deinen sehr lieben Brief habe ich vor der Abreise von Horten erhalten. Es ist immer, besonders in der letzten Zeit, eine Freude, deine Entwicklung in Christus Jesus zu sehen – dass du die Gemeinschaft mit ihm liebst, nicht nur in der Freude, sondern auch im Leiden. Denn erst hierdurch beweisen wir, dass wir ihn lieben. Dieses Leiden ist verborgen, daher ist auch die Herrlichkeit, die wir dadurch bekommen, verborgen. Hier ist das verborgene Manna. Mit allem Verborgenen, das in Christus getan wird, ist immer ein Leiden verbunden. Denn es ist die Art des Menschen, sich vor Menschen zu zeigen.
In Hes. 44, 10 ff. lernen wir etwas über zwei Arten von Priestern. Einige durften nur an den Türen des Hauses und am Haus Dienst tun, andere aber durften vor dem Angesicht des Herrn dienen. So ist es heute noch. Einige tun nur Dienst an den Türen. Sie predigen Tag und Nacht die Anfangslehre in Christus – absterben dem Gesetz. Oder sie dienen am Haus, d. h. sie streben immer danach, von den toten Werken abzulassen. Dies alles geschieht für das Volk außerhalb. Es ist ein Dienst für das Volk. Deshalb sind sie auch dem Volk so gut bekannt, was vielleicht für sie die Hauptursache ist, die sie davon abhält, tiefer in Christus hineinzukommen. Dies ist ein Dienst in Christus mit einem dem Volk zugewandten Angesicht. Die Priester, die in Vers 15 erwähnt sind, hatten einen ganz anderen Dienst. Ihr Angesicht war dem Angesicht Gottes zugewandt und sie taten ihren Dienst für ihn. Diese sind es, die damit fortfahren, in das vollkommene Gesetz der Freiheit hineinzuschauen, und die sich selbst mit Christus vor dem Angesicht Gottes opfern. Man muss mit reiner Leinwand angetan werden, um hier im Heiligtum Dienst zu tun. Aber wenn man zum Volk hinausgeht, soll man die heiligen Kleider ausziehen und andere Kleider anziehen. Gott will dieses vertraute Verhältnis vor dem Volk verborgen halten. Diese letztere Sorte Priester ist es, die sich auf Rechtssachen versteht und Urteile fällen kann. Diese sind es, die sein Volk lehren können, zwischen rein und unrein, heilig und unheilig zu unterscheiden.
Nachdem du nun mehr und mehr anfängst, das Amt des letzteren Priesters zu bekommen, freue dich und sei fröhlich. Selbst wenn du dem Volk dann nur die gewöhnliche Seite zuwenden sollst, kannst du doch vor dem Angesicht Gottes in weißer Leinwand jubeln und dort von dem verborgenen Manna essen. Es liegt immer ein gewisses fleischliches Verlangen in uns, Dienst vor dem Volk tun zu wollen und dort angesehen zu werden. Aber Dienst vor dem Angesicht des Herrn zu tun, gibt dem Fleisch nicht die geringste Befriedigung. Man wird ein verborgenes Rätsel. Halte fest an diesem Dienst; denn dort drinnen vor dem Angesicht des Herrn lernen wir alles Mögliche und werden verwandelt nach dem Bild, das wir anschauen. Diejenigen, die Dienst an der Tür tun, kommen nie weiter. Sie bleiben jahraus, jahrein bei den Anfangsgründen stehen und reden nur von der Reinigung des Hauses – der Reinigung von toten Werken. Es ist keine geringe Strafe, hier stehenzubleiben. Das sind diese Leute, die der Zeit nach hätten Lehrer sein sollen, die aber noch kaum die Anfangsgründe kennen, solche nach außen gekehrten, oberflächlichen Menschen, die immer das Volk vor Augen haben und die nie lernen können, den Blick dem Vollkommeneren zuzuwenden.
Also ist unser Dienst nun vor dem Angesicht Gottes. Hiermit rechnen wir und hiernach urteilen wir und verstehen wir. Hier drinnen vor seinem Angesicht holen wir unser Licht, dort drinnen erlangen wir unser Gericht und alles. Dies bedeutet, zu Gott, dem Richter über alle, gekommen zu sein.
Der Gerichtete ist immer geringer als der, der ihn richtet. Christus beweist seine Größe darin, dass er der Richter über alle Lebenden ist. Er herrscht über Lebende und Tote und ihm ist alles Gericht gegeben. Vollkommenes Licht führt zu vollkommenem Gericht, aber vollkommenes Gericht führt zu vollkommener Herrschaft.
Hieraus schließen wir, dass so viel, wie Christus uns zu Licht machen kann, so viel werden wir mit ihm richten und so viel werden wir mit ihm regieren. So weit, wie ich mit dem Sündenleib in mir selbst fertig geworden bin, kann ich mit Christus über andere regieren, deren Sündenleib nicht so weit zugrunde gegangen ist wie bei mir selbst. Dies ist eine weise und gerechte Ordnung. Christus hat in sich selbst den Sündenleib vollkommen getötet, daher kann er auch vollkommen herrschen. Hier ist er der Richter der Lebenden. Doch als derjenige, der die Forderung des Gesetzes erfüllt hat, ist er der König der Juden, denn niemand hat es besser gemacht.
Es ist eine große Freude, dir von diesen Dingen zu schreiben, da ich weiß, dass du die Wahrheiten Gottes liebst und beabsichtigst, in Christus weiter zu kommen, als Türwache zu halten.
Es ist eine Schande für diese, die das Volk umwerben, dass sie nicht einmal lehren können. Aber hier macht wohl das Fleisch seine Forderungen geltend. Sie lieben Massenzusammenkünfte und große Versammlungen. Aber von dem verborgenen Umgang mit Gott vor seinem Angesicht wissen sie nichts.
Das Geheimnis, das verborgen war seit ewigen Zeiten und Geschlechtern, ist nun offenbart seinen Heiligen, Kol. 1, 26. Dieses Geheimnis wird im Geist offenbart und ist auch heute noch ein Geheimnis für alle, die nicht die Erleuchtung durch den Geist gesucht haben. Auch für diejenigen, die mit der Umkehr von toten Werken beschäftigt sind, sind diese Dinge ein Geheimnis. Ja, auch für uns, die wir uns befleißigen, durch den Geist in die Schätze der Weisheit hineinzuschauen, sind noch massenhaft Geheimnisse verborgen; denn Gott hat nie irgendeinen Menschen alle seine Werke völlig verstehen lassen. Aber alle Werke Gottes sind durch Christus und zu Christus geschehen.
Du sagst, dass sich etwas zusammenbraut. Ja, dasselbe habe auch ich in Horten und an anderen Orten gemerkt. Doch ich glaube, wir haben nur geradeaus vorwärts zu steuern und unseren Dienst vor Gottes Angesicht weiter auszuführen und weder hier noch dort Abstriche zu machen, sondern in dem Licht, das Gott geschenkt hat, treu zu bleiben, selbst wenn alles schiefgeht.
Wir haben nur dem Geist zu gehorchen und keine Spur Rücksicht auf Personen zu nehmen. Lass das, was nicht stehen kann, zusammenfallen. Wir müssen eingreifen, wann auch immer, wo auch immer und bei wem auch immer. Der Geist muss freies Verfügungsrecht über uns haben und wir brauchen uns nicht vor den Folgen zu fürchten. Die Briefe von Paulus waren gewichtig und stark; aber die Gegenwart seines Leibes war schwach und die Rede geringgeachtet. Hier kann man das verborgene Leben und die verborgenen Kräfte sehen. Diese klugen Männer sahen natürlich nur auf die Universitätsabsolventen. Denn Paulus war ja ungelehrt in der Rede, aber er war es doch nicht in der Erkenntnis. Diese feinen Leute jedoch hörten natürlich nur auf seine ungelehrte Rede und nicht auf die Erkenntnis darin, darum wurde die Rede geringgeachtet. Von solchen nach außen gekehrten Menschen wimmelt es überall. Aber Gott hat Wohlgefallen daran, die tiefgehendsten und feinsten Wahrheiten in einer ungelehrten Rede zu verbergen, sodass es die Einfältigen verstehen sollen und die Klugen durch die Rede erschrecken und sich abwenden sollen. Halleluja! Was haben wir doch für einen Gott, der alles genau berechnet.
Nun will ich für diesmal schließen. So Gott will, wird es gut sein, im Herbst zusammenzukommen.
Grüße zuhause sowie Helga und Gerrard. Dein in Christus Anteil habender Bruder
JohanAdr. Horten Mitte Juli. Ich gehe von hier aus nach Libau. Komme nicht nach Kopenhagen.
