deinen sehr lieben Brief habe ich mit großer Freude sorgfältig und wiederholte Male durchgelesen. Ich bin auch die Hinweise durchgegangen – nicht um die Schriftstellen zu untersuchen, sondern um vollständig zu verstehen, was du sagen willst.
Es ist keine leichte Sache, demjenigen, den man am allerwenigsten von sich wegstoßen will, so zu schreiben, wie ich im vorigen Brief schrieb. Ich schrieb daher auch 2 Briefe und zerriss sie, ehe ich den Eindruck hatte, die richtigen Ausdrücke gefunden zu haben. Denn ich merkte sehr wohl, dass es Dinge gab, die unsere Gemeinschaft im Geist zu stören drohten. Du hoffst, dass ich mich ein anderes Mal „erdreiste“, gleich ohne Umschweife und lange indirekte Formulierungen den Feind zu entlarven, sodass du ihn dahin befördern kannst, wo er hingehört.
Du bist Zahnarzt und als solcher hast du eine Menge Zähne gezogen. Als du bei mir einmal einen Zahn zogst, untersuchtest du zuerst mit Hilfe eines feineren Stahlinstrumentes und Spiegels, wie der Zustand des schlechten Zahnes war, wo dieser im Mund saß usw. Du hast sogar das letzte Mal Rasmussen zu Rate gezogen. Aber nun rätst du mir, gleich nach der Zange zu greifen und drauflos zu gehen. Kann man dies wirklich verantworten? Kann man dabei nicht einen falschen Zahn ziehen, vielleicht zwei? Deine Tätigkeit im Leben liegt ja der eines Arztes näher als meine. Daher verstehst du wohl, was es bedeutet, dass ein Arzt „seine Diagnose stellt“. Aber nun rätst du mir, meine Prognose ohne vorausgegangene Diagnose zu stellen.
Soviel kann ich selbst aus Erfahrung sagen, dass in einem unbekannten Fahrwasser jeder verständige Schiffsführer die Tiefe auslotet, bevor er mit seinem wertvollen Schiff vorwärtsfährt. Josua sandte die Kundschafter ins Land, um es zu untersuchen.
Wenn ich jetzt mit indirekten Formulierungen gekommen bin und mich in Kreisen ständig dem Zentrum näherte, dann solltest du daraus erkannt haben: Hier auf diesem Gebiet kennt er sich nicht vollständig aus, hier lotet er usw. Denn das war der Fall in dieser Angelegenheit. Wenn mich indirekte Formulierungen einem direkten Resultat näherbringen können, warum dann nicht alle die Mittel und Formulierungen benützen, die einem zur Verfügung stehen?
Wenn der Feind aus unserem Bewusstsein und Leben ausgesondert werden soll, dann ist das wie den Bären zu schießen, der mit meinem besten Freund ringt.
Dann muss man zuerst die richtige Stellung und den richtigen Abstand einnehmen, wenn man nicht alle beide erschießen will. Hinterher kann der Freund einem vielleicht vorwerfen, dass man nicht sofort drauflos geschossen hat, sobald man den Bären erblickt hat.
Nur diese wenigen Zeilen zur Überlegung in dieser Sache. Und wenn man dies sorgfältig gelesen und durchdacht hat, dann wird man bestimmt verstehen, dass man nicht so sehr „gegen“ den Sünder eifert, sondern „für“ den Sünder und die Furcht des Herrn. Spr. 23, 17.
Br. John war gestern (Heiligabend) zum Abendessen bei uns. Wir gingen um den Weihnachtsbaum und Br. John spielte Klavier und sang, sodass wir uns richtig froh im Herzen fühlten. John fuhr am Nachmittag um 18:23 Uhr ab und ich ging um 18:30 Uhr zur Wache an die Pforte der Werft. Nun habe ich über Weihnachten keine Wache mehr.
Von Pauline soll ich herzlichen Dank für die 5,00 Kronen sagen. Sie kaufte sich eine schöne Handtasche und für den Rest hat sie vor, einen Schürzenstoff zu kaufen.
Grüße alle zuhause und die Geschwister. Ich habe mehr zu schreiben, aber nicht im Moment.
Dein allzeit in Christus hingegebener Bruder
Johan