Jesus als Vorläufer
„So sollten wir durch zwei Stücke, die nicht wanken - denn es ist unmöglich, dass Gott lügt -, einen starken Trost haben, die wir unsere Zuflucht dazu genommen haben, festzuhalten an der angebotenen Hoffnung. An ihr haben wir einen sicheren und festen Anker unserer Seele, der hineinreicht bis in das Innere hinter den Vorhang. Dahin ist als Vorläufer für uns eingegangen Jesus, der ein Hohepriester geworden ist nach der Ordnung Melchisedeks.“ Kap. 6.
Hast du jemals von Jesus als Vorläufer gehört? Du hast wohl mehr davon gehört, dass er den Weg für dich gegangen ist? Aber wenn Jesus „Vorläufer“ genannt wird, dann muss er wohl auch einige Nachläufer haben, sonst ist das Ganze ja sinnlos. Den Weg durch den Vorhang hat er ja für uns bereitet, folglich sollen wir ihm nachlaufen. Und der Vorhang, haben wir gelesen, war sein Fleisch.
„Wir haben unsere Zuflucht dazu genommen, festzuhalten an der angebotenen Hoffnung.“ Was ist dann diese Hoffnung, die wir festhalten? Sie besteht darin, dass wir von der Sünde im Leibe freigemacht werden, und zwar so, dass keine Sünde mehr aus dem Leib herauskommt, sondern nur noch die Tugenden Christi, die Früchte des Geistes. Haben wir auf diesem Weg angefangen, dann werden wir nicht zuschanden werden, denn Jesus hat als „Menschensonn“ den Weg für uns bereitet. Dass er sich innerhalb des Vorhanges befindet, ist durch die Auferstehung von den Toten bewiesen. Deshalb ist diese Hoffnung fest verankert und es besteht kein Zweifel, dass es für diejenigen gelingt, die glauben und wahrhaftig sind.
Jesus ist „versucht allenthalben gleichwie wir, doch ohne Sünde“, Man kann auch sagen - ohne Versagen - ohne Nachgeben. „Darum lasset uns hinzutreten mit Freudigkeit zu dem Thron der Gnade, auf dass wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden auf die Zeit, wenn uns Hilfe not sein wird.“ Wenn er gesündigt hätte, wenn er in der Stunde der Versuchung nachgegeben und versagt hätte, dann könnten wir diese Freudigkeit, diese herrliche Hoffnung nicht haben, dass er uns Gnade geben kann, in der Versuchung ohne Nachgeben und Versagen zu stehen, also in allem zu überwinden.
Wenn das Leiden kommt, werden wir versucht. So war es auch bei Jesus. „Denn worin er selber gelitten hat und versucht ist, kann er denen helfen, die versucht werden.“ Das ist unsere Hoffnung, zu der wir Zuflucht genommen haben, und sie ist sicher und fest. Er, der unser Vorläufer ist, derselbe ist auch ein barmherziger Hohepriester und bittet für uns.
Wenn wir versucht werden, bekommen wir die Sünde zu sehen, die im Fleisch wohnt und dadurch eine Gelegenheit, sie zu töten. Deshalb schreibt Jakobus: „Erachtet es für lauter Freude, meine Brüder, wenn ihr in mancherlei Versuchungen geratet; ihr erkennt ja, dass die Bewährung eures Glaubens Geduld bewirkt.“ Viele denken, dass versucht zu werden das gleiche ist wie zu sündigen. Wie hätte er uns aber dann dazu ermahnen können, uns zu freuen? Ganz im Gegenteil! Wir, die wir an Sieg glauben, gewinnen in der Prüfung die Krone des Lebens, wie auch in Vers 12 steht: „Selig ist der Mann, der in der Versuchung aushält; denn nachdem er bewährt ist, wird er die Krone des Lebens empfangen, welche Gott verheißen hat denen, die ihn lieb haben.“
„Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so verführen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns.“ 1. Joh. 1, 8. Und in Kap. 3, 4-8 steht: „Wer Sünde tut, steht wider das Gesetz, und die Sünde ist die Übertretung des Gesetzes.“ Dann tun wir das, wovon wir wissen, dass es Sünde ist, wir fallen in der Versuchung. „Und ihr wisset, dass er ist erschienen, damit er die Sünden wegnehme, und ist keine Sünde in ihm.“
Wenn er nun sein Werk in uns tun kann, hören auch wir auf, Sünde zu tun. Es heißt ja im Anschluss: „Wer in ihm bleibt, der sündigt nicht; wer da sündigt, der hat ihn nicht gesehen noch erkannt.“ Das heißt, dass wer in ihm ist, hört auf damit, Sünde zu tun. Er kennt Jesus, unseren barmherzigen Hohepriester, der in der rechten Zeit Gnade zum Sieg gibt.
„Wer Sünde tut, der ist vom Teufel.“ Sünde „tun“ ist nicht das gleiche wie in Sünde fallen. Wir „tun“ niemals einen Fall, wenn wir laufen. Fallen wir, dann ist ein Unglück passiert. Wer Sünde tut, der liegt in der Sünde. Er ist vom Teufel. „Meine Kindlein, solches schreibe ich euch, auf dass ihr nicht sündigt. Und ob jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesus Christus, der gerecht ist. Und derselbe ist die Versöhnung für unsere Sünden.“ Aber es ist klar, dass derjenige, der nicht diesen Sinn hat, mit der Sünde aufhören zu wollen, sich nicht damit trösten kann, dass Jesus das Sühnopfer ist. Nein, er ist vom Teufel.
Wir verstehen hieraus, dass „Sünde haben“ - nicht das gleiche ist wie „Sünde tun“. Johannes widerspricht nicht sich selbst. Wenn ich sage, ich habe keine Sünde, ist dies das gleiche, als ob ich sagte: Ich habe kein Fleisch mit Lüsten und Begierden, ich kann nicht versucht werden, ich habe keinen Eigenwillen, der zu töten ist. - Dann bin ich ein Lügner und die Wahrheit ist nicht in mir.
Nun sagen viele, dass wir von außen versucht werden, und so gibt man den anderen die Schuld für die eigene Bosheit. Jakobus sagt: „Sondern ein jeglicher wird versucht, wenn er von seiner eigenen Lust gereizt und gelockt wird.“ Man hat nicht gesündigt, wenn man diese Lust tötet, die reizt und lockt. Aber wenn die Lust empfangen hat, so dass sie meinen Sinn gefangen hat, meinen Sinn besiegt hat, dann gebiert sie die Sünde; die Sünde aber, wenn sie die Vollreife erreicht hat, gebiert den Tod. Dann versucht man, seinen Fall zu verbergen, man kommt nicht ans Licht, so dass man gereinigt wird und die Sünde reift dann zum Tod heran.
„So gibt es nun keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind“, denn dann wandeln wir nicht nach dem Fleisch, sondern nach dem Geist; „Denn das Gesetz des Geistes, der da lebendig macht in Christus Jesus, hat mich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes.“
Es steht nicht geschrieben, dass Jesus in sündlichem Fleisch gekommen ist, nein, es heißt: „... in der Gestalt des sündlichen Fleisches und um der Sünde willen und verdammte die Sünde im Fleisch.“ Hätte Jesus nach dem Fleisch gelebt, hätte er der Lust im Fleisch gefolgt, dann hätte er ein sündliches Fleisch bekommen, aber ganz im Gegenteil. Gott gab ihm Licht und verdammte die Sünde im Fleisch. Jesus war hier treu in dem neuen Bund und opferte sich selbst durch den ewigen Geist. Das war der neue Tod, wodurch die Macht des Teufels zunichte gemacht wurde. Dadurch wurden keine Tieropfer mehr für die Sünde gebraucht. „Da hebt er das erste auf, damit er das andere einsetze“, nämlich mit seinem Leib Gottes Willen zu tun. In diesem Leib hatte Jesus seine Entwicklung, seine Ausbildung, und wurde der Vorläufer für uns, die wir „gleich sein sollten dem Ebenbilde seines Sohnes, auf dass derselbe der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern.“ Röm. 8, 28-29.
