Gottes Sohn aus dem Geschlecht Davids
„Paulus, ein Knecht Christi Jesu, berufen zum Apostel, ausgesondert zu predigen das Evangelium Gottes, das er zuvor verheißen hat durch seine Propheten in der Heiligen Schrift, von seinem Sohn, der geboren ist aus dem Geschlecht Davids nach dem Fleisch.“ (Röm. 1,1-3)
Die Autorität, die aus den Briefen des Paulus spricht, lag nicht darin begründet, dass er die meiste Erkenntnis besaß oder in einer besonders herausgehobenen Position war. Seine Autorität gründete sich vielmehr darauf, dass er ein Knecht Jesu Christi war, der sich ganz dem Evangelium Gottes verschrieben hatte. Als Paulus Jesus auf dem Weg nach Damaskus zum ersten Mal begegnete, war seine erste Frage: „Herr, wer bist du?“ (Apg. 9,5). Er merkte sofort, dass er jetzt einen neuen Herrn – einen neuen Chef – hatte und wollte wissen, wer er war. Nachdem er begonnen hatte, Christus zu dienen und ihm sein ganzes Leben zu widmen, wurde die Antwort auf diese Frage immer klarer. Als er schließlich seinen Brief an die Römer schrieb, konnte er mit voller und unerschütterlicher Gewissheit sagen: „Gottes Sohn, der geboren ist aus dem Geschlecht Davids nach dem Fleisch“.
Während Paulus Christus diente und ihn kennenlernte, lernte er zugleich auch sich selbst kennen. Wohl recht bald kam er dann zu der Erkenntnis aus Römer 7,18: „Denn ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt. Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht.“ Es gibt keinen einzigen Menschen in der Welt, der nicht die gleiche Erfahrung macht, wenn er das Gute tun will.
Als Jesus das Fleisch Davids annahm, war es ebendies Fleisch, in dem nichts Gutes wohnt. Aus diesem Fleisch entspringt alles Böse, das in der Welt geschieht. Jesus trug die Sünden der ganzen Welt an seinem Leibe, und genau dort fand das Werk des Heils statt. Dort begann Jesus als der Allererste zu opfern; er brachte den ganzen Egoismus der Menschheit als Opfer dar, er trug alles hinauf an das Kreuz und ließ es sterben. Es gibt also keine einzige Sünde, die nicht durch Jesu Tod am Kreuz gesühnt worden wäre. Auf diese Weise nahm er auch demjenigen die Macht, der die Gewalt über den Tod hatte, nämlich dem Teufel. Die Tatsache, dass Jesus aus dem Samen Davids stammte, dass er das gleiche Fleisch hatte wie wir, ist daher von entscheidender Bedeutung für unser eigenes Heil.
In Römer 8,12-13 steht geschrieben: „So sind wir nun, liebe Brüder und Schwestern, nicht dem Fleisch schuldig, dass wir nach dem Fleisch leben. Denn wenn ihr nach dem Fleisch lebt, so werdet ihr sterben müssen; wenn ihr aber durch den Geist die Taten des Leibes tötet, so werdet ihr leben.“ Wer als guter Bürger gelten will, legt den Begierden seines Fleisches Zügel an, aber die Forderungen des Fleisches bleiben weiterhin aktiv; kein Mensch kann ihnen vollständig entgehen. Insgeheim erlaubt man sich dann doch, das zu genießen, wozu einen die Lüste und Begierden hinziehen. Indes hielt sich Jesus, obwohl er das Fleisch Davids hatte, vollkommen rein davon. Er lebte vor Gott, getrieben vom Geist, und jedes Mal, wenn das Fleisch seine Forderungen stellte, brachte er sie ans Kreuz. Deshalb sind wir dem Fleisch nichts schuldig, denn Jesus hat es in den Tod gebracht, und durch ihn haben wir den Zugang zu einem Leben nach dem Geist, wir werden getrieben von Gottes Geist. Das ist das Wort des Glaubens, das wir verkündigen. Das ist das Werk Gottes in Jesus Christus.
Das Evangelium Gottes, dem sich Paulus verschrieben hatte, ist also das Evangelium dessen, der in der Lage ist, uns von aller Sünde, die durch den Sündenfall ins Fleisch gekommen ist, zu befreien. Durch dieses Evangelium – durch die Worte, die aus dem Mund des Herrn gehen – werden wir leben; nicht nur hören, sondern ausführen und ausleben! „Was nennt ihr mich aber Herr, Herr, und tut nicht, was ich euch sage?“, fragte Jesus (Luk. 6,46). Die Lebenskraft der Worte Jesu trat in seinem menschlichen Leben zutage. Folglich kann auch jeder Mensch, der ihn als Herrn – als Chef – annimmt und tut, was er sagt, auch die gleiche göttliche, siegreiche Lebenskraft erfahren.
Von Jesus steht geschrieben, dass er bereits in jungen Jahren an Weisheit und Alter bei Gott und den Menschen zunahm. Es geschah also ein Wachstum an Weisheit. Niemals sündigte er, dennoch musste er Gehorsam lernen. Als Mensch, der ins Fleisch Davids gekommen war, hatte er einen Willen, der dem Willen Gottes entgegenstand, doch er entschied sich ausnahmslos jedes Mal dafür, Gottes Willen zu gehorchen.
Römer 1,4: „Der eingesetzt ist als Sohn Gottes in Kraft nach dem Geist, der da heiligt, durch die Auferstehung von den Toten – Jesus Christus, unserm Herrn.“ Die Auferstehung Jesu von den Toten beweist, dass all das, was im Fleisch wohnt und die Menschen treibt, vollständig getötet worden war, Es wurde nicht unterdrückt, es wurde zu Tode gebracht. Als er dort am Kreuz verschied, war alles Böse ganz und gar ausgemerzt. Deshalb konnte er von den Toten auferstehen.
Jesus Christus ist indes nicht unser erhabener Heiliger, er ist vielmehr unser erster Bruder, unser Vorläufer, der mit allem wohlvertraut ist, was immer auch aus unserem Fleisch kommen mag. Er ist es, der alles ans Kreuz hinauftrug, er ist es, der gestorben und auferstanden ist. Jetzt ertönt der Aufruf, durch den einen Geist zu einem Leibe getauft zu werden, um Teil seines Leibes zu werden, indem wir denselben Weg gehen. Wir haben Anteil an seinen Trübsalen, seinem Tod, aber auch an seiner Auferstehung. Welch eine herrliche, göttliche Berufung!