Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911

Brief an Aksel Smith, 2. Januar 1909

Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911

(Maschinengeschrieben, Original fehlt)

Horten, 2. Januar 1909
Lieber Bruder Aksel,

herzlichen Dank für deinen langen Brief, in dem du ausführlich über die Verhältnisse in Kristiansand berichtest. Es ist nicht sehr erfreulich, wenn es in diese Richtung geht, aber um nicht das Ganze in den Dreck absinken zu lassen, ist man genötigt zu handeln. Es ist ja so gut zu verstehen, dass man es bei R. nicht schafft, das Ganze in geistliche Spuren zu bringen, denn die dortigen alten Kräfte wollen natürlich leiten. Ich bin daher ganz einig mit dir, wenn du versuchen willst, einen Saal für euch selbst zu finden. Wenn dann welche von R. kommen wollen, dann dürfen sie kommen, aber nicht als diejenigen, die leiten werden. Hier muss man einen entschiedenen Willen und eine feste Hand beweisen.

Das Trachten des Geistes ist Leben und Friede. Wenn Leben und Friede von fleischlichen Menschen gestört werden, dann muss man zusehen, dass man diese dazu bringt, in den Versammlungen den Mund zu halten. – Das kann man am besten in einem fremden Saal machen. Es ist nun das zweite Mal, dass man um der Wahrheit willen die Versammlungen bei N.N. verlassen musste. Dies ist nur ein schlechter Ruhm für den Betreffenden. Wenn ihr jetzt einen neuen Saal bekommt, dann ist es vom ersten Moment an wichtig, das durchzusetzen, was Gott haben will. Diese verkrampften Versammlungen bei N.N. haben ja das Ganze gelähmt. Man wird einen ganz anderen Eindruck von Frieden und Segen bekommen, wenn ihr selbst Bewegungsfreiheit bekommt. Ihr zieht ja nicht aus der Stadt weg, noch verweigert ihr denen von N.N., in die Versammlungen zu gehen.

Gestern waren Berg, Ellefsen und ich in Moss. Barratt, Ludvig Eriksen, Ilebæk, Gerhard (der Uhrmacher), ein Missionar aus Afrika, Axel Wold, Bakke u. a. Es war volles Haus in der Loge. Die Versammlung begann um 17 Uhr. Die Geschwister von Kristiania kamen um 16 Uhr. Barratt sprach über das Gebet – nicht vor Gott oder der Versammlung einen Vortrag halten. Ein Mann der betete, wurde von zweien unterbrochen, die in Zungen redeten. Sie legten aus, dass der Betreffende im Geist beten sollte. Das passte ausgezeichnet.

Die Gesprächsversammlungen hier in Horten haben soviel bewirkt, dass die Geschwister ein viel vertrauteres Verhältnis untereinander bekommen haben. R. ist herumgegangen und hat von diesen Gesprächen erzählt, sodass die Leute nun die Ohren spitzen, um zu hören. Br. F. jubelte geradezu in Moss, als wir miteinander sprachen. E., ein alter Bootsmann (ein Methodist), erwähnte gegenüber B., dass er solche Lust zu einem Gespräch hätte, ihm aber etwas bange davor wäre. Merkwürdig, wie Gott uns ins Licht hervorziehen kann, selbst wenn man versucht, sich im Dunkel zu verstecken.

Vater braucht sich kein Gewissen darüber zu machen, was ein anderer sich aufgrund seiner Stellung herausnimmt. Wenn H. und J. sich absolut nichts sagen lassen wollen, dann kann man ihnen ja nicht erlauben, alle Versammlungen, die abgehalten werden, zu stören. Man muss in diesen Dingen schrittweise vorgehen und darf nichts überstürzen. Wer glaubt, eilt nicht. Die Dinge und Verhältnisse regeln sich von selbst, sodass man in völliger Ruhe handeln kann. Aber handeln muss man, wenn die Zeit reif ist.

Hier in Horten ist seit meinem Artikel in der Zeitung „Hortens avis“ das Wort „Zungenrede“ in keiner der örtlichen Zeitungen mehr erwähnt worden. Gestern, beim Fest der Abstinenzler stand einer der Redner der Stadt (Methodist) auf und hielt eine brennende Rede gegen Alkohol. Dabei sprach er mit großem Nachdruck davon, dass, wenn jemand aufgrund von religiösem Unverstand etwas Verkehrtes tut, alle Zeitungen einhellig schreien, dass derjenige, der daran schuld ist, ins Irrenhaus gesperrt werden müsse. Aber wenn Dutzende im Wahn ihres Rausches um sich stechen und einander totschlagen, dann wird das nur nebenbei im Kleingedruckten erwähnt.

Hieraus kann man verstehen, wie notwendig es ist, ab und zu etwas in den Zeitungen zu schreiben. Aber man muss mit Bestimmtheit schreiben, denn die Welt versteht ja nichts von solchen Dingen. Die Zeitung „Gjengangeren“ hier in Horten war rasend und schrieb mit Großbuchstaben: „Zungenredewahnsinn“ usw., aber seit jenem Artikel haben sie das Wort „Zungenrede“ nicht mehr erwähnt. Die „Hortens avis“ schrieb gleich darauf, dass alles von Interesse bei der Zeitung willkommen wäre. Israel hat im Glauben seine Feinde zermalmt und sich Respekt verschafft. So müssen auch wir durch Glauben unsere Feinde besiegen und uns Respekt verschaffen. Wir sollen uns nie davor fürchten, kräftig die Stimme zu erheben, denn die Kraft wird sie zermalmen und die Fliehenden in Schrecken versetzen. Man soll nie versuchen, die Welt auf gefällige und süßliche Weise zu überzeugen, sondern man muss sie überwinden, sodass sie keine Zeit zum Luftholen bekommt. Denke daran und mache es so, dann wirst du dich über den Fall und die Flucht deiner Feinde freuen.

Heute, am 3. 1., kommen voraussichtlich die Geschwister aus Moss hierher nach Horten.

In Moss stand Gerhard auf und sagte, dass eine ganze Reihe Prediger zugegen wären, von der Freien Mission sowie von der Inneren Mission usw., und bat diese, sich ganz nach vorne zu setzen. Es wurde nun, solange ich dort war, nur von diesen Predigern gepredigt. So etwas kommt mir ziemlich ekelhaft vor, denn das ist ja dasselbe, wie sich „Lehrer“ nennen zu lassen. Auch entsteht keine geistliche Freiheit, wenn man diesen, ob sie nun der Geist treibt oder nicht, das Vorrecht am Wort einräumt. Wann wird man Glauben erlernen? Ist jemand etwas oder hat jemand ein Werk in Christus, so lass diesen in Geist und Wahrheit mit seinen kräftigen Beiträgen zu seinem Recht kommen, aber nicht, weil das Predigen sein Beruf ist.

Herzliche Grüße mit 2. Tim. 1, 7. Br. Berg sitzt gerade hier und lässt grüßen. Grüße zuhause sowie die Geschwister.

Dein Bruder

Johan