Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911

Brief an Aksel Smith, 10. Januar 1909

Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911
Horten, den 10. 1. 1909
Lieber Bruder Aksel,
Gottes Gnade und Friede.

Ich hoffe, du hast meinen Brief vom 8. des Monats erhalten. Heute bekam ich einen sehr guten Brief von Vater. Ich sende dir nun den Brief von A. Thompson zurück, in dem er dich dazu einlädt, sein vertrauter Freund zu werden. Auf diese Frage kann ich nur mit Mt. 12, 50 antworten: Denn wer den Willen tut meines Vaters im Himmel, der ist mir Bruder und Schwester und Mutter. Und ob sich nicht die Worte „vertrauter Freund“ auch damit abfinden sollten, hier eingeschlossen zu sein? Will Thompson aber einen Freund nach dem Fleisch haben, dann sollte er darauf aufmerksam gemacht werden, dass wir niemanden mehr nach dem Fleisch kennen. Ein Diener des Herrn sollte dies in Wahrheit verstehen und es ist eine große Schande, dass man so etwas schreibt. Persönlich bin ich von Herzen froh, dass ich leben darf, dass ich nicht erhängt werde – geschweige denn einen „vertrauten Freund“ nach dem Fleisch habe. Einen solchen Unsinn sollte man nicht ohne eine ordentliche Rüge durchgehen lassen.

Es drängt sich mir immer klarer auf, dass man in Kristiansand nicht ausreichend Fürsorge für die schwächeren Schafe gehabt hat. Deshalb kommt nun der Herr und will zwischen den fetten Schafen und den mageren Schafen richten, Hes. 34, 20. Denn man kann so leicht die schwachen Schafe mit der Seite, der Schulter und den Hörnern stoßen, sodass sie verstreut und hinausgetrieben werden, Vers 21. Wir sind ja schuldig, den geringeren Gliedern mehr Ehre zu geben. Ich weiß wohl, dass dies nicht mit Absicht geschehen ist, sondern aus Unwissenheit und mangelnder Aufmerksamkeit, weshalb man diese Vergehen aufs Strengste richten sollte.

Was das Amt des Vorstehers betrifft, so sollte ja derjenige, der ein solches begehrt, durch eigene persönliche Arbeit in der Gemeinde vermocht haben, die Geschwister um sich zu sammeln und ihr volles Vertrauen erworben haben. Eine solche Person muss auf eine natürliche Weise von selbst heranwachsen. Sei jetzt nicht zu schnell, diese Dinge zu regeln, sodass das Ganze eine geistliche Gemeinde werden kann. Lass nun das Gericht seine Wirkung tun und achte darauf, wie jeder einzelne es sich zu Herzen nimmt. Lass dann danach das Leben zeigen, wer von den Brüdern zu einer solchen Aufgabe tüchtig ist. Ich habe guten Glauben für Br. Gerrard, doch er hat zunächst viel zu lernen. Zuerst muss er erkennen, dass er verkehrt gehandelt hat, als er in jener Versammlung versuchte, die ganze Schuld auf die Geschwister zu schieben, die sich übergangen fühlten. Denn Tatsache ist, dass man 1) sich zuerst um Barratt scharte und dabei nur an sich selbst dachte. In solchen Fällen kann es schon passieren, dass man die Schwachen mit Seite und Schulter wegdrängt. 2) Danach will man die weggedrängten Schafe zwingen zu erkennen, dass es absolut verkehrt ist, wenn sie dies beanstanden. Hier muss man wirklich gründlich in sich gehen und seine Fehler eingestehen. Das teuflische Ansehen der Person und das Ansehen nach dem Fleisch haben hier die Hauptrolle gespielt. Doch so etwas wird der Herr vor allen Augen mitten in der Gemeinde als Narrheit offenbaren. Zum 3) ist man Ursache dazu gewesen, dass die weggestoßenen Schafe das Vertrauen verloren haben, sodass nur ein gründliches Gericht bewirken kann, das Ganze wieder in gesunde Spuren zu bringen. Vater schreibt davon, dass man den Gebrauch der Gnadengaben hindert. In diesem Punkt sollte man ja umsichtig sein, sodass Gottes Reich auf alle Weisen wachsen kann. Lieber Bruder, ich habe volles Vertrauen zu dir in Christus Jesus. Du hast hier eine große Arbeit auszuführen. Lass jedem die Wiedergutmachung zukommen, dem Wiedergutmachung zusteht, und lass jeden sich richten, der sich richten sollte. Tu nichts aus Rücksicht auf Personen, sondern tu alles vor Gottes Angesicht – und sei wie Mose treu in Seinem ganzen Haus. Jetzt ist deine Stunde, führe deinen Dienst unter der Leitung und in der Kraft des Geistes aus und lass die Dinge auf dich zukommen, bevor du handelst. Lass es gehen wie bei Mikkelsen 1905, der sagte, dass sich die Verhältnisse schneller änderten, als jemand sich hätte vorstellen können, und es erforderlich machten, dass gehandelt wurde.

In Gottes Gemeinde muss man umsichtig handeln. Es ist aber ein seliges Werk, wenn man in allen seinen Handlungen rein erfunden wird. Lass sich daher das Ganze von selbst regeln und lass die Zeit arbeiten. Möge Gott die Geschwister in Kristiansand segnen. Ich habe großes Vertrauen in ihre Redlichkeit vor Gottes Angesicht. Aber es sind Dinge da, die die Gemeinde befleckt haben, die Gott nun durch Gericht wegreinigen will. Sieh darum zu, dass niemand verzagt wird, sondern mit Freimütigkeit das Gericht zu Erlösung und Frieden annimmt.

Herzliche Grüße. Schreibe bald, denn ich verfolge diese Begebenheiten mit großem Interesse. Dasselbe tun die Brüder Berg und Ellefsen, die ich um der Unterweisung willen in diese Dinge eingeweiht habe.

Grüße die Geschwister. Grüße Vater und alle zuhause. Dein Bruder

Johan