Gottes Gnade und Friede in Christus Jesus.
Vielen Dank für deinen lieben Brief, den ich in Stavanger erhielt. Es freut mich, dass die Geschwister sich mehr und mehr mit Christi Leiden versöhnen. Jesus selbst litt am meisten nach Wundertaten und wenn das Volk ihn erhöhte. Lies Lk. 9, 42 und weiter. Hier wurde er Gegenstand für die Bewunderung des Volks, aber er erinnerte die Jünger sofort daran, dass der Menschensohn in die Hände der Menschen übergeben werden würde. Er wollte damit sagen, dass diese Ehre, die sie mir nun geben, nur von äußerst kurzer Dauer ist; sie werden mich bald umbringen. Ebenso können wir in Lk. 9, 20 lesen, wo Petrus sagt: Du bist der Messias Gottes. Sogleich fängt Jesus an, ihnen zu sagen, dass er von den Ältesten, Hohenpriestern und Schriftgelehrten verworfen und getötet werden würde. Jesus konnte sich nicht darin freuen, dass er der Messias Gottes war. Es ging nur durch Leiden und Tod zur Freude. Nur wo Jesus nach den Wundertaten Widerstand bekam, kam er mit einer Lehre oder desgleichen.
Wir können hieraus lernen – keine Ehre von Menschen anzunehmen, denn diese ist von so kurzer Dauer. Im nächsten Augenblick spucken sie nach uns. Aber wenn wir geehrt werden, dann müssen wir uns selbst daran erinnern, dass wir wie der Meister an dem, was wir leiden, Gehorsam lernen sollen. Und ebenso wie es angemessen war, den Urheber unseres Heils durch Leiden zu vollenden, so ist es auch für uns angemessen, dass wir durch und in Leiden vollendet werden.
Mk. 9, 49-50: Denn jeder muss mit Feuer gesalzen werden, wie jedes Opfer mit Salz gesalzen wird. Das Salz ist etwas Gutes; wenn aber das Salz salzlos wird, womit wollt ihr es würzen? Habt Salz in euch und haltet Frieden untereinander!
Besonders auf das Letztere (unterstrichene) muss man achten. Wenn man persönlich Leiden ausgesetzt ist und das Salz im Fleisch brennt, dann darf man dieses Leiden nicht anderen aufdrängen. Denn wenn man das tut, erntet man nur Unfrieden.
Dieses Leiden und dieses Salz soll man bei sich selbst haben und Frieden mit anderen halten. Wenn man solche Leiden gegenüber anderen erwähnt, werden sie zornig. Es ist menschlich, das Leiden mit anderen teilen zu wollen, aber man hat kein Recht, das zu tun. Jesus trat die Kelter allein. Der reiche Mann musste auf ganz andere Weise, aber auch alleine leiden. Er versuchte zwar, das Leiden mit Lazarus zu teilen, aber das ging nicht. Die Leidensgemeinschaft Christi als eine allgemeine Wahrheit zu verkündigen, ist erlaubt. Aber sein eigenes Leiden zu verkündigen, um Linderung und Mitleid zu finden, ist nicht erlaubt. Persönlich habe ich Erfahrung darin, dass niemand mich im Leiden trösten konnte; sie haben das Ganze nur als Verrücktheit betrachtet. Und so musste ich die Sache für mich selbst und für Gott durchstehen und habe dann Trost von ihm bekommen.
Jetzt, da die Leidensgemeinschaft Christi angefangen hat, unter den Geschwistern wirksam zu werden, könnten diese Dinge auch von Interesse sein, da man in Freude wie in Leiden so leicht Abwege einschlagen will, um das Fleisch zu befriedigen. Wenn man leiden muss, dann soll man alleine leiden und ausleiden – nicht halb leiden, denn Christus legte nichts von seinen Leiden auf die Jünger. Mit Christus zusammen zu leiden, heißt also, selbständig zu leiden, wie er litt. Sich dem Leiden zu entziehen, heißt, ein Feind des Kreuzes Christi zu sein. Es gilt nun, die Kosten überschlagen zu haben. Sind wir jedoch des Leidens teilhaftig, dann sind wir es auch des Trostes. Dies gibt Ausgang aus dem Tod.
Wir sind mit einem Geist getauft, um ein Leib zu sein. Dasselbe Leiden, wie es in Christi Fleisch war, entsteht in unserem Fleisch, denn wir sind von seinem Fleisch. Derselbe Geist, der in Christus war, ist in uns. Dieser Geist hat schon früher das Fleisch in den Tod geführt, daher vermag er wohl auch, uns durch den Tod zu führen. Zugang aber haben wir durch den Vorhang, das ist sein Fleisch. Diese Wahrheiten sind wahr in ihm und in uns. Die Auferstehung der Toten wird zeigen, wie weit der Einzelne seinem Herrn und Meister gefolgt ist, denn einer bekommt den Glanz der Sonne, einer den des Mondes – und ein Stern wird den anderen an Glanz übertreffen.
Wir brauchen viel Ruhe, um über das Gesetz des Herrn Tag und Nacht nachzusinnen. Wir müssen das Ohr üben, damit wir hören können, was der Geist in der Gemeinde zu sagen hat. Wir müssen uns davon fernhalten, äußere religiöse Erscheinungen zu studieren, denn es ist die Person selbst, die wir brauchen. Umgang mit ihm ist Umgang mit dem Leben. Umgang mit ihm ist Umgang mit dem Licht. Nichts kann mit ihm verglichen werden, denn Umgang mit ihm macht uns ihm gleich.
Der Anker unserer Hoffnung ist hineingeworfen hinter den Vorhang, das ist sein Fleisch. Indem wir uns nun an der Kette (den Leiden) vorwärtsziehen, kommen wir Zoll um Zoll hindurch.
Der Trost in Christus kann die Leiden mehr als verschlingen. Ja, er ist sogar so überwältigend, dass man sich freut und in allerhand Trübsalen ganz zufrieden ist.
Deine Briefe sind mir immer eine große Erquickung und du kannst sicher sein, dass deine Arbeit in Christus nicht vergeblich ist.
Etwas Besonderes habe ich nicht zu berichten. Wir fahren an der Küste entlang und ankern jede Nacht. Nun liegen wir etwas nördlich von Haugesund. Die Unteroffiziere der „Sleipner“ haben ein Gruppenfoto gemacht und es wäre schön, ein Bild zu schicken, aber wir sind so selten an Orten, wo man Sachen zum Verschicken (große Umschläge) besorgen kann. Christian und Johanne Lovise und Rakel geht es gut. Johanne rennt, dass ihr beinahe der Atem ausgeht, wenn einer der Unteroffiziere aus der Nachbarschaft vom Schiff heimkehrt, denn nun kommt Papa auch, sagt sie. Christian kann nicht verstehen, warum ich auf diese Weise wegreisen muss.
Grüße an alle zuhause und an dich selbst von deinem an Christi Auferstehungskraft und Leidensgemeinschaft anteilhabenden Bruder
Johan