Verborgene Schätze

„Erforsche mich … und leite mich auf ewigem Wege!“

November 2025

„Erforsche mich … und leite mich auf ewigem Wege!“

„Niemand wird geheiligt, ohne genau auf sich selbst Acht zu haben. Sich selbst im Licht des Geistes zu erforschen, bringt Erkenntnis über einen selbst und über Gott.“ So beginnt J. O. Smiths Artikel „Der Weg Gottes – Heiligung” aus dem Jahr 1929.

Wenn ich zu ihm hinwachsen will, der die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig in sich hat (Kol. 2,9), muss die Selbsterforschung im Licht des Geistes auch für mich Wirklichkeit werden. Oder wie Smith über Paulus schreibt: Ich lerne, mein Wesen, mich als Person, zu erforschen. Das bedeutet, dass ich Besonnenheit übe (Spr. 2,11), meine Wege bedenke (Ps. 119,59) und mich vom Heiligen Geist in aller Wahrheit leiten lasse (Joh. 14,26 und 16,13).

Der Geist schlägt nicht in die Luft; seine Urteile sind präzise, überzeugend und genau. Das ist selbstverständlich schmerzhaft. War ich wirklich so unbedacht? So unwissend? So unvernünftig? So blind? So dumm? Jede einzelne Handlung, jedes Wort und jeder Gedanke, den der Geist beleuchtet, ist ein kleiner Teil eines viel größeren Bildes – des Bildes meines fleischlichen „Ichs“, das schon immer da war, dessen ich mir bisher jedoch nicht bewusst gewesen bin. Aber jetzt wird es offenbar und ich habe „mein Leben gefunden“ (Mt. 10,39). Dieses Bild besteht aus den tief verwurzelten Neigungen, die mich prägen, beeinflussen und mich – gegen meinen Willen – dazu bringen, „auf menschliche Weise zu wandeln“ (1. Kor. 3,3). Je mehr ich mich dieser Selbsterforschung hingebe, desto mehr erlebe ich dasselbe wie Hiob: „Darum gebe ich auf und bereue in Staub und Asche.“ (Hiob 42,6)

Aber, wie Smith schrieb, die Erkenntnis über mich selbst ist nur das halbe Bild. Ich darf auch Gott kennen lernen. Im Judentum gibt es die sogenannten „Tefillin“: zwei Gebetsriemen, an denen jeweils eine Gebetskapsel befestigt ist. Sie enthalten Auszüge aus dem Gesetz. Sie sollten am Arm nahe dem Herzen und auf der Stirn befestigt werden – als Erinnerung daran, nicht vom Wort Gottes abzuweichen. Das gilt im übertragenen Sinne auch für mich heute. Denn nun schreibt der Geist Gottes sein Wort in mein Herz und meinen Sinn (Jer. 31,33; Heb. 10,16) – Worte, denen ich gehorsam sein muss, um meine Füße gemäß seinem Zeugnis auszurichten und mich zu beeilen, seine Gebote zu halten (Ps. 119,59–60). Das gilt besonders in den Bereichen, in denen der Geist meine Werke gerichtet hat. Es steht geschrieben: „Das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.“ (Joh. 1,1) Auf diese Weise lerne ich ihn kennen – indem ich nahe bei seinen Worten bleibe und seinem Wort gehorche.

Hier genügt es nicht, nur oberflächlich mit den Schultern zu zucken über meine Sünde und Torheit und zu sagen: „Das war nur ein Werk des Leibes“. Ganz im Gegenteil, ich muss darüber betrübt sein und ernsthaft an meiner Heiligung arbeiten! Ich bin mir der Sünde in meinem Fleisch bewusst geworden – also muss ich lernen, bewusst dem Wort zu gehorchen und besonnen zu wandeln, nicht wie ein Unvernünftiger, der in alten Bahnen verharrt, sondern wie ein Weiser, der durch Gehorsam dem Bild Jesu Christi gleichgestaltet wird!

Hier braucht es großen Eifer und Wachsamkeit, damit die Sünde, die zuvor unbewusst war, ans Licht kommt und in mein bewusstes Denken tritt. Als Jesus seine Feinde im Zorn niederschlug und seine Kleider mit ihrem Blut besudelte, wurde er von einem mächtigen inneren Eifer getrieben, die Sünde zu vernichten, die im Fleisch des Menschen wohnt (Jes. 63,3–6). Derselbe Geist muss in mir brennen, wenn ich die Lücke zwischen meinem Leben und dem Leben des Meisters an den Stellen schließen will, auf die der Geist mich jetzt hingewiesen hat.

Es ist ein unermessliches Privileg, vom Heiligen Geist geleitet zu werden und durch Gottes Gnade nach dem zu streben, was ich vom Leben Jesu noch nicht ergriffen habe (Phil. 3,12–14). Diese Gnade sollte ich nicht ungenutzt lassen, vielmehr sollte ich es lieben, auf mich selbst und auf die Lehre zu achten, die mächtig ist, meine Seele zu retten. Wenn wir darin eifrig sind, gehen wir auf dem Weg zur Ewigkeit und können frei und mutig wie David ausrufen:

„Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich’s meine. Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege.“ (Ps. 139,23–24)