Jesu Bergpredigt
„Als er sich hingesetzt hatte, kamen seine Jünger zu ihm. Und er tat seinen Mund auf, lehrte sie und sprach: ...“
Wir sehen hieraus, dass diese Rede seinen Jüngern galt. Sie waren den neuen Bund eingegangen und hatten ihren Leib gegeben, um den Willen Gottes zu tun. „So jemand zu mir kommt und hasset nicht seinen Vater, Mutter, Weib, Kinder, Brüder, Schwestern, auch dazu sein eigen Leben, der kann nicht mein Jünger sein. Und wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein.“ „Also auch ein jeglicher unter euch, der nicht absagt allem, was er hat, kann nicht mein Jünger sein.“ Luk. 14, 26-27 und 33. „Und er sprach zu ihnen: Folget mir nach; ich will euch zu Menschenfischern machen! Sofort verließen sie ihre Netze und folgten ihm nach.“ Matth. 4, 19-20.
Für solche Menschen hielt Jesus seine Bergpredigt. „Ihr sollt nicht denken, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzuheben; ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen.“ Ja, und diese Erfüllung des Gesetzes hat Jesus vollbracht in einem Leib, wie wir ihn haben, also mit demselben Fleisch. Es wurde dann für alle, die seine Jünger werden wollen, möglich, dasselbe Leben in Erfüllung des Gesetzes zu leben. Dies haben wir früher gelesen, wie es in Röm. 8, 3-4 geschrieben steht. Dort lesen wir, was Gott tat, als er seinen Sohn sandte: „... und um der Sünde willen und verdammte die Sünde im Fleisch, damit die Forderung des Gesetzes in uns erfüllt würde, die wir nicht nach dem Fleisch, sondern nach dem Geist wandeln.“
Was ist die Forderung des Gesetzes? Es ist: „Du sollst nicht begehren.“ Röm. 7, 7. Dies war dem Gesetz unmöglich, weil es durch das Fleisch machtlos war. Das Gesetz konnte nur die Sünde strafen, wenn sie aus dem Leibe kam. Aber die Begierde ist verborgen. Diese hat Gott in Jesu Fleisch verdammt, und dann konnte selbstverständlich auch keine Sünde aus dem Leibe kommen. Dies war die Opferung in Jesu Leib, die ermöglichte, dass auch in uns die Forderung des Gesetzes erfüllt würde, die wir Jünger geworden sind und in dem neuen Bund stehen.
Unter dem Gesetz zu sein heißt, in dem alten Wesen des Buchstabens zu dienen. Dann steht man vor dem Angesicht der Menschen. Jesus sagt: „Denn ich sage euch, wenn eure Gerechtigkeit nicht die der Schriftgelehrten und Pharisäer übertrifft, werdet ihr nimmer in das Himmelreich kommen.“ Sie standen nämlich vor dem Angesicht der Menschen, um von ihnen geehrt zu werden. „Denn sie tun alle ihre Werke, um von den Menschen gesehen zu werden.“ Matt. 23, 5. Wollen wir diese Gerechtigkeit übertreffen, müssen wir vor dem Angesicht Gottes leben und im neuen Wesen des Geistes dienen. Röm. 7, 6. Das bedeutet, dem Licht zu gehorchen, das der Geist uns gibt - genau so, wie Jesus gehorsam war dem Licht, das der Vater ihm gab.
Hier kommt Jesus als der barmherzige Hohepriester hervor, der uns Gnade gibt zu rechter Zeit. Wir haben Kraft in dem Heiligen Geist, die Werke des Leibes durch den Geist zu töten. Das ist die Opferung in Christi Leib. Das Gesetz kann nicht in uns erfüllt werden, wenn wir nicht im Geist wandeln. Nur solche sind Gottes Kinder und Jesu Brüder. „Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.“ Röm. 8, 14. Nur solche sind unter der Gnade. „Denn die Sünde wird nicht herrschen können über euch, die ihr ja nicht unter dem Gesetz seid, sondern unter der Gnade.“ Röm. 6, 14. „Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit Christus in Gott.“ „So tötet nun die Glieder, die auf Erden sind, Unzucht, Unreinigkeit, schändliche Lust, böse Begierde und die Habsucht, welche ist Götzendienst.“ Kol. 3, 3 und 5.
Dieses verborgene Leben mit Christus besteht im Töten der Begierde. Das ist die Erfüllung des Gesetzes. Dann ist der Leib ein Gott wohlgefälliges Opfer. „…dies sei euer geistlicher Gottesdienst.“ -Nun ihr aber seid von der Sünde frei und Gottes Knechte geworden, habt ihr eure Frucht, dass ihr heilig werdet, das Ende aber ist ewiges Leben.“ Röm. 6, 22. Dann hat man Sieg über Sünde bekommen, so dass keine Sünde aus dem Leib herauskommt. Die Heiligung besteht im Töten der Sünde, über die man Licht bekommt, wenn man im Geist wandelt auf dem neuen und lebendigen Weg durch das Fleisch. Weil man diesen neuen Weg nicht kennt, hat man auch nicht viel von Jesus zu sagen, bis er 30 Jahre alt wurde. Danach hat er aber viele Zeichen und Wunder getan, und das ist das Große für die Menschen und der große Wunsch der meisten Prediger.
„Selig sind, die da geistlich arm sind, denn das Himmelreich ist ihr.“ Moses brachte das Gesetz, das gab Reichtum für den Leib. Davon lesen wir in 5. Mose 28. Wenn wir von dem Reichtum an irdischer Herrlichkeit lesen, der über diejenigen kommen sollte, die das Gesetz hielten, dann könnten wir fragen: Was wünschst du dir noch mehr? Wenn wir davon lesen, sehen wir, dass alles um irdische Herrlichkeit geht. Die allermeisten Menschen, auch die religiösen, wünschen auch keine andere Herrlichkeit. Darum sehen wir, wenn die Menschen in irdische Not kommen - und besonders, wenn sie krank werden -, dann fangen sie an, zu Gott zu beten, und sie bitten um Fürbitte. Aber ihre geistliche Not und Armut erkennen und bedenken sie nicht.
Jesus kam mit Reichtum für den Geist. Was ist das? magst du fragen? Das sind die Tugenden Christi. Das ist, in unserem inwendigen Menschen gestärkt zu werden. „Darum also beuge ich meine Knie vor dem Vater, der der rechte Vater ist über alles, was da Kinder heißt im Himmel und auf Erden, dass er euch Kraft gebe nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit, stark zu werden nach seinem Geist an dem inwendigen Menschen.“ Eph. 3, 14-16.
Wenn Trübsale und Widerwärtigkeiten kommen, haben die allermeisten Menschen einen so schwachen inwendigen Menschen, dass sie nicht Kraft haben, es zu tragen. Sie verlieren das Gleichgewicht, wie man so sagt. Die Sünde nimmt überhand, sie bekommen etwas gegeneinander, die Ehen gehen in Auflösung, die Liebe erkaltet bei den meisten. In Epheser lesen wir von dem Rauminhalt der Liebe Christi. Er trug der ganzen Welt Sünde. Dadurch besiegte er das ganze Geistesheer der Bosheit. „Auch erkennen die Liebe Christi, die doch alle Erkenntnis übertrifft, damit ihr erfüllt werdet mit aller Gottesfülle.“ Vers 19. Wir sehen, dass Paulus den ganzen Ratschluss Gottes verkündigte. Apg. 20, 27.
„Selig sind, die da geistlich arm sind; denn das Himmelreich ist ihr. Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden. Selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Erdreich besitzen. Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden. Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen. Selig sind, die reines Herzens sind; denn sie werden Gott schauen. Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen.“
Die Bergpredigt ist wie ein Tisch, den Jesus für solche deckt, die eine himmlische Berufung haben. Sie ist eine himmlische Botschaft für jeden, der Hunger und Durst hat nach einem göttlichen Leben, nach einem unbegrenzten Reichtum der Fülle Gottes für seinen Geist. Ja, sagst du, sie werden aber auch die Erde besitzen. Jawohl, aber das ist nur die Zugabe, und um diese streiten sich die Menschen. Darum sind sie so unruhig und arm. „Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch solches alles zufallen!“ Wenn wir nach dem Reich Gottes zuerst trachten, dann ist das Irdische als eine Zugabe darin enthalten, und Jesus setzt fort: „Darum sorget nicht für den anderen Morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass ein jeglicher Tag seine eigene Plage habe.“ Die Erde, um die sich die anderen streiten, sollen die Sanftmütigen besitzen! Die Sanftmütigen haben Zeit, auf die Zugabe zu warten.
Jesus ist auch Friedefürst genannt. Er wird eines Tages den Satan für 1000 Jahre binden. Dann wird das Tausendjährige Reich aufgerichtet, und diejenigen, die dort regieren werden, sind Jesus und seine Braut - auch seine Brüder genannt. Diese Macht haben sie dadurch gekommen, dass sie das Fleisch mit den Lüsten und Begierden getötet haben. Offb. 19, 7 und weiter im 20. Kapitel.
Lesen wir die Bergpredigt, sehen wir deutlich, wie das Gesetz erfüllt wird dadurch, dass die Begierde getötet wird. „Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Du sollst nicht Hurerei betreiben. Ich aber sage euch: Wer eine Frau ansieht, ihrer zu begehren, der hat schon mit ihr in seinem Herzen Hurerei betrieben.“ Wir sehen weiter. wie radikal wir vorgehen müssen, um die Begierde zu töten. Erst dann kommt man zur Ruhe. Ein Beispiel dafür, was das Gesetz ausgerichtet hatte und was wir in dem neuen Bund erreichen können, sehen wir, als die Pharisäer mit der Frau, die in Hurerei ergriffen worden war, zu Jesus kamen. „Aber die Schriftgelehrten und Pharisäer brachten eine Frau zu ihm, in Hurerei ergriffen, und stellten sie in die Mitte und sprachen zu ihm: Meister, diese Frau ist ergriffen auf frischer Tat in Hurerei. Mose aber hat uns im Gesetz geboten, solche zu steinigen. Was sagst du? Das sprachen sie aber, ihn zu versuchen, auf dass sie eine Sache wider ihn hätten. Aber Jesus bückte sich nieder und schrieb mit dem Finger auf die Erde. Als sie nun anhielten, ihn zu fragen, richtete er sich auf und sprach zu ihnen: Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie. Und bückte sich wieder nieder und schrieb auf die Erde. Da sie aber das hörten, gingen sie hinaus, einer nach dem andern, von den Ältesten an; und Jesus ward allein gelassen, und die Frau in der Mitte stehend. Jesus aber richtete sich auf und sprach zu ihr: Weib, wo sind sie, deine Verkläger? Hat dich niemand verdammt? Sie aber sprach: Herr, niemand. Jesus aber sprach: So verdamme ich dich auch nicht; gehe hin und sündige hinfort nicht mehr! Da redete Jesus abermals zu ihnen und sprach: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ Joh. 8, 3-12.
Die Pharisäer waren gerecht nach dem Gesetz, wie es auch Paulus nach dem Gesetz war. Phil. 3, 6-10. Diese Gerechtigkeit nach dem Gesetz nannte er seine Gerechtigkeit. Diese hatte er nicht durch die Gnade erreicht. Als er nun Erkenntnis über Christus bekommen hatte, hatte sie für ihn keinen Wert mehr. Jetzt wollte er die Gerechtigkeit erlangen, die aus Gott kommt, aufgrund des Glaubens, und so erklärt er, wie er dazu kommt: „Ich möchte ja ihn erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden, indem ich seinem Tode gleichgestaltet werde.“ Dies ist der Weg, auf dem die Forderung des Gesetzes erfüllt wird. Dann wird es wahr vor dem Angesicht Gottes, nicht nur vor Menschen.
Viele fragen sich, was wohl Jesus schrieb, einige sagen, er schrieb in den Sand. Andere sagen, er war so demütig, dass er auf eine Antwort vom Vater wartete. In den Sand kann man nichts schreiben. Und wenn man schreibt, muss man auch denken, was man schreiben soll. Ich bin nicht im Zweifel, was er schrieb. Gewöhnlich erwähnen die Menschen das, was ihnen passt. Was ihnen nicht passt, lassen sie aus. Darum glaube ich, dass er das schrieb, was weiter im Gesetz geschrieben steht: „Du sollst nicht begehren.“ Und als er sich wieder niederbückte und schrieb, glaube ich, dass er aus dem Gesetz weiterschrieb: „Verflucht sei jedermann, der nicht bleibt in alledem, was geschrieben steht in dem Buch des Gesetzes, dass er es tue!“ „Da sie aber das hörten, gingen sie hinaus, einer nach dem andern, von den Ältesten an.“ (Auf Englisch heißt es: sie wurden in ihrem Gewissen überführt).
Wir sehen, dass das Gesetz erfüllt werden kann durch den Glauben und die Gnade in Christus. Die Begierde wird getötet. Dadurch entsteht das göttliche Leben, das Jesus lebte. In Matthäus 5 heißt es weiter: „Ihr habt gehört, dass da gesagt ist: Auge um Auge, Zahn um Zahn! Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Übel; sondern, wenn dir jemand einen Streich gibt auf deine rechte Backe, dem biete die andere auch dar.“ „Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde; segnet, die euch fluchen; tut wohl denen, die euch hassen; bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen, auf dass ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel.“
Wenn wir dieses lesen, verstehen wir, dass die Opferung - das Schlachten, das Töten - in unserem Leibe mächtig wirksam sein muss, wenn wir mit unserem Temperament fertig werden sollen, so, dass wir von Herzen segnen können, ohne Heuchelei. Dies ist möglich geworden auf dem neuen und lebendigen Weg, den uns Jesus eingeweiht hat. Dann werden wir in Wahrheit Gottes Kinder und Jesu Brüder.
Jesus gibt eine weitere, kräftige Ermahnung: „Hütet euch, dass ihr eure Gerechtigkeit nicht vor den Augen der Menschen ausübt, um von ihnen gesehen zu werden, sonst habt ihr keinen Lohn bei eurem Vater im Himmel.“ Wir sehen, dass nur das etwas bedeutet, was wir vor dem Angesicht des Vaters tun - das verborgene Leben mit Christus in Gott.
Wir lesen: „Ihr Diener! Seid gehorsam in allen Dingen euren leiblichen Herren, nicht mit Dienst vor Augen, um den Menschen zu gefallen, sondern in Einfalt des Herzens und in der Furcht des Herrn. Alles, was ihr tut, das tut von Herzen als dem Herrn und nicht den Menschen und wisset, dass ihr von dem Herrn zum Lohn das Erbe empfangen werdet. Dienet dem Herrn Christus!“ Kol. 3, 22-24. Ein Diener war ja damals gewöhnlich ein Sklave.
Sollte er so einfältig sein, zu dienen als dem Herrn und nicht den Menschen, dann verstehen wir, dass das Sterben Jesu wirksam sein musste, sonst könnte er nicht ein solches Leben leben. Dazu sollte er nur an das Erbe denken, das er von dem Herrn empfangen sollte, als Lohn. Ein solcher ist ein wahrer Gläubiger.
In 1. Kor. 7, 21-23 lesen wir: „Bist du als Sklave berufen, sorge dich nicht; doch kannst du frei werden, dann mache davon Gebrauch! Denn wer als Sklave berufen ist in dem Herrn, der ist ein Freigelassener des Herrn; desgleichen, wer als Freier berufen ist, der ist ein Knecht Christi. Ihr seid teuer erkauft; werdet nicht der Menschen Knechte!“
Der Sklave hatte keine Freiheit, über die er selbst bestimmen konnte. Darum fühlte er wohl, dass er nicht für Gott arbeiten konnte, so wie die anderen. Er kam sich unnütz vor und übergangen, aber Paulus tröstet ihn und sagt: „Sorge dich nicht darum!“ Ja, warum nicht? Nein, „denn in Christus gilt weder Beschneidung, noch Unbeschnittensein, sondern nur der Glaube, wirksam durch die Liebe“. „Denn in Christus gilt weder Beschneidung, noch Unbeschnittensein etwas. sondern eine neue Kreatur.“ Gal. 5, 6 und 6, 15. Es ist ganz gleich, was man tut; wenn man nicht eine neue Kreatur wird, ist man in Gottes Augen nichts. In der Auferstehung hat nur göttliche Natur wert. Dazu haben alle Menschen die gleiche Möglichkeit. „Und alles, was ihr tut, mit Worten oder mit Werken, das tut alles in dem Namen des Herrn Jesus und danket Gott, dem Vater, durch ihn.“ Gal. 3, 17. Auf diese Weise bekommt alles, was ich tue einen Wert für die Ewigkeit. „Werdet nicht der Menschen Knechte!“ Das werden nämlich alle diejenigen, die ihre Werke tun, um von den Menschen gesehen zu werden. Das hat in der Auferstehung keinen Wert.
