Die enge und die weite Pforte
„Gehet ein durch die enge Pforte. Denn die Pforte ist weit, und der Weg ist breit, der zur Verdammnis führt, und ihrer sind viele, die darauf wandeln. Und die Pforte ist eng, und der Weg ist schmal, der zum Leben führt, und wenige sind ihrer, die ihn finden. Sehet euch aber vor, vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Kann man auch Trauben lesen von den Dornen oder Feigen von den Disteln? Also ein jeglicher guter Baum bringt gute Früchte; aber ein fauler Baum bringt arge Früchte. Ein guter Baum kann nicht arge Früchte bringen, und ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen. Ein jeglicher Baum, der nicht gute Früchte bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. Darum: an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.“ Matth. 7, 13-20.
Jesus gibt uns hier eine einfache und kräftige Unterweisung. Hier ist die Rede von zwei Pforten und zwei ganz verschiedenen Resultaten. Das allgemeine Verständnis ist, dass diejenigen, die sich gläubig nennen, durch die enge Pforte gegangen sind, und die Unbekehrten sind durch die weite Pforte gegangen. Dann müssen wir fragen: Sind diese zwei Gruppen überhaupt durch eine Pforte gegangen, und wann? Wenn man sich bekehrt, dann steht man diesen beiden Pforten gegenüber, und dort begegnen einem die wahren und die falschen Propheten. Sie verkündigen jeder seine Pforte und jeder seinen Weg. Diese beiden Pforten stehen dicht nebeneinander. „Welche ihre Schwelle an meine Schwelle und ihre Pfosten an meine Pfosten gesetzt haben, dass nur eine Wand zwischen mir und ihnen war; und haben also meinen heiligen Namen verunreinigt durch ihre Gräuel, die sie taten, darum ich sie auch in meinem Zorn verzehrt habe.“ Hes. 43, 8.
Wir sehen, dass es zu allen Zeiten so gewesen ist. Vor welchen zwei Pforten stehen diejenigen, die sich bekehren? Vor einer engen und einer weiten; durch die eine ist es schwer, hindurchzukommen, durch die andere leicht. Alle anderen sind überhaupt nicht zu einer Pforte gekommen. Die enge Pforte ist: „Niemand kann mein Jünger sein, wenn er nicht alles aufgibt, was er hat.“ Die breite ist: Er hat alles getan, wir sollen nichts tun. Er wurde für uns gekreuzigt, er hat für uns gelitten, er hat das Gesetz an unserer statt gehalten, er starb für uns, alles wird uns zugerechnet, wir sollen nichts tun.
Es ist offenbar, dass die meisten Menschen durch diese letzte Pforte gehen; eine große Menge der falschen Propheten zeigen ihnen den Weg durch die weite Pforte. Der Weg, den sie verkündigen, ist: Siehe auf Jesus, sein Blut bedeckt uns, in ihm sind wir vollkommen, Gott sieht uns durch das Blut als sündlos an usw. - Solche falschen Propheten haben kein göttliches Leben, und die Apostel haben gewaltig gegen sie gekämpft. Sie werden nicht gerade selten als Sünder entlarvt, als solche, die in Habsucht und Hurerei leben. 2. Kor. 2, 17 und 4, 2. „Aber hütet euch vor den falschen Propheten“, sagt Jesus. Sie haben ja Schafskleider an und reden so rührend von Jesus und der Gnade.
Zu leben heißt zu bauen. Man lebt weiter, ohne auf dem Felsen zu bauen. Zu leben ist auch, auf einem Weg zu gehen. Jesus lehrt uns, dass diejenigen, die durch die weite Pforte gehen, auf einen Weg kommen, der zum Verderben führt. Es entsteht kein neues Leben auf dem breiten Weg.
Jesus lehrt uns weiter, dass ein jeglicher Baum, der nicht gute Früchte trägt, abgehauen und auf das Feuer geworfen wird.
Dies stimmt auch mit dem überein, was Jesus uns lehrt über das Haus, das nicht auf Fels gebaut war; wenn der Sturm kam, fiel es und tat einen großen Fall.
Wir sehen, dass die weite Pforte und der breite Weg zum Verderben führen. Solchen Menschen bleibt nur die Möglichkeit, die alle Gottlosen haben, wenn Gott dazu Gnade gibt, dass sie um Vergebung für ihre Sünden beten, wie der Schächer am Kreuz; dass sie gerettet werden wie ein Brand aus dem Feuer. 1. Kor. 3, 10-15. Doch bekommen sie nicht Sündenvergebung, wenn sie nicht „von Herzen ihrem Bruder vergeben“, Matth. 6, 14-15 und 18, 35.
Jesus sagt: „Streitet, um durch die enge Pforte einzugehen! Denn viele, sage ich euch, werden versuchen hineinzukommen und vermögen es nicht.“ - Warum vermögen sie es nicht? Nein, sie wollen nicht tun, wie Jesus sagt: alles aufgeben, um Jünger zu werden. Sie versuchen, durch die Pforte zu kommen, ohne das zu tun. Sie versuchen, zum neuen Leben zu kommen, ohne Jünger zu werden. Das ist ganz unmöglich. Nur durch die Pforte - den neuen Bund kannst du auf den neuen und lebendigen Weg kommen durch den Vorhang, das ist sein Fleisch.
Wir lesen, was nötig ist, um auf diesem Weg anzufangen: „So lasset uns hinzutreten mit wahrhaftigem Herzen in der vollen Gewissheit des Glaubens, gereinigt an den Herzen von einem bösen Gewissen, gewaschen am Leibe mit reinem Wasser.“ Es ist nutzlos, anzufangen mit einem schlechten Gewissen. Die falschen Propheten sagen: Dein bisheriges Leben ist unter seinem Blut, damit darfst du dich nicht mehr befassen. - Wenn du aber um Sündenvergebung bittest, und bezahlst nicht zurück, was du veruntreut hast, oder andere Dinge, die in Ordnung gebracht werden können, dann kleben die Sünden an deinem Leib. Willst du anfangen auf dem neuen und lebendigen Weg, dann musst du auch „gewaschen sein am Leibe mit reinem Wasser.“ 1. Kor. 6, 18; Hes. 33, 14-16. Wenn du nicht wahr bist im Herzen, wirklich alles aufgegeben hast und dazu dein eigenes Leben hasst, dann kannst du auch nicht volle Gewissheit im Glauben haben. Das brauchst du aber, um anzufangen.
„Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer nicht zur Tür hineingeht in den Schafstall, sondern steigt anderswo hinein, der ist ein Dieb und Räuber.“ Joh. 10, 1-3.
Gott sei gedankt für die wahren Propheten! Kannst du den Unterschied hören? Wir haben gelesen, dass die falschen Propheten nicht verkündigen, dass Jesus ist Christus, im Fleisch gekommen. Hütet euch, sagt Jesus, vor den falschen Propheten!
Jesus schließt die Bergpredigt mit dem Gleichnis von den zwei Bauherren. Sie glichen sich darin, dass beide Jesu Worte hörten, und beide haben gebaut. Ungleich war, dass der eine „tief grub und legte den Grund auf den Fels“. Er fing nicht an zu bauen auf das alte Leben, wie der andere es tat. Er baute sein Haus auf die Erde, ohne Grund - Fundament. Das andere, was gleich war, ist, dass die Ströme an beiden Häusern rissen. Dann aber kam der Unterschied zum Vorschein. Das Haus, dass auf dem Felsen gegründet war, stand fest. Der Strom konnte es erschüttern. Das andere Haus dagegen stürzte sofort ein, es „tat einen großen Fall“. Luk. 6, 47-49.
Wir sehen, dass alles darauf ankommt, ob wir Gottes Wort tun oder nicht. Paulus, der auserwählt war, das Evangelium zu verkündigen, sagte es so: „… Durch ihn haben wir empfangen Gnade und Apostelamt, in seinem Namen den Gehorsam des Glaubens aufzurichten unter allen Heiden“. Röm. 1, 5. Unser ältester Bruder, Jesus, wurde gerade darin vollendet, Gehorsam zu lernen.
