Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911

Brief an Aksel Smith, 8. November 1908

Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911
Horten, 8. November 1908
Lieber Bruder Aksel,

herzlichen Dank für deinen sehr lieben Brief, den ich heute bekam. Heute erhielt ich auch einen Brief von Vater, in dem er davon schreibt, dass man nüchtern sein und wachen muss. Br. Plum schreibt einen sehr „herzlichen“ Brief, der deutlich davon zeugt, dass er uns im Geist liebt. Redakteur Rasmussen muss auch Vertrauen im Herrn zu uns gefasst haben, denn er hat Br. Plum dazu geraten, ab und zu nach Norwegen zu fahren, um uns zu besuchen. Gottes Wege sind verwunderlich. Gleich nachdem du abgereist warst, schrieb ich an den „Missionæren“ und an Erik Andersen darüber, wie die Verhältnisse derzeit sind. Ich bin vollkommen einig mit dir darin, dass Gottes Volk geistlich nicht reif genug gewesen ist, um die großen Gnadengaben, die es gesucht und empfangen hat, zu gebrauchen. Es wird sich auch jetzt, wenn der Widerstand anfängt, zeigen, dass ein ganzer Teil von denen, die nicht reif genug sind, die Gaben aus Furcht und Unglauben wieder verlieren werden. So ist es ja auch im Reich der Natur. Im Frühjahr stehen die Bäume in voller Blüte. Wenn aber die Stürme kommen und Regen kommt, dann fallen durch Wind und Regen eine ganze Menge Blüten ab und nur eine geringe Anzahl bringt Frucht – und eine noch geringere Anzahl reift zu gesunden, guten und großen Früchten heran. Eine Menge Gnadengaben werden wohl weggeblasen werden, aber desto köstlicher werden sie für diejenigen, die an Gott und an dem, was er geschenkt hat, festhalten.

Ob die Blüten schnell weggeblasen werden, hat damit zu tun, wie fest ihr Halt ist. So auch mit den Gaben. Hat man die Gaben aus Ehrgeiz gesucht, dann werden die Gaben bei der erstbesten Schmach weggeblasen. Hat man aber die Gaben gesucht, um Gott zu verherrlichen und seine Gemeinde zu bauen, dann haben die Gaben einen festen Halt und werden nicht schnell weggeblasen. Gott fegt seine Tenne. All dies ist Gottes Werk. Man kann weder dazunoch davontun, sondern man kann es nur beobachten und eine Lehre aus dem Ganzen ziehen. Aber hier gelten Jesu Worte mehr denn je: Wer da hat, dem wird gegeben; wer aber nicht hat, dem wird auch das genommen, was er hat. Für wie vieles wir doch Gott zu danken haben!

Es hat mich gefreut, dass du Frau Barratt besucht hast und dass du sie trösten kannst, sodass sie wiederum ihren Mann trösten kann. Wir haben eine große Aufgabe in dieser Zeit, lieber Aksel, denn jetzt ist die Zeit reif, dass Gott von Verstand und Erkenntnis Gebrauch machen kann. Denn die Verfolgungen werden die Leute dazu bringen, nüchtern zu werden und zu hören. Vielleicht hat Gott dich auch deshalb nach Kristiania gesandt, damit du in der Stille wohnen und die Situation aus einem gewissen Abstand beobachten kannst, um desto klarer urteilen zu können. Solche, die verfolgen, sind auf Abstand. Daher ist es notwendig, Ruhe zu haben, wenn man sich mit dem Ganzen auseinandersetzen soll.

Solange man ein halbherziger Christ ist und der Welt erlaubt, an Gottes Reich mitzubauen, hat man Frieden. Siehe Esra 4, 1-2. Aber sobald man nichts mit ihnen zu tun haben will, versuchen sie, das Volk des Herrn mutlos zu machen und so zu schrecken, dass es die Hände sinken lässt, damit Gottes Reich nicht gebaut werden soll, Esra 4, 4-5. Die Welt will gern daran mitwirken, etwas für Gott zu bauen, wenn es nur von der Beschaffenheit ist, dass dem Herrn davor ekelt. Doch sobald Gottes Volk alleine bauen will, ist die Welt darauf aus, Schrecken zu verbreiten und die Hände zu lähmen.

(Der Rest des Briefs fehlt.)