Lass dir an meiner Gnade genügen!
Wir verstehen, dass Gnade nicht nur für die Vergebung unserer Sünden steht, sondern auch für die Hilfe, die wir von Gott erhalten können, um von der Sünde, die sich in unserer menschlichen Natur verbirgt, befreit zu werden. Zum Beispiel neigen wir von Natur aus dazu, überheblich zu werden und uns etwas darauf einzubilden, wenn uns Dinge gelingen. Es ist nicht immer so leicht, sich selbst zu sehen – zu erkennen, dass „das Böse einem anhängt“, obwohl man durch Gottes Gnade etwas Gutes tun konnte (Röm. 7,21).
Jesus will uns vollkommen von diesem Übel erretten (Hebr. 7,25 SLT)! Das kann er aber nur in dem Maße tun, wie wir die Wahrheit über uns selbst erkennen. Wenn wir uns verteidigen und uns hinter unseren „guten Absichten“ verstecken, ist es für ihn nicht so einfach, uns von all dem frei zu machen, was in unserer menschlichen Natur liegt. Das ist der Grund, warum es für einen Gerechten schwierig ist, errettet zu werden (1. Petr. 4,17–18).
Doch er kann errettet werden, wenn er lernt, Gottes Wege für sich zu verstehen. Petrus sagt, dass wir uns nicht über das Feuer wundern sollen, das uns widerfährt – das „unter euch kommt“, wie es in einer afrikanischen Übersetzung heißt (Vers 12). Das Feuer unter uns ist eine große Hilfe, damit wir uns selbst sehen und das Schlechte anerkennen, das in uns wohnt, nämlich in unserem Fleisch.
Paulus erfuhr das aus erster Hand. Er erlebte eine Feuerprobe in Form eines Engels Satans, der ihn schlug (2. Kor. 12,7–8). Wir wissen nicht, was es war – wahrscheinlich waren es nicht körperliche Schläge, aber es könnte sein, dass Paulus Empfindungen hatte, die für ihn sehr schmerzhaft waren. Zunächst konnte er den Grund dafür nicht verstehen. Aber nachdem er dreimal zu Jesus gebetet hatte, einzugreifen, gab Jesus ihm Licht über sich selbst und zeigte ihm seine Schwäche: wie leicht er sich erheben könnte, wenn er Offenbarungen empfing und von Gott als Werkzeug gebraucht wurde. Da wurde Paulus klar, wie sehr er diese „Schläge“ brauchte, um in seinen eigenen Augen ein Nichts zu werden!
Er demütigte sich so tief, dass ihm Gottes Gnade genügte – wenn er nur davor bewahrt bliebe, sich selbst zu erhöhen! Wenn wir bis aufs Blut leiden und von unserem Ego absterben, können uns die „Schläge“ nicht mehr schaden oder Schmerzen verursachen! Wir können vollkommen erlöst werden, sodass wir vollständige Ruhe in Gott finden. Dann werden wir uns, trotz Ehre und Anerkennung, nie mehr überheben, aber auch nicht mehr niedergeschlagen sein und Angst davor haben, verachtet oder verunglimpft zu werden (2. Kor. 6,1–10).
Paulus erkannte, dass er alles, was Gott ihm sandte, brauchte, um von diesem Übel errettet zu werden. Er demütigte sich tief unter Gottes gewaltige Hand, sodass Gottes Gnade mehr als genug für ihn war – so sehr, dass er „guten Mutes in Schwachheit, in Misshandlungen, in Nöten, in Verfolgungen und Ängsten um Christi willen“ war (2. Kor. 12,10). Die Kraft Christi wohnte in ihm! So wird es auch bei uns, wenn wir uns nur in allem, was uns auf dem Lebensweg begegnet, gründlich unter die gewaltige Hand Gottes demütigen.