Ein so großes Heil

Jesu Ausbildung zum Hohepriester

Ein so großes Heil

Jesu Ausbildung zum Hohepriester

„Denn ein jeglicher Hohepriester, der aus den Menschen genommen wird, der wird gesetzt für die Menschen zum Dienst vor Gott, auf dass er opfere Gaben und Opfer für die Sünden.“ Er kann mitfühlen mit denen, die da unwissend sind und irren, weil er auch selber Schwachheit an sich trägt. Darum muss er, wie für das Volk, so auch für sich selbst opfern für die Sünden. Und niemand nimmt sich selbst die hohepriesterliche Würde, sondern er wird berufen von Gott gleichwie Aaron. So hat auch Christus sich nicht selbst die Ehre beigelegt, Hohepriester zu werden, sondern der hat’s getan, der zu ihm gesagt hat: „Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt.“ Wie er auch an anderer Stelle spricht: „Du bist ein Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks.“

Bei Gott und in seiner Haushaltung gibt es keine Heuchelei, es existiert nichts, das nur Schein ist. Alles ist wahr und gerecht und echt. Jesus wurde nicht als Hohepriester eingesetzt, weil er Gottes Sohn war, und auch nicht aus diesem Grund von den Toten auferweckt. Auch hatte er nicht ein Fleisch wie Adam vor dem Fall, so dass er wie er versucht worden wäre, wie viele meinen. Es waren nicht solche, denen er Erlösung bringen sollte. Und er nahm auch keine Engelnatur an (engl. Übers.), denn er hat sich ja nicht der Engel angenommen, „sondern der Kinder Abrahams nimmt er sich an,“ usw. Es musste wahr sein, dass er aus den Menschen genommen war und gesetzt für die Menschen zum Dienst vor Gott. Er musste die gleiche Schwachheit wie wir an sich tragen, damit er dazu ausgebildet werden konnte, Dienst zu tun für solche Menschen, wie wir es sind.

Darum heißt es: „Denn wir haben nicht einen Hohepriester, der nicht könnte mitleiden mit unserer Schwachheit, sondern der versucht ist allenthalben gleichwie wir, doch ohne Sünde.“ Hätte er in der Prüfung gesündigt, hätte er sich nicht selbst als Opfer darbringen können. Unsere Schwachheit ist die, dass wir ein Fleisch mit Lüsten und Begierden haben. Dieser Schwachheit wurde er also teilhaftig. Deshalb konnte er gleichwie wir geprüft und versucht werden. Aber das gab ihm die Gelegenheit, diese Sünde zu töten, die uns zu Übertretern macht, und einen ganz neuen Weg zu einem göttlichen Leben zu öffnen, jetzt, solange wir im Leibe sind.

Wir lesen von der Ausbildung Jesu: „Und er hat in den Tagen seines Fleisches Gebet und Flehen mit starkem Geschrei und Tränen geopfert dem, der ihm von dem Tode konnte aushelfen; und ist auch erhört um seiner Gottesfurcht willen.“ Demnach wurde er nicht erhört, weil er Gottes Sohn war. Nein, hier gab es kein Ansehen der Person. Alles war wahr und echt. Für uns sollte ja der Weg geöffnet werden.

Er hat so kräftig gebetet, um vom Tode erlöst zu werden, lesen wir. Dann können wir fragen: Hatte er eine solche Angst vor dem Tod? Es heißt ja, dass er erhört wurde, aber dem wäre ja nicht so, wenn wir an seinen Tod auf Golgatha denken. Dort musste er für uns sterben. Wir verstehen hieraus, dass es sich nicht um den Tod auf Golgatha drehte. Es heißt ja: „... in den Tagen seines Fleisches“. „Denn wenn ihr nach dem Fleisch lebet, so werdet ihr sterben müssen; wenn ihr aber durch den Geist des Fleisches Geschäfte tötet, so werdet ihr leben.“ Röm. 8, 13.

Hier lesen wir von dem neuen und lebendigen Weg, den Jesus für uns eingeweiht hat. Wenn er nach dem Fleisch gelebt hätte, das er vom Geschlecht Davids bekommen hatte, dann hätte er auch sterben müssen. Dann wäre es auch mit der Hoffnung für uns aus gewesen. Aber er war treu in dem Bund, obwohl er so schwach war, dass er mit starkem Geschrei und Tränen seine Gebete und Hilferufe dem darbrachte, der ihn von dem Tode erlösen konnte. Eine solche Furcht hatte er davor, dem Fleisch auch nur im Geringsten nachzugeben, denn er war ein Opfer ohne Fehl. Wie groß ist es dann nicht, zu lesen, dass er erhört wurde. Das bewies ja die Auferstehung von den Toten. Der Tod konnte ihn nicht halten.

Wie er sich seiner Schwachheit bewusst war! Denke, welche Demut, dass er so kämpfte und sich von seinem Vater abhängig wusste. Ja, er wurde erhört infolge seiner Gottesfurcht. Er war unser Vorläufer. Diese Gottesfurcht müssen wir haben, wenn wir in Prüfungen und Versuchungen sind. Dann können wir mit Freudigkeit zu dem Thron der Gnade hinzutreten, um die Hilfe zu bekommen, mit der wir den Tod besiegen können. Dazu sind wir berufen, ihm, unserem barmherzigen Hohepriester, nachzufolgen.

„So hat er, wiewohl er Gottes Sohn war, doch an dem, was er litt, Gehorsam gelernt. Und da er vollendet war, ist er geworden allen, die ihm gehorsam sind, der Urheber ihres ewigen Heils, und ist von Gott genannt ein Hohepriester nach der Ordnung Melchisedeks.“ Hier sehen wir, dass er nicht ohne weiteres Hohepriester wurde. Er musste erst eine Lehre in Gehorsam durchlaufen. Und alle, die ihm auf diesem neuen Weg folgen wollen, müssen dieselbe Lehre in Gehorsam durchlaufen, und sie werden Priester. Petrus schreibt so von ihnen: „Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, das königliche Priestertum, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten des, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht.“ 1. Petr. 2, 9.

Wir könnten nun fragen: War Jesus ungehorsam gewesen, dass er Gehorsam lernen musste? Nein, in keiner Weise, aber er hatte ja darauf verzichtet, Gott gleich zu sein. Nun sollte er die ganze Fülle Gottes in einem menschlichen Leib zurückgewinnen, um Brüder zu bekommen. „Und er ist das Haupt des Leibes, nämlich der Gemeinde; er, der der Anfang ist, der Erstgeborene von den Toten, auf dass er in allen Dingen der erste sei. Denn es ist Gottes Wohlgefallen gewesen, dass in ihm alle Fülle wohnen sollte und alles durch ihn versöhnt würde mit Gott, es sei auf Erden oder im Himmel, dadurch dass er Frieden machte durch das Blut an seinem Kreuz.“ Kol. 1, 18-20.

„Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig, und ihr habt diese Fülle in ihm, welcher ist das Haupt aller Reiche und Gewalten.“ Kol. 2, 9-10.

Um diese Fülle zurückzugewinnen, musste er in dem Licht wandeln, das der Vater ihm gab. Dieses Licht stimmte mit seinem menschlichen Willen nicht überein. Deshalb betete er: „Nicht mein, sondern dein Wille geschehe.“ „Denn ich bin vom Himmel gekommen, nicht damit ich meinen Willen tue, sondern den Willen des, der mich gesandt hat.“ Joh. 6, 38. Er lernte Gehorsam an dem, was er litt.

Durch Leiden erwacht die Sünde im Fleisch und protestiert. Man fragt: Warum musste das geschehen, was hat das für eine Bedeutung? Jesus hat nie so gefragt. Er verstand, dass es darum ging, seinen Eigenwillen zu opfern. Wenn der Vater in den Versuchungen die Sünde im Fleisch verdammte, dann glaubte er und bekam immer größere Gebiete, auf denen zu gehorchen war. Der Weg ging durch das Fleisch und der Opfer wurden viele.

Lesen wir Jes. 53, dann sehen wir, durch welche Drangsale er hindurch musste. „So wollte ihn der Herr zerschlagen mit Krankheit. Wenn er sein Leben zum Schuldopfer gegeben hat, wird er Nachkommen haben und in die Länge leben, und des Herrn Plan wird durch seine Hand gelingen.“ Und in Jes. 63 lesen wir von dem Kampf in Edom, wie er mit großer Kraft alle Feinde niedertrat. Ja, wer war das? „Ich bin’s, der in Gerechtigkeit redet, und bin mächtig zu helfen.“ „Ich trat die Kelter allein, und niemand unter den Völkern war mit mir. Ich habe sie gekeltert in meinem Zorn und zertreten in meinem Grimm. Da ist ihr Blut auf meine Kleider gespritzt, und ich habe mein ganzes Gewand besudelt. Denn ich hatte einen Tag der Vergeltung mir vorgenommen; das Jahr, die Meinen zu erlösen, war gekommen.“

Edom ist der Name für Esau, ein Vorbild für das Fleisch. Hier sehen wir den Kampf, den Jesus geführt hat, um den Lüsten und Begierden des Fleisches ein Ende zu machen, dass ein Jahr der Erlösung für die Menschen kommen konnte. Er war der Erlöser. In den Leiden wurden alle diese Feinde offenbar, so dass er sie zerschmettern konnte. „Denn so ist Gott, um deswillen alle Dinge sind und durch den sie alle sind, dass er den, der da viele Kinder zur Herrlichkeit geführt hat, als den Herzog ihrer Seligkeit, durch Leiden vollendete.“ Kap. 2, 10. So wie er im Licht, im Glauben und Gehorsam wandelte, geschah diese Opferung nach und nach, bis der Vater kein Licht mehr zu geben hatte, das er nicht durch Gehorsam bereits in sich aufgenommen hatte. Das Ganze dauerte etwa 30 Jahre.

Wenn die meisten Religiösen über Christi Leiden und Tod sprechen, dann denken sie gewöhnlicher weise nur an die Kreuzigung auf Golgatha. Aber an diesem Leiden und Tod, das wir hier erkennen, bekommen auch wir teil, wenn wir ihm gehorchen. Dann kommen wir in die Heiligung hinein und werden seine Brüder. „Denn weil sie alle von einem kommen, beide, der da heiligt, und die da geheiligt werden, darum schämt er sich auch nicht, sie Brüder zu heißen.“

„Weil nun Christus im Fleisch gelitten hat, so wappnet euch auch mit demselben Sinn; denn wer im Fleisch gelitten hat, der ist fertig mit der Sünde, dass er hinfort die noch übrige Zeit im Fleisch nicht der Menschen Lüste, sondern dem Willen Gottes lebe.“ 1. Petr. 4, 1-2. Hier wird deutlich ersichtlich, dass wir ihm folgen sollen. Wir sehen, ständig ist die Rede vom Fleisch. Das ist man nicht gewohnt, aber das Fleisch war der Vorhang, der die Menschen daran gehindert hat, ins Heiligtum hineinzukommen.

„Damit tat der Heilige Geist kund, dass noch nicht offenbart sei der Weg zum Heiligen, solange die vordere Hütte stünde.“ Kap. 9, 8. Dieser Vorhang zerriss, als Jesus ausrief: „Es ist vollbracht! Nun kann jeder, der will, ihm folgen. Aber der Weg geht durch das Fleisch, denn für alle, die ihm gehorchen, ist er der Urheber ihres ewigen Heils geworden. Wir lasen auch, dass wenn Jesus im Fleisch gelitten hatte, sollten auch wir uns mit demselben Gedanken wappnen, dass der, der im Fleisch gelitten hat, mit der Sünde fertig ist. Und sollen wir ein „königliches Priestertum- werden, müssen wir auch die gleichen Opfer bringen.

„Fertig mit der Sünde“ bedeutet nicht nur, in der Versuchung zu siegen. Man kann mit einem Feind kämpfen und ihn besiegen, aber später kommt er wieder. Aber haben wir die Feinde getötet, wie wir in Jes. 63 lasen, dann sind wir in Wahrheit mit ihnen fertig. Jesus wurde mit ihnen fertig. Ausleiden ist die einzige Weise. Wir sollen nicht immer wieder von demselben versucht werden. Es muss getötet werden, und wir gehen weiter auf dem Weg. Das Land, das wir eingenommen haben, wird göttliche Natur. Wir stehen in dem Neuen Bund, den Jesus aufgerichtet hat und da heißt es: „Welcher unsere Sünden selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe (andere Übers.: in seinem Leibe) auf das Holz, auf dass wir, der Sünde abgestorben, der Gerechtigkeit leben; durch welches Wunden ihr seid heil geworden.“ 1. Petr. 2, 24. Viele denken hier an leibliche Genesung, aber unsere eigentliche Krankheit ist die Sünde. Das kann man an Menschen sehen, wenn sie zornig, beleidigt, bekümmert sind usw. Sie sind krank. Heilung gibt es nur durch Leiden im Reisch und Christi Tod.

„Ihr Lieben, lasset euch die Hitze nicht befremden, die euch widerfährt, dass ihr versucht werdet. Meinet nicht, es widerführe euch etwas Seltsames.“ 1. Petr. 4, 12-13. Nein, tut man das, dann versteht man die Opferung in Christi Leib nicht, und wir sind ja mit einem Geist zu einem Leib getauft. Wir sind also Glieder an seinem Leib und stehen im gleichen Bund und im Gehorsam in derselben Opferung. Deshalb heißt es weiter: „Sondern in gleichem Maß, wie ihr an Christi Leiden teilhabt, sollt ihr euch freuen, auf dass ihr auch zur Zeit der Offenbarung seiner Herrlichkeit Freude und Wonne haben möget.“

Hier sehen wir einen Unterschied in den Leiden. Die Hitze in der Versuchung ist ja etwas, das uns nicht gefällt, da erhebt sich die Sünde im Fleisch und sie soll getötet werden. Dann muss ich diese Gelegenheit benützen, um die Sünde zu töten, so wie Jesus, und mein Teil an seiner Herrlichkeit wird auf diese Weise viel größer. Es heißt: „Im gleichen Maß.“ Und Paulus schreibt in Römer 8, 28: „Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen.“ Ja, diese hassen auch die Sünde, und das größte für sie ist, dem Ebenbilde seines Sohnes gleichgestaltet zu werden. Vers 29.

„So lasset nun die Sünde nicht herrschen in eurem sterblichen Leibe, Gehorsam zu leisten seinen Gelüsten.“ Röm. 6, 12. Durch diesen Tod, die Opferung in Christi Leib, befreite er einen menschlichen Leib von der Sünde. Durch Christi Leiden und Christi Tod werden auch unsere Leiber von der Sünde befreit und deshalb heißt es: „Oder wisset ihr nicht, dass alle, die wir in Jesus Christus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft?“ Vers 3. Durch die Taufe gehe ich den neuen Bund ein: „Hier bin ich, Gott, deinen Willen zu tun.“ Dann beginnt der Tod Christi zu wirken, so dass keine Sünde aus dem Leib herauskommt, sondern der Leib ist ein Gott wohlgefälliges Opfer und das ist unser geistlicher Gottesdienst. Röm. 12, 1.

Viele Menschen sind damit beschäftigt, Gott zu dienen. Sie wollen etwas für ihn tun, der so viel für sie getan hat. Folglich ziehen sie etwas auf, das groß ist in den Augen der Menschen. Große Versammlungen und große Erweckungen sind für sie ein Beweis, dass Gott mit ihnen ist und dass sie Diener des Herrn sind. Sie opfern tatsächlich oft sehr viel, insbesondere wenn wir an viele Missionare denken.

Und doch verstehen sie nichts von diesem geistlichen Gottesdienst. Wenn sie den nicht verstehen, haben sie auch nichts von Jesus zu verkündigen, d. h. aus seinem Leben, bis er 30 Jahre alt war. Dass er als Zwölf jähriger im Tempel war, ist das einzige, was sie von ihm über diese Zeit sagen können. Alles andere, worüber sie reden können, ist ansonsten nur, was er an sichtbaren Zeichen und Wundern ausgerichtet hat und ein Teil dessen, was er geredet hat. Die ganze Bergpredigt, sagen viele, sei Gesetz. Er hätte sie gehalten, damit wir sehen sollten, dass wir Gnade brauchen. Somit sagen sie, dass Jesus das Gesetz verkündigt hat, ganz im Gegensatz zu seinen eigenen Worten. Er sagt von sich selbst: „Und Armen wird das Evangelium gepredigt.“ Matth. 11, 5. „Denn das Gesetz ist durch Mose gegeben, die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden.“ Joh. 1, 16-17.