ER oder ich?
Im Kopf des Menschen kreisen fast immer Gedanken. Für das irdische Leben hat Gott uns Menschen die Vernunft gegeben, damit wir unsere praktischen Aufgaben bewältigen können. Jesus interessiert sich jedoch für die Gedanken des Herzens, und deshalb fragte er: „Was denkt ihr in euren Herzen?“ (Lk. 5,22)
Es gibt es eigentlich nur zwei Denkweisen des Herzens: Gedanken, die sich um mich und meine Ehre drehen, oder Gedanken, die sich um Gott und seine Ehre drehen. Entweder ist mein Egoismus der Mittelpunkt meiner Herzensgedanken, oder Gott ist es. Entweder strebe ich nach meiner Ehre oder nach Gottes Ehre.
Man kann so viele Gedanken über Verhältnisse, über Menschen, Brüder und Schwestern pflegen. Es können große Gedankengebäude entstehen, die man selbst aufbaut. Man kann sich in ihnen verlieren. Der Bau solcher Gedankengebäude erfordert Energie, ist kompliziert, und man kann dabei leicht die Lebensfreude verlieren. Und vielleicht ist die Wahrheit ganz anders als die Konstruktion, die man sich in seinen Gedanken aufgebaut hat.
Wo liegt die Ursache? Sie liegt weder in den Umständen noch bei den Mitmenschen. Sie liegt darin, dass sich meine Herzensgedanken um mich selbst und meine Ehre drehen.
Gottes Wort hat keinen Zugang zu den Gedanken meines Herzens erhalten, wie es in Hebräer 4,12 heißt: „Denn das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und dringt durch, bis dass es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens.“
Der einfältige Glaube kann unter der Last der eigenen Gedankengebäude beinahe begraben werden. Deshalb stellt Jesus eine weitere Frage: „Wie könnt ihr glauben, die ihr Ehre voneinander annehmt, und die Ehre, die von dem alleinigen Gott ist, sucht ihr nicht?“ (Joh. 5,44) Hier geht es erneut um die Herzensgedanken: Suche ich die Ehre der Menschen – oder die Ehre des einzigen Gottes? Und wenn ich nur Gottes Ehre suche, kann ich den einfältigen Glauben in den verschiedenen Situationen des Lebens bewahren.
Wir erleben wohl manchmal Dinge im Leben, die schwer zu verstehen sind. Warum macht er das so? Warum hat sie das gesagt? Unser menschlicher Maßstab, unsere Vernunft, stößt an ihre Grenzen. Doch hier gibt es um eine himmlische Lösung für die Herzensgedanken, und diese liegt im Frieden Gottes: „Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, wird eure Herzen und Sinne bewahren in Christus Jesus.“
Mögen wir die Frage „Was denkt ihr in eurem Herzen?“ mit einem Zeugnis aus Philipper 4,8 beantworten können: „Ich denke an alles, was ehrbar ist, was gerecht, was rein, was liebenswert, was einen guten Ruf hat, sei es eine Tugend, sei es ein Lob.” Wenn wir wirklich so antworten können, drehen sich unsere Gedanken nicht um unser eigenes Ich. Dann sind wir in der Liebe Christi, die nicht das Ihre sucht, sondern die Ehre Gottes Ehre vor Augen hat.