Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911

Brief an Aksel Smith, 2. September 1908

Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911
Lervik, 2. 9. 1908
Lieber Bruder Aksel,

deinen lieben Brief vom 25. 8. erhielt ich heute. Ich sehe daraus, dass du jetzt vom „Sommerheim“ nach Hause gekommen bist. Die zwei Bücher, die du geschickt hast, habe ich noch nicht bekommen. Vielleicht sind sie nach Namsos geschickt worden und dann kommen sie vermutlich später. Nach dem heutigen Befehl des Geschwaderchefs werden wir nächsten Samstag nach Marviken auslaufen, wo wir dann voraussichtlich am Montag sein können. Mehrere Fahrzeuge sollen dort „kohlen“. Wir haben in Bergen Kohle geladen. Danach wird das Geschwader so schnell wie möglich ostwärts weiterfahren. Es ist nicht sicher, dass ich an Land kommen kann, wenn wir nach Marviken kommen – wir werden sehen. Denn die Leute kommen häufig zu spät und müssen meistens von der Polizei eingefangen werden.

Heute habe ich einen Brief von Gunnerius Tollefsen bekommen, den auch du in deinem Brief erwähnst. Er lädt mich ein, zu kommen und ihn zu besuchen, damit er meinen Aufenthalt in Bergen angenehmer machen könne. Diese liebe Einladung hat mich leider zu spät erreicht, denn wir liegen bereits 15 Meilen südlich von Bergen. Ich habe vor, ihm meinen herzlichen Dank für die Einladung zu schicken.

Br. Sigurd Kristoffersen ist nun auf Br. Plums Einladung nach Kopenhagen gereist. Er wird ein bisschen Bürodienst tun, die „Kirkeklokkerne“ (Die Kirchenglocken) verteilen und bei den Versammlungen zur Hilfe sein. Er wird im Monat 100,00 Kr. zum Lebensunterhalt bekommen, die von Plum bestritten werden. Heute Abend, erzählt Pauline, also am 2. 9., soll er in Kopenhagen sein und die Straßenbahn bis zur Golgathakirche nehmen, wo ein Fest stattfinden soll und wo auch mehrere Brüder mit den Gnadengaben zugegen sein werden. Er will mir schnellstmöglich schreiben und erzählen, wie es geht.

Was mich selbst betrifft, habe ich am meisten Gewinn davon, mit Gott allein zu sein; denn er lässt seine Stimme nicht immer auf den Straßen und Märkten hören. Aber so wie das Leben selbst mit Christus in Gott verborgen ist, ist auch seine Unterweisung und seine Erbauung im Verborgenen. Daher heißt es: Wer ist so blind wie mein Knecht, und wer ist so taub wie mein Bote, den ich senden will? Die äußeren Sinne werden immer weniger genutzt und die inneren Sinne werden immer mehr genutzt.

Diese obenstehenden Grundgesetzbestimmungen müssen im täglichen Leben genauestens befolgt werden. Und man muss besonders darüber wachen, dass sie eingehalten werden, wenn man an Versammlungen und Konferenzen zusammen ist. Denn hier ungenau zu sein, heißt, aus der Verbindung mit Gott herauszukommen, der alle dunklen Fragen löst. Es ist menschlich, sich mehr gehenlassen zu wollen, wenn man mit Brüdern zusammen ist, und dann bei allem Möglichen mitzumachen. Dies taugt indessen nichts. Wenn man die Verbindung mit Gott behält und auf die äußerlichen Aktivitäten pfeift, wird man wunderbare Dinge zu sehen bekommen bei einem „wunderbaren Gott“, denn das ist sein Name.

Die Verbindung mit Gott als sein Kind zu halten, ist eine Sache, aber die Verbindung im „Dienst“ zu halten, ist etwas anderes. Hier muss ein klarer Unterschied gemacht werden.

Wir sehen uns vielleicht in Kristiansand. Gott steht mir hier an Bord bei, sodass alles unheimlich gut geht. Ich habe Gott darum gebeten, dass ich mich mit meinem Dienst am rechten Ort und zur rechten Zeit einbringen kann; und das hat er erhört und alles geht perfekt. Wir haben einen mächtigen Gott. Er will in Details helfen, denn dadurch wird er am meisten geehrt. Und was ist wohl das Leben anderes als Details?

Herzliche Grüße von deinem Bruder

Johan

Grüße zuhause.