Über die Aufgaben eines Verantwortlichen
Beim Lesen des Hebräerbriefes merken wir deutlich, dass es dem Apostel eine Not ist, dass die Gläubigen aufgehört hatten, geistlich zu wachsen. „Gedenkt aber der früheren Tage, an denen ihr, nachdem ihr erleuchtet wart, erduldet habt einen großen Kampf des Leidens.” Hebr. 10, 32. Es war also nicht mehr so! Der Apostel ermahnt sie und erinnert sie auf verschiedene Art und Weise an diese ernste Tatsache: ihr Wachstum war zum Stillstand gekommen!
„Darüber hätten wir noch viel zu sagen; aber es ist schwer, weil ihr so harthörig geworden seid. Und ihr, die ihr längst Lehrer sein solltet, habt es wieder nötig, dass man euch die Anfangsgründe der göttlichen Worte lehre, und dass man euch Milch gebe und nicht feste Speise. Denn wem man noch Milch geben muss, der ist unerfahren in dem Wort der Gerechtigkeit, denn er ist ein kleines Kind. Feste Speise aber ist für die Vollkommenen, die durch den Gebrauch geübte Sinne haben und Gutes und Böses unterscheiden können.” Hebr. 5, 11-14.
Auch heute reden diese Worte mit demselben Ernst zu uns. Vor allem sollten diejenigen Brüder, die in ihren Heimatgemeinden Verantwortung tragen, sich selbst fragen: Wie steht es mit Wachstum und Entwicklung in meinem persönlichen Leben? Wie steht es mit meiner Liebe zu Christus? Werde ich nur tüchtiger zu leiten, oder werde ich auch tüchtiger zu leben? Habe ich Nahrung aus Gottes Heiligtum zu geben? Spricht der Geist der Offenbarung aus meinen Worten oder nur menschliches Gedankengut ohne Kraft und ohne die Fähigkeit, den lauteren Sinn zu wecken? Kommen die Menschen, denen ich diene, durch meinen Dienst zum Glauben an die Kraft Gottes? Geschieht eine persönliche Verwandlung in mir?
Diese Fragen sollte sich ja jeder Gläubige stellen, aber es ruht ein besonderer Ernst auf den Brüdern, die mit dem Wort Gottes dienen. Durch Wachstum im Guten – durch Heiligung – wird es ständig leichter, unseren Dienst anzunehmen. Das Ganze wird gesegneter und gesalbter.
„Als nun Mose sah, dass das Volk zuchtlos geworden war – denn Aaron hatte sie zuchtlos werden lassen zum Gespött ihrer Widersacher.” 2. Mose 32, 25. „Wo keine Offenbarung ist, wird das Volk wild und wüst; aber wohl dem, der auf die Weisung achtet!” Spr. 29, 18. Ohne Offenbarungen des Geistes haben wir keine Kraft, die Gemeinde zu bauen und sie im richtigen Verhältnis gegenüber Gott zu bewahren. Alle Anschläge Satans müssen entlarvt werden, damit niemand durch eine verlockende Rede über einen leichteren Weg verführt wird. In der Gemeinschaft der Heiligen liebt man nur die Freiheit, zu der sich Christi Geist bekennt, und man pflegt die gute Atmosphäre nicht um der guten Atmosphäre willen. Die gute Atmosphäre und die Freiheit, die durch das Kreuz entstehen, lieben und pflegen wir, weil diese rein sind. Die falsche Freiheit hat niemals jemandem zu Wachstum und Entwicklung in Christus verholfen, sondern ganz im Gegenteil der Sünde und dem Verderben Tür und Tor geöffnet. Der Prophet hat ein wachsames Auge für diesen Betrug und verkündigt mit Kraft das Wort vom Kreuz als ein Licht und eine Leuchte für die Herzen der wahren Jünger.
„So weidete ich denn die Schlachtschafe für die Schafhändler der Schafe und nahm mir dort zwei Hirtenstäbe; den einen nannte ich „Freundlichkeit”, den anderen nannte ich „Verbindung”.” Sach. 11, 7 (Elberfelder Übers.). Jeder wahre Hirte sollte diese beiden Stäbe haben. Damit kann man die Schafe zu den guten Weidegründen führen und ihnen Nahrung geben. Das Ganze wirkt dann stärkend und sammelnd. Der eine Stab bewirkt einen ständigen Unterstrom von Freundlichkeit und Güte, so dass sich die Schafe geliebt und wertgeschätzt fühlen. Sie bekommen Glauben an ihre Aufgabe und nehmen ihre Berufung als ein Glied an Christi Leib wahr. Die Güte treibt sie zur Bekehrung, und sie kommen zu Wachstum und Entwicklung.
Der andere Stab – Verbindung – bindet die Herzen zusammen. Er sorgt dafür, dass keine Spaltungen, keine Parteien entstehen, und man lernt, das Böse zu verabscheuen und am Guten festzuhalten. „Ich will euch nämlich wissen lassen, welchen Kampf ich um euch führe und um die in Laodizea und um alle, die mich nicht von Angesicht gesehen haben, damit ihre Herzen gestärkt und zusammengefügt werden in der Liebe und zu allem Reichtum an Gewissheit und Verständnis, zu erkennen das Geheimnis Gottes, das Christus ist, in welchem verborgen liegen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis.” Kol. 2, 1-3.
Unsere Reden und Zeugnisse müssen davon geprägt sein, dass wir ein Ziel und eine Vision für Jesu Gemeinde haben. Alles soll zur Entrückung hinführen. „Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch Christus die Gemeinde geliebt hat und hat sich selbst für sie dahingegeben, um sie zu heiligen. Er hat sie gereinigt durch das Wasserbad im Wort, damit er sie vor sich stelle als eine Gemeinde, die herrlich sei und keinen Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe, sondern die heilig und untadelig sei.” Eph. 5, 25-27. Auf die gleiche Weise arbeiten Gottes Mitarbeiter heute. Das Ziel ist hoch, aber es wird durch unbeirrbare Treue gegenüber unserem Herrn und Meister erreicht! Wenn das Wort ausgelegt wird, soll es daher eine solche Wirkung haben, dass das Leben für die Menschen hell wird. Lieber Bruder, liebe Schwester, denke darüber nach, ob dein Dienst so wirkt!
Wenn wir in Johan O. Smiths Briefen lesen, sehen wir deutlich, wie Smith eingehend darüber nachsann, was der Apostel mit dem meinte, was er schrieb. Man braucht etwas Zeit, um zu einer klaren Erkenntnis Gottes durchzudringen. Deshalb ermahnt Paulus uns auch, das unsere Sorge sein zu lassen und uns damit zu beschäftigen, damit unser Fortschreiten allen offenbar werde. Es ist auch gut, sich in seiner Jugend Zeit zu nehmen, über das nachzudenken und in dem zu leben, was die Brüder geschrieben haben. Dann kommt man zum Licht des Lebens und wird froh in seinem Herzen. Johan O. Smith wollte gerne auf die Einnahmen verzichten, die er durch das Erteilen von Nachhilfeunterricht in Norwegisch hätte bekommen können, um mehr Zeit dafür zu haben, in den Schriften zu forschen. Denk, wie dankbar und froh wir heute sein können, dass er dies getan hat! Auch Paulus achtete die Erkenntnis Gottes so hoch, dass alles andere für ihn nur Kleinigkeiten waren. Er sah die Möglichkeit, dass er durch diese Erkenntnis selbst zum Leben Christi und zur Verwandlung kommen konnte. Wir müssen Gott für diese Erkenntnis preisen, die dazu führt, dass wir zu Wachstum und Entwicklung kommen können. Wir erfahren Reinigung im Blut Christi und können dem lebendigen Gott dienen.
Gott hat die Verantwortung für die Gemeinde, und deshalb setzt er selbst zum Dienst in der Gemeinde ein. „Und Gott hat in der Gemeinde eingesetzt erstens Apostel, zweitens Propheten, drittens Lehrer, dann Wundertäter, dann Gaben, gesund zu machen, zu helfen, zu leiten und mancherlei Zungenrede.” 1. Kor. 12, 28 und Eph. 4, 11. Er redet auch zu seinen Dienern und Propheten über solche Dinge. In einer Gemeinde Älteste einzusetzen ist ein apostolischer Dienst. Es ist deshalb auch nicht der leitende Bruder am Heimatort, der diese Aufgabe hat. Viele wollen wohl die Ehre einer Stellung oder Position in der Gemeinde haben, aber sie scheuen die Mühe, die diese Arbeit mit sich bringt. Dann ist man für eine solche Aufgabe auch nicht brauchbar und geeignet.
Alles in der Gemeinde ist auf der Offenbarung: „Christus offenbart im Fleisch” aufgebaut. Wenn man ihn nicht sieht, der im Fleisch offenbart ist, entwickelt man sich durch seine Gnadengaben zum Unterhaltungsclown. Solche sollen unter uns keinen Raum bekommen. Wir müssen dem Glauben, der Demut und der Güte nacheifern, von der auch unsere Brüder erfüllt waren. Sie verdienen unseren tiefsten Respekt. Das müssen wir auch unseren Kindern vermitteln. Es ist schwer zu beschreiben, wie die ersten „Pfeiler” in der Gemeinde unserer Zeit sich selbst erniedrigt und gedemütigt haben, um uns zu dienen. Sie gehören zu den Vätern in Christus und es gebührt sich, sie auch als solche zu ehren. Sie arbeiteten zu ihrer Zeit mit einer enormen Schmach über sich. Wir bauen weiter in unserer Zeit mit der gleichen Gottesfurcht und Treue gegenüber Christus. Die Verkündigung in der Gemeinde, die das Ganze vorwärts treibt, muss eine Verkündigung aus Gottes Heiligtum heraus sein. Diejenigen, die Gottes Gedanken für seine Gemeinde hören und vermitteln können, sind wertvoller als kostbares Gold. Alles in der Gemeinde muss in einem Geist geschehen, der den Vater groß macht und gleichzeitig vor unseren Vätern in Christus großen Respekt hat.
Es ist sehr dumm und unpassend, sich auf Kosten der Brüder, die unter uns leben, lustig zu machen. Bewahre den Respekt anderen gegenüber. Achte die andern höher als dich selbst. Habe Respekt vor den Gedanken und Wünschen deiner Mitbrüder, auch wenn es nicht immer leicht ist, ihre Wünsche zu erfüllen.
„Weiter liebe Brüder; was wahrhaftig ist, was ehrbar, was gerecht, was rein, was liebenswert, was einen guten Ruf hat, sei es eine Tugend, sei es ein Lob – darauf seid bedacht!” Phil. 4, 8. Rede auch darüber! Dann bekommt Satan niemals Macht, und Gott wird mit uns sein. Rede über das, was die Gottesfurcht und den Glauben stärkt, über das, was verbindet und erbaut. Wir alle brauchen ab und zu eine Ermahnung, um den rechten Kurs zu halten.
Es ist sehr lohnend, sich zu den Niedrigen zu halten. Wir brauchen nicht in dieser Welt zu glänzen. Gottes Gnade und Hilfe sind größer als aller Widerstand. Wir richten unsere Aufmerksamkeit auf das, was wir tun sollen, auf die Lebensgesetze, die für die Gemeinde gelten. Es gibt viele tüchtige Menschen unter uns, die in diesem Geist leben, der sich gerne zu den Geringen hält. Misch dich nicht in die Berufung, die Ausbildung und die Stellung anderer ein. Manche sind als Reiche zum Glauben gekommen. Lass sie das ruhig sein! Sie müssen selbst davon erlöst werden, dass sie etwas besitzen und Haushalter werden. Die Gemeinde ist keine Sozialdemokratie. Sei damit zufrieden, wie Gott es bei dir gemacht hat. Das Große am Evangelium ist, dass man Gott innerhalb der eigenen Grenzen und innerhalb der persönlichen Lebensverhältnisse, die Gott für einen gemacht hat, finden kann. Wenn man ihn innerhalb der eigenen Grenzen findet, wird man glücklich.
