Die Liebe sucht nicht das Ihre
Paulus schreibt in 1. Korinther 13 über die Liebe – jene Liebe, die größer ist als alles andere und die Basis für das Leben und Dienen im Reich Gottes. Gleichzeitig erinnert er uns daran, dass wir Menschen unterschiedliche Gnadengaben bekommen haben. Einige haben Weisheit bekommen, andere Glauben, wieder andere die Fähigkeit, zu helfen oder zu unterweisen. Das sind gute Gaben. Sie sind uns von Gott gegeben, damit wir einander und in der Gemeinde dienen können. Aber alle diese Gaben werden eines Tages ein Ende haben. Sie sind nur als Gerüst zu betrachten, während die Liebe niemals aufhört. Zum Schluss zählt nur, welche Fülle wir in unserem Geist gewonnen haben.
In 1. Korinther 13,4–8 lenkt Paulus unseren Blick auf etwas sehr Wichtiges: Die Liebe höret nimmer auf. Sie sucht nicht das Ihre! Sie erträgt alles und hofft alles, sie misst sich nicht mit anderen, sie wird nicht bitter, sie rechnet das Böse nicht zu und freut sich an der Wahrheit. Sie lehrt mich, dass es nicht darum geht, das Meine – also den eigenen Vorteil – zu suchen oder mich mit anderen zu vergleichen, sondern dankbar zu sein für das, was ich bekommen habe, und mich über das zu freuen, was Gott anderen gegeben hat. Ich kann gewiss sein in dem, was Gott mir anvertraut hat, und damit treu dienen. Wahre Liebe verändert meine Sicht auf andere Menschen total. Früher konnte ich vielleicht andere beschuldigen und denken, dass es mir besser gehen würde, wenn sie sich ändern würden . Jetzt kann ich, indem ich echte Liebe praktiziere, innerlich verwandelt werden und eine ganz neue Sichtweise entwickeln. Früher war ich völlig davon abhängig, bei anderen gut anzukommen, aber jetzt kann ich Gott dienen und zu voller Freiheit gelangen. Zu wirklicher Freiheit. Wenn das Vollkommene kommt, hat das Stückwerk ein Ende.
Das Gegenteil wäre es, eigennützig zu sein – das Meine zu suchen. Dann entstehen Probleme im Blick auf die Gaben und Dienste, die Gott den anderen anvertraut hat, im Vergleich zu dem, was ich von mir selbst halte. Ich kann die anderen plötzlich nicht mehr ertragen und bin neidisch auf sie, weil ich selbst zur Geltung kommen möchte. All das ist vom Bösen und erbaut niemals den Leib Christi.
Paulus sagt: „Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle.“ (1. Kor. 13,1). Ich kann die beeindruckendsten Fähigkeiten besitzen, aber ohne Liebe bleibt alles leer und ohne bleibenden Wert.
„Denn die Liebe Christi drängt uns, da wir erkannt haben, dass einer für alle gestorben ist und so alle gestorben sind. Und er ist darum für alle gestorben, damit die, die da leben, hinfort nicht sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben ist und auferweckt wurde.“ (2. Kor. 5,14–15)
Paulus ermahnt mich, in der Liebe Christi zu bleiben, denn es liegt in der Natur und im Wesen dieser Liebe, mich dazu zu drängen, nicht für mich selbst zu leben, sondern für den, der für mich gestorben und auferstanden ist. Für Eigennutz ist hier kein Platz. Diene ich in dieser Liebe, wird mein Dienst zum Segen für die Gemeinde und dazu beitragen, eine Schutzmauer gegen Unruhe und Spaltung zu errichten.