 7. Und ich glaube doch, dass man sich demütigen und erkennen sollte, dass der Hüpfer hinüber nach Röm. 8 etwas übereilt war. Die Freimachung besteht darin, dass man früher nicht wusste, wie durch und durch verdorben man ist. Nun dagegen hat man es erkannt und hat Erkenntnis darüber bekommen, dass das Fleisch dem Gesetz Gottes nicht untertan sein kann. Man hat damit aufgehört, das heiligen zu wollen, was nicht geheiligt werden kann oder soll. Die Mühe damit war eine herrliche Befreiung. Gott hat meinen Sinn und meinen Willen aus dem Fleisch herausgenommen und in den Geist hineingesetzt, Röm. 7, 5 und 8, 9. Aber damit ist das Fleisch nicht rein; denn in ihm wohnt weiterhin nichts Gutes, Röm. 7, 18. Das Gesetz des Geistes, der lebendig macht in Christus Jesus, hat mich freigemacht vom Gesetz der Sünde und des Todes. D. h. mein Sinn ist von dem Fleisch befreit, in dem die Sünde verdammt ist, vgl. Röm. 8, 3, und ist in den Geist hineingesetzt, Röm. 8, 9, in dem es keine Verdammnis gibt, Röm. 8, 1. Denn als wir im Fleisch waren, fühlten wir uns verdammt mit der Sünde, die im Fleisch verdammt ist. Aber nun fühlen wir uns im Geist frei mit dem Geist.

Nun war ja der Apostel Paulus auch vom Gesetz freigemacht, aber damit war er nicht gesetzlos. Denn er war nicht ohne das Gesetz vor Gott, sondern in dem Gesetz Christi. Und obwohl er alles, was dahinten war, vergaß und mit Eifer nach dem strebte, was vor ihm lag, musste er doch erkennen: Nicht, dass ich’s schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, ob ich’s wohl ergreifen könnte, weil ich von Christus Jesus ergriffen bin, Phil. 3, 12.

Wir müssen gegenüber Gott, uns selbst und unserem Nächsten so ehrlich sein, dass wir, wenn wir das getan haben, was verkehrt ist, es eingestehen und uns selbst richten. Denn nur derjenige, der den Geist bekommen hat, kann durch den Geist die Werke des Leibes töten.

So sind wir nun, liebe Brüder, nicht dem Fleisch schuldig, dass wir nach dem Fleisch leben. Denn wenn ihr nach dem Fleisch lebt, so werdet ihr sterben müssen; wenn ihr aber durch den Geist die Taten des Fleisches tötet, so werdet ihr leben, Röm. 8, 12 und 13.