Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911

Johan O. Smith

Brief an Aksel Smith, 8. Februar 1909

Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911
Horten, 8. Februar 1909
Lieber Bruder Aksel,

da ich verstehen kann, dass du dir in deinem Herzen vorgenommen hast, mir nicht zu schreiben, will ich dennoch dir in Christi Kraft und Namen einige Zeilen senden. Wenn ich jemanden betrübt habe, wer ist dann imstande, mich froh zu machen, wenn nicht derjenige, den ich betrübt habe. Doch war es nicht meine Absicht, jemanden zu betrüben; und es ist ja die Absicht, nach der wir urteilen müssen, um ein gerechtes Urteil fällen zu können. Wir haben zur Zeit in Recht und Rechtspflege einen Juristen und er erklärt uns, dass es auf die Gesinnung und die Absicht ankommt, wenn ein Verbrecher verurteilt werden soll. Geschieht ein Verbrechen, ohne dass die Gesinnung des Täters beteiligt war, ist der Verbrecher freizusprechen. Hiermit ist nicht gesagt, dass ich in dieser Angelegenheit freigesprochen werden sollte – nur insofern, dass ich ebenso, wie ich vor Gott offenbar bin, es auch in deinem Gewissen sein müsste. Es war mir immer eine Freude, von dir zu hören, und das wird es auch weiterhin sein. Doch ist diese Freude nicht größer als die Wahrheit selbst. Es ist nicht so, dass ich sie um der Wahrheit willen nicht opfern könnte. Doch weil die Wahrheit Christi mir so kostbar geworden ist, sind auch jeder Bruder und jede Schwester, die aus der Wahrheit sind, kostbar für mich geworden. Und wenn meine Demut die Gemeinschaft in Christus Jesus fördern kann, dann ist es für mich eine Herzensfreude, mich sogar da zu demütigen, wo ich in Christi Eifer dafür gekämpft habe, dass die Wahrheit zu ihrem Recht kommt.

Nicht dass dies meine Ehre bei euch wird, sondern bei Gott, der sogar durch das Gericht hindurch die Linien sieht. So hoffe ich, dass wir uns in Christus Jesus wieder begegnen werden, wenn nicht genau dort, wo die Verbindung unterbrochen wurde, so doch an einem Ort im verheißenen Land, wo das Angesicht allezeit dahin gewandt sein sollte, nach Jerusalem zu wandern.

Wir haben zurzeit auch einiges hier in Horten, aber durch den Geist des Gerichts und der Vertilgung wird wohl alles in Ordnung kommen. Spr. 21, 16: Ein Mensch, der vom Wege der Klugheit abirrt, wird weilen in der Versammlung der Toten. Wir müssen uns im Kampf in der Versammlung der Lebendigen befinden – denn ohne Kampf kein Sieg. Gott lehrt uns immer etwas im Kampf. In der Versammlung der Toten ist natürlich große Ruhe.

Nur diese wenigen Worte unterwegs.

Herzliche Grüße an dich mit 1. Kor. 4, 2. Zur Erinnerung 1. Kor. 1, 26-30.

Grüße Br. Gerrard und Schw. Helga. Grüße ebenso Vater und Mutter und die anderen Geschwister.

Dein am Gericht und an der Freimachung, der Betrübnis und der Freude stets teilhabender Bruder

Johan