Lass den Weingärtner das Messer gebrauchen!
„Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner. Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg, und eine jede, die Frucht bringt, reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe.“ (Joh. 15,1–2)
Das wissen wir sehr gut, wir hören davon in fast allen unseren Versammlungen und Zusammenkünften, wir singen „Beug mich, bild‘ mich!” wir wollen mehr Früchte tragen. Wir haben oft das Gefühl, dass die Frucht, die wir tragen, zu wenig sind, dass wir uns eigentlich reinigen müssen, um viel mehr Frucht tragen zu können. Deshalb sollten wir sehr dankbar sein, wenn der Winzer eingreift, um uns zu reinigen. Es sollte eigentlich selbstverständlich sein, dass dies nur etwas Positives ist – nur ein Gewinn für mich.
Aber die Bibel gibt viele eindringliche Ermahnungen, die deutlich zeigen, dass es für uns nicht selbstverständlich ist, die Behandlung des Herrn so anzunehmen. „Mein Sohn, achte nicht gering die Zucht des Herrn und verzage nicht, wenn du von ihm gestraft/zurechtgewiesen wirst. Denn wen der Herr lieb hat, den züchtigt er. [...] Denn jene haben uns gezüchtigt wenige Tage nach ihrem Gutdünken, dieser aber tut es zu unserem Besten, auf dass wir an seiner Heiligkeit Anteil erlangen.“ (Heb. 12,5–11). „Ihr Lieben, lasst euch durch das Feuer nicht befremden, das euch widerfährt zu eurer Versuchung, als widerführe euch etwas Fremdes.“ (1. Pet. 4,12)
Warum ist das so schwierig? Das könnte daran liegen, dass der Winzer selbst das Messer aussucht, das er benutzen will, und dagegen sträubt sich meine Menschennatur. Hätte Gott selbst in einer Vision direkt vom Himmel zu mir gesprochen, hätte ich wohl demütig und still seine Züchtigung angenommen. Hätte er einen Ältesten Bruder in Geist und Wahrheit, einen Apostel, geschickt, um auf das hinzuweisen, was gereinigt werden muss, hätte ich das wohl auch angenommen. Aber er benutzt meistens ganz andere Messer. Das kann in der Familie geschehen – der Ehepartner oder die Kinder nehmen an etwas Anstoß, vielleicht sogar unbekehrte Kinder, die mit festen Überzeugungen, aber wenig Einsicht auftreten. Das kann auch in der Gesellschaft geschehen – unter den Menschen und in den Situationen, denen wir im täglichen Leben begegnen. Das kann auch mitten in der Bruderschaft sein – vielleicht eine Reaktion von einem Bruder oder einer Schwester, die in manchen Fällen besser zunächst auf den Balken im eigenen Auge hätte sehen sollen. Die Messer sind unterschiedlich. Aber ist nicht das Entscheidende für mich, was der Winzer in mir reinigen will, indem er genau dieses Messer benutzt? Will der Herr mich nicht gerade in dieser Situation etwas lehren?
„Lass Gott beschneiden alle deine Triebe, so trägst du neue edle Früchte bald und bringst zum Fest zerstoßene Oliven, die Kanne wird gefüllt mit Öl so rein.“ (Liederbuch WdH 342) Das ist der Weg, um mehr Früchte zu tragen und in unserem Leben und Dienst gesalbt zu werden.