Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911

Brief an Aksel Smith, 28. Juli 1908

Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911
Flekkefjord, 28. 7. 1908
Lieber Bruder Aksel,
Gottes Gnade und Frieden.

Deinen sehr lieben Brief habe ich bekommen. Du schreibst von vielen Dingen unter den Geschwistern, die behaupten, dass sie keine Belehrung bräuchten, da sie alle von Gott gelehrt seien.

Wenn wir in Joh. 6, 45 lesen, wo davon die Rede ist, so heißt es dort:

„Es steht geschrieben in den Propheten: Sie werden alle von Gott gelehrt sein. Wer es vom Vater hört und lernt, der kommt zu mir.“

Wir sind alle vom Vater gelehrt, zum Sohn zu kommen. Der Vater ist der Geist in seiner Fülle, der der Welt die Augen auftut über Sünde, Gerechtigkeit und Gericht. Dies ist das Gesetz, das in die Herzen geschrieben ist und von dem die Propheten reden. Es wurde durch Christi Tod in das Herz jedes Menschen geschrieben – der Geist zeugt gegen alle Menschen. Bevor wir zum Sohn kamen, lernten wir von Gott. Aber wer nun hört vom Vater und lernt, der kommt zum Sohn, der wiederum der Weg zum Vater ist. Im Sohn gibt es Ermahnung und Unterweisung. Der Leib (die Gemeinde) wird zusammengefügt und zusammengeknüpft durch jedes Band, das er gibt, und erhält sein Wachstum als Leib zu seiner Auferbauung in Liebe; alles nach der Wirksamkeit, die jedem einzelnen Glied zugemessen ist (Eph. 4, 16).

Bevor man zu Christus kommt, tritt Gott selbst als Lehrer auf. Aber nachdem man in den Sohn hineingekommen ist (die Gemeinde, die sein Leib ist), hat er einige als Apostel eingesetzt, einige als Propheten, einige als Evangelisten, einige als Hirten und Lehrer, damit die Heiligen zum Werk des Dienstes vollkommen gemacht werden können, zur Erbauung des Leibes Christi, bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zum vollendeten Mann, zum vollen Maß der Fülle Christi (Eph. 4, 11 ff.).

Gottes Geist ruht über allem Fleisch und überführt alles Fleisch, das in Sünde lebt. Auf diese Weise sind alle von Gott gelehrt. Denn dass der Geist dieses Werk tun kann, ist eine Folge von Christi Tod und Auferstehung. Wenn sich jedoch ein Mensch hat überführen lassen und in den Leib hineingekommen ist, der seine Gemeinde ist, dann muss er sich den Anordnungen fügen, die Gott in der Gemeinde zugrundegelegt hat. Und es steht ausdrücklich geschrieben, dass er Lehrer in der Gemeinde eingesetzt hat. Es ist natürlich Verdrehung der Schrift und pure Unwissenheit, welche die Menschen in so eine Verirrung bringen kann, dass sie weiterhin auch in der Gemeinde von Gott gelehrt sein wollen. Alles ist von Gott – sowohl der, der unterwiesen wird, als auch der, der unterweist. Doch braucht man für alles eine Ordnung und eine Richtung. Wer die Zeugen Gottes verachtet, verachtet Gott selbst. Man soll sich nicht Lehrer oder Wegleiter nennen lassen, denn einer ist unser Wegleiter, Christus. Dies wird gesagt, um fleischliche Lehrmeister, die ihre eigene Ehre suchen, auszusondern. Solche sind selbstverständlich nicht von Gott eingesetzt, daher wird ihnen auch sofort ein Riegel vorgeschoben. Paulus bezeichnete sich selbst als einen Lehrer für die Heiden in Geist und Wahrheit. Aber es ging ihm nicht darum, dass man ihm huldigte und ihn Lehrer oder Rabbi, Rabbi nannte. Dass er ein Lehrer in Geist und Wahrheit war, verbot ihm auch dies.

In Christi Leib ist eine große Wirksamkeit. Zum Leib Christi gehören alles und alle, die in Christus sind. Einige sind mehr, andere weniger entwickelt in diesem Leib. Man kann in der Gemeinde oder im Leib nicht vom Vater lernen, das wäre zu starke Speise. Man muss gegenseitig voneinander lernen, Seite an Seite mit der Wegleitung durch den Geist. Wer von Gott gelehrt wird, zum Sohn zu kommen, wird auf Christi Tod und Versöhnung hingewiesen. Doch diejenigen, die in der Gemeinde gelehrt werden, werden zum Vater hingewiesen, das ist die Vollkommenheit. Diese beiden Lehrinhalte muss man unterscheiden, wenn man überhaupt etwas lernen will. Solche, die darauf pochen, dass sie von Gott gelehrt seien, müssen also entweder ganz außerhalb von Christus stehen oder direkt am Eingang zu ihm. Denn nachdem wir in Christus hineingekommen sind, werden wir vom Geist und den Werkzeugen des Geistes in alle Wahrheit geleitet. Gott hat in die Gemeinde Propheten eingesetzt, d. h. Leute, die direkte Verbindung und Offenbarungen vom Geist bekommen. Diese sollten wiederum das Volk lehren. Es gab ein paar solche in Antiochien. So wie Gott es in der Gemeinde angeordnet hat, so müssen wir es belassen. Und wenn wir es uns ganz anders wünschen, dann werden doch unsere Wünsche gegenüber Gottes Einsetzungen zunichte. Wer einsetzt, setzt ein, wen er will wozu er will. Und selbst wenn Satan rast, so muss er es doch lassen stahn, so wie Gott es gemacht hat und kein‘n Dank dazu haben. Das Beste, was man tun kann, ist, sich mit allem, wie es ist, abzufinden und zufrieden zu sein und alle Bedenken und Sorgen auf den Herrn zu werfen. Gottes Pläne und Anordnungen durchkreuzen zu wollen, ist genauso vergeblich wie lebenslanger Zorn darüber, dass man nicht König Haakon geworden ist.

Wir wandeln nicht in der Finsternis, sondern im Licht und haben daher nichts zu verbergen. Aus diesem Grund wäre es wertvoll, wenn du diesen Brief bei Rasmussen während einer Versammlung vorlesen würdest. Dann mögen die, die zornig werden, zornig sein und die, die froh werden, sich freuen. Denn man soll alles prüfen und das Gute behalten.

Es ist gut, sich auf Gott zu verlassen; es ist freudvoll, ihm in allen Dingen recht zu geben.

Es war gesegnet, am Sonntagvormittag im Saal der Baptisten in Arendal ein paar Worte über Jesus sagen zu dürfen. Als sie erfuhren, dass ich der Sohn von Smith in Kristiansand war, sagte der Vorsteher: Ja, dann brauchen wir uns ja nicht zu wundern. Gottes Geist war nämlich mächtig über mir und die Versammlung war ganz Ohr. Es ist selig, nach einem Aufenthalt an Bord ein wenig von Christus Jesus sagen zu dürfen.

Grüße an alle Geschwister bei Br. Rasmussen und an alle zuhause mit Eph. 4, 4 und an dich selbst mit 1. Tim. 6, 3.4 und 5.

Dein Bruder

Johan