Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911

Brief an Aksel Smith,. 22. Juni 1908

Gesammelte Schriften Band 1 • 1890 - 1911
Horten, 22. 6. 1908
Lieber Bruder,

jetzt habe ich gerade eine kalte Abreibung vorgenommen und mich rasiert. Die Tür ist abgeschlossen, aber das Bullauge (Fenster) an Steuerbord steht offen und ich habe es jetzt so heimelig, wie man es in der Marine nur haben kann.

Einer meiner Kollegen an Land fragte gestern den Mineur hier an Bord, wie es ihm gefiele, mit mir zusammen zu fahren, ob er nicht mit religiösem Geschwätz usw. überschüttet würde. Der Mineur sagte darauf, dass der Bootsmann an Bord der „Sleipner“ der rechtschaffenste Mann sei, mit dem er je gefahren ist. Dies erzählte mir der Mineur heute und es war mir – ohne dass er es wusste – ein großer Trost, denn es zeugte davon, dass sie gehört hatten. Ihr Lob und ihr Schimpfen sind mir gleich lieb, wenn nur das Zeugnis in jedem einzelnen Fall zum Ziel hin zeigt. Ich empfinde es so, dass es am besten ist, schwach zu sein, aber das kann man auch nicht von sich selbst aus ergreifen. Schwachheit gibt Stärke, aber die Stärke wirkt sich aus wie der Dampf, sodass man sogar zu weit gehen will. Doch ein Gefühl, zu weit gegangen zu sein, macht einen wiederum schwach. So bringt man auch hier eine Zirkulation hervor. Doch ich glaube, dass diese Zirkulation mit der Zeit an Stärke zunimmt, sodass die Schwachheit sogar so groß wird, dass wir einsehen müssen, dass das Leben in uns einzig und allein an Gottes Kraft hängt. Je geistlicher wir werden, desto mehr Gericht und desto mehr Schwachheit und desto mehr Kraft. Aber die Kraft äußert sich meistens darin, dass man schweigt. Dann sitzt man wie untüchtig da, was harte Prüfungen für das Fleisch sind. Das Licht scheint von hinten und von vorne, von unten und von oben. Doch wir sehen stückweise und reden stückweise, damit wir bei Anstößen Gelegenheit bekommen sollen, uns selbst kennenzulernen und die Kraft kennenzulernen, die uns so bis ins Detail erlöst hat, und die Gnade kennenzulernen, die uns durch Langmut zuteil wird. Man stößt ja in der Regel nur in neuen, unbekannten Fahrwassern an. Aber nun ist ja der Weg genau kartiert, sodass man mit aller Aufmerksamkeit und aller Besonnenheit vorwärtsnavigieren kann. Das Leben in der Marine ist für mich von unheimlich großem Nutzen gewesen, denn man bekommt keinen einzigen Mann dazu, etwas zu tun, ohne dass man ihn zuerst übermannt und besiegt. Dieser unaufhörliche Kampf ist von ungeheurer Bedeutung, wobei das eigenartig aussehen und sich eigenartig anhören kann. Alle Dinge dienen uns zum Guten. Eines habe ich von Gott begehrt, nämlich, dass ich in Gott vorwärtsgehen möge; dass Gericht, Leiden und Licht zu mir kommen mögen, nicht, um mich zu zerschlagen, sondern um Bahn zu brechen, damit ich auf „dem Weg“ vorwärtskomme.

An Br. Plum habe ich direkt aus dem Herzen heraus geschrieben und nicht eine Spur Rücksicht genommen. Dies wirkte so kräftig, dass er meine Briefe vor dem Angesicht des Herrn ausbreiten wollte, sagte er. Aber jetzt, in seinem letzten Brief, ist er fröhlicher als je zuvor. Ihm war nämlich bange, weil er mich nach Dänemark eingeladen hatte. Ich schrieb dann, dass solche Dänemarkreisen nicht so schrecklich ungewohnt für mich wären. Ich sei daher nicht darauf aus, eine Vergnügungsreise zu bekommen. Er schrieb auch, dass man in Dänemark keine Zucht ertragen würde. Es hätte also keinen Zweck, mit so etwas zu kommen. Hierauf antwortete ich, dass ich noch nie gehört hätte, dass der Ton eine Meinung darüber haben könne, wie der Töpfer ihn behandeln solle. Und dass die Dänen nicht so umgestaltet wären, wie Gott sie haben wollte, damit wäre er ja selbst einverstanden. Nach mehreren solchen Auseinandersetzungen sind wir nun bessere Freunde geworden als je zuvor. Außerdem tröstete ich ihn damit, dass ich keinesfalls nach Dänemark fahren würde, wenn es nicht Gottes ausdrücklicher Wille wäre – und dann nur für 1 – einen – Monat um Beurlaubung bitten würde. Dies vertrieb die Angst und machte ihn bedeutend milder. Denn er hatte Angst davor, dass ich nach Dänemark kommen und nur Unruhe schaffen würde – und stell dir vor, das ganze sechs Monate lang!

Grüße vielmals zuhause.

Einen Gruß mit Jes. 54, 17. Dies sind Granaten aus der Kanone Moses. Halleluja! Dein Bruder

Johan