Verborgene Schätze

Der Weg nach unten

Oktober 2025

Der Weg nach unten

In Philipper 2 steht, dass Jesus es nicht für einen Raub hielt, Gott gleich zu sein, sondern dass er von sich aus darauf verzichtete und die Gestalt eines Dieners annahm und in Menschengestalt kam. Das ist wahrlich die größte Erniedrigung, die je stattgefunden hat. Aber es ist noch nicht alles. „... ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt. Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz.“ (Phil. 2,7–8)

Auf diesem Weg der Erniedrigung und des Gehorsams dachte er an uns, damit ein neuer Weg gebahnt würde – der Weg zurück zu Gott – und damit wir an der göttlichen Natur teilhaben könnten. Gott will seine Natur mit uns teilen, doch seine Ehre teilt er mit niemandem. Es gibt genügend deutliche Beispiele dafür. „Und an einem festgesetzten Tag legte Herodes das königliche Gewand an, setzte sich auf den Thron und hielt eine Rede an sie. Das Volk aber rief ihm zu: Das ist Gottes Stimme, nicht die eines Menschen! Alsbald schlug ihn der Engel des Herrn, weil er Gott nicht die Ehre gab. Und von Würmern zerfressen gab er den Geist auf.“ (Apg. 12,21–23)

Ein ähnliches Beispiel findet sich bei Nebukadnezar in Daniel 4: „Nach zwölf Monaten, als der König auf dem Dach des königlichen Palastes in Babel sich erging, hob er an und sprach: ‚Das ist das große Babel, das ich erbaut habe zur Königsstadt durch meine große Macht, zu Ehren meiner Herrlichkeit.‘ Ehe noch der König diese Worte ausgeredet hatte, kam eine Stimme vom Himmel: ‚Dir, König Nebukadnezar, wird gesagt: Dein Königreich ist dir genommen, man wird dich aus der Gemeinschaft der Menschen verstoßen, und du sollst bei den Tieren des Feldes bleiben; Kraut wird man dich fressen lassen wie die Rinder und sieben Zeiten sollen hingehen, bis du erkennst, dass der Höchste Gewalt hat über die Königreiche der Menschen und sie gibt, wem er will.‘“ (Dan. 4,26–29)

Gott kann sich mit Stolz nicht vereinen. „Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.“ (Jak. 4,6 und 1. Pet. 5,5)

Nur wer von Herzen demütig ist, bekommt Gnade. Überleg einmal, was für eine unermessliche Gnade uns geschenkt wurde. „Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.“ (Röm. 5,8) Es gab keinen gebahnten Weg, aber jetzt ist der Weg offen, sodass ich von allem, was mich beschwert, und von der Sünde, die so an mir klebt, loskommen kann. Das Einzige, was angemessen ist, ist, aus tiefstem Herzen anzuerkennen, dass es ganz gerecht ist, dass alle Ehre Gott allein gehört. Und das, weil ich Gottes Gnade und Kraft in meinem Leben brauche. Niemand kann sich aus eigener Kraft verwandeln. Alles, was von mir kommt, ist unbrauchbar. In dem Maß, wie ich demütig bin, schreitet auch meine Erlösung voran, oder – anders gesagt – in dem Maße, wie ich die Wahrheit über mich selbst erkennen kann. Auf diesem Weg lerne ich auch, nicht nur Unrecht zu erleiden, sondern dies mit Freude zu tun. Dann kann ich meinem Bruder von Herzen vergeben, weil mir selbst vergeben wurde.

Möge Gott uns Gnade schenken, dass wir immer auf dem Weg nach unten sind. Dem Weg zur Erkenntnis und zur Wahrheit über uns selbst. Nur auf diesem Weg gibt es wahre Befreiung von der Sünde und Fortschritt in den Tugenden Christi. Dann wird auch das Wort aus Offenbarung 4,11 in unserem innersten Herzen klingen: „Herr, unser Gott, du bist würdig, zu nehmen Preis und Ehre und Kraft.“