Hirte und Prophet

- Die Gemeinde – ein Werk Gottes

Hirte und Prophet

Die Gemeinde – ein Werk Gottes

Die Gemeinde – Christi Leib – ist ein Werk Gottes. Paulus bekam diese Offenbarung persönlich von Gott und dies brachte große Ehrfurcht, Respekt und Demut in sein Herz. Daher schreibt er in diesem Zusammenhang von der Gnade Gottes, die ihm gegeben ward und dass Gott ihm das Geheimnis durch Offenbarung kundgemacht hatte. Auch die Gemeinde als Christi Leib ist ein großes Geheimnis der Gottesfurcht. Geheimnisse können ja verraten und wei­tererzählt werden, aber dieses Geheimnis muss den einzelnen Gläubigen offenbart werden, wenn es zu wahrer Hilfe werden soll, ja wenn es verwandelnd und revolutionierend auf das weitere Leben und den weiteren Dienst im Rei­che Gottes wirken soll. Als Paulus dieses Geheimnis offenbart wurde, ver­langte ihn danach, Gottes Größe und Weisheit anzubeten und zu bewundern.

„Deshalb sage ich, Paulus, der Gefangene Christi Jesu für euch Heiden - ihr habt ja gehört, welches Amt die Gnade Gottes mir für euch gegeben hat: Durch Offenbarung ist mir das Geheimnis kundgemacht worden, wie ich eben aufs kürzeste geschrieben habe. Daran könnt ihr, wenn ihr’s lest, meine Einsicht in das Geheimnis Christi erkennen. Dies war in früheren Zeiten den Menschen­kindern nicht kundgemacht, wie es jetzt offenbart ist seinen heiligen Aposteln und Propheten durch den Geist; nämlich dass die Heiden Miterben sind und mit zu seinem Leib gehören und Mitgenossen der Verheißung in Christus Jesus sind durch das Evangelium, dessen Diener ich geworden bin durch die Gabe der Gnade Gottes, die mir nach seiner mächtigen Kraft gegeben ist. Mir, dem allergeringsten unter allen Heiligen, ist die Gnade gegeben worden, den Hei­den zu verkündigen den unausforschlichen Reichtum Christi und für alle ans Licht zu bringen, wie Gott seinen geheimen Ratschluss ausführt, der von Ewigkeit her verborgen war in ihm, der alles geschaffen hat; damit jetzt kund­werde die mannigfaltige Weisheit Gottes den Mächten und Gewalten im Him­mel durch die Gemeinde. Diesen ewigen Vorsatz hat Gott ausgeführt in Chris­tus Jesus, unserm Herrn.” Eph. 3, 1-11.

Dieses Geheimnis, von dem Paulus aufs kürzeste geschrieben hatte, handelte von dem Werk, das in Jesus geschah in den Tagen seines Fleisches. Er ließ das verzehrende Feuer in sich aufräumen und, erfüllt von Heiligem Geist und Feu­er, besiegte er das Fleisch mit seinen Lüsten und Begierden. Diesen selben Geist, in dem er das Fleisch besiegte, sandte er zu Pfingsten wieder auf die Erde zu­rück und in diesem Geist haben nun sowohl die Juden als auch die Heiden Zugang zum Vater. Wir, die wir Heiden sind nach dem Fleisch, waren ja ohne Hoffnung und ohne Gott in dieser Welt. Durch das Werk, das Jesus tat, bekamen wir eine ganz neue Hoffnung. Wir können neue Menschen werden! Niemand muss mehr versuchen, an dem Alten herum zu flicken! Wir können ein ganz neuer Mensch werden in Gerechtigkeit, Güte, Barmherzigkeit – ja, in allen Tu­genden Christi. Gottes Fülle kann in unseren Leibern Wohnung nehmen. Dies gibt uns eine überaus große Hoffnung.

„Darum denkt daran, … dass ihr zu jener Zeit ohne Christus wart, ausgeschlos­sen vom Bürgerrecht Israels und Fremde außerhalb des Bundes der Verheißung; daher hattet ihr keine Hoffnung und wart ohne Gott in der Welt. Jetzt aber in Christus Jesus seid ihr, die ihr einst Ferne wart, Nahe geworden durch das Blut Christi. Denn er ist unser Friede, der aus beiden eines gemacht hat und den Zaun abgebrochen hat, der dazwischen war, nämlich die Feindschaft. Durch das Opfer seines Leibes hat er abgetan das Gesetz mit seinen Geboten und Satzungen, damit er in sich selber aus den zweien einen neuen Menschen schaffe und Frieden ma­che und die beiden versöhne mit Gott in einem Leib durch das Kreuz, indem er die Feindschaft tötete durch sich selbst. Und er ist gekommen und hat im Evangelium Frieden verkündigt euch, die ihr fern wart, und Frieden denen, die nahe waren. Denn durch ihn haben wir alle beide in einem Geist den Zugang zum Vater. So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen, erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist, auf welchem der ganze Bau ineinandergefügt wächst zu einem heiligen Tempel in dem Herrn. Durch ihn werdet auch ihr miterbaut zu einer Wohnung Gottes im Geist.” Eph. 2, 12-22.

Jesus freute sich sehr, als er bemerkte, dass Petrus diese Offenbarung bekom­men hatte. Es gab wohl viele Gedanken darüber, wer der Meister war und worin eigentlich sein Werk hier auf Erden bestand. Das blieb auch Jesus nicht verbor­gen und gerade deshalb fragte er seine Jünger: „Wer sagen die Leute, dass der Menschensohn sei? Sie sprachen: Einige sagen, du seist Johannes der Täufer, andere, du seist Elia, wieder andere, du seist Jeremia oder einer der Propheten. Er fragte sie: Wer sagt denn ihr, dass ich sei? Da antwortete Simon Petrus und sprach: Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn! Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Selig bist du, Simon, Jonas Sohn; denn Fleisch und Blut haben dir das nicht offenbart, sondern mein Vater im Himmel. Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen. Ich will dir die Schlüs­sel des Himmelreichs geben: alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein. Da gebot er seinen Jüngern, niemandem zu sagen, dass er der Christus sei.” Matth. 16, 13-20.

Auch du und ich sind dazu berufen, in dieser Gemeinde zu leben, zu arbeiten, zu wachsen und uns zu entwickeln. Hier werden wir miteinander gestärkt durch den gegenseitigen Dienst der Glieder. An diesem Leibe sind keine Glieder un­nütz oder überflüssig. Alle diejenigen, die treu gegenüber den Wirkungen des Heiligen Geistes sind und das ausführen, was er in ihrem Inneren redet, werden sich als ein Gefäß zu Gottes Ehre entwickeln, ein Gefäß, das geheiligt, für den Hausherrn brauchbar und zu allem guten Werk bereitet ist. 2. Tim. 2, 20-21.

Es besteht ein wesentlicher Unterschied zwischen der Funktion und Entwick­lung des Leibes Christi und einer menschlich-religiösen Organisation. Der Leib wächst auf Grund der persönlichen Treue des einzelnen Gliedes und seiner Ver­bindung zum Haupt und wird durch die Gelenke, durch die ein Glied am andern hängt, zusammengefügt. Jedes Glied muss in seinem Inneren auf die Stimme des Hirten hören und durch Treue an dem Platz heranwachsen, wo Gott es ge­pflanzt hat. Das Ganze geht natürlich und still vor sich. Gott prüft uns, und durch die verschiedenen Lebensverhältnisse wird das Herz von dieser Welt, von anderen Menschen und vom eigenen Fleisch gelöst. Jedes Glied muss dem Herrn geheiligt und von dieser Welt beschnitten sein, soll es zu der Entwicklung und Gleichgestaltung kommen, zu der uns Gottes Wort so mächtig Hoffnung gibt. Röm. 8, 24-37. Gott hat die Pfunde etwas unterschiedlich verteilt. Das ist Gottes Sache. Die Pfunde sind die Möglichkeiten, die Gott jedem einzelnen Menschen in dieser Welt gegeben hat. Ist man demütig und geht nicht über das eigene Maß des Glaubens hinaus, wird man am Leibe wachsen, hin zu ihm, der das Haupt ist. Dadurch bekommt jeder einzelne die Gelegenheit, zur ganzen Fülle Gottes zu gelangen, unabhängig davon, ob man ein oder zehn Pfunde bekommen hat.

„Lasst uns aber wahrhaftig sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist, Christus, von dem aus der ganze Leib zusammenge­fügt ist und ein Glied am andern hängt durch alle Gelenke, wodurch jedes Glied das andere unterstützt nach dem Maß seiner Kraft und macht, dass der Leib wächst und sich selbst aufbaut in der Liebe.” Eph. 4, 15-16. Durch Treue und Demut können alle ihren Platz und ihre Funktion im Leib finden. Gott wirkt durch seinen Heiligen Geist und durch Gottesfurcht wächst man zu dem Werk heran, zu dem Gott einen berufen hat. Das Ganze geht natürlich und still vor sich, ohne Wahl und ohne Kampf um eine Position. Das Wachstum geschieht durch die Treue des einzelnen Gliedes und seine Lebensgemeinschaft mit Chris­tus. Der Glaube daran macht, dass man auf seinem Platz zur Ruhe kommt und sehr dankbar wird für die Lebensverhältnisse, die Gott für einen bereitet hat. So war es auch bei König David, wenn er sagt: „Der Herr ist mein Gut und mein Teil; du erhältst mir mein Erbteil. Das Los ist mir gefallen auf liebliches Land; mir ist ein schönes Erbteil geworden.” Ps. 16, 5-6.

Lebenstüchtige Glieder an Christi Leib werden nie den Bedarf verspüren, etwas anderes zu sein als das, was sie sind. Sie sind mit dem beschäftigt, was Gott ihnen gegeben hat, und sie freuen sich über das, was Gott wirkt und über die Werke, die er für sie zuvor bereitet hat. Eph. 2, 10.

„Denn ich sage durch die Gnade, die mir gegeben ist, jedem unter euch, dass niemand mehr von sich halte, als sich’s gebührt zu halten, sondern dass er maß­voll von sich halte, ein jeder, wie Gott das Maß des Glaubens ausgeteilt hat.” Röm. 12, 3. Geht man über das Gebiet hinaus, wo Gott salbt und segnet, entste­hen nur Gehetztsein und Unruhe. Es ist deshalb wichtig, seine Begrenzung zu verstehen und sich innerhalb des Maßes des Glaubens zu halten, das Gott einem ausgeteilt hat. Gib nicht der Lust nach, mit anderen in Konkurrenz zu treten, sonst bewegst du dich außerhalb des Gebiets, in dem Gott salben und segnen kann.

Jede andere Art und Weise, Gemeindeleben zu organisieren, gerät zu einem Menschenwerk. Wir verstehen ja, dass Organisieren notwendig ist, wenn es um irdische Verhältnisse in Bezug auf praktische Arbeit und Verwaltung geht. Das liegt auf einer völlig anderen Ebene. In Gottes Reich hingegen kann kein Men­schenwerk etwas von geistlichem Wert hervorbringen.

Es besteht eine unbedingte Forderung nach Reinheit an diejenigen, die als Diener in diesem Leib heranwachsen sollen. Die Gemeinde wird durch Gottes Weisheit gebaut, und es ist Gottes Weisheit, die jetzt durch die Gemeinde den Mächten und Gewalten im Himmel kund werden soll. Deshalb wird Reinheit auch als erste Eigenschaft der Weisheit aufgezählt. „Die Weisheit aber von oben her ist zuerst lauter, dann friedfertig, gütig, lässt sich etwas sagen, ist reich an Barmherzigkeit und guten Früchten, unparteiisch, ohne Heuchelei.” Jak. 3, 17.

Dieser Ruf nach Reinheit sollte wie ein starkes Echo in unserem Inneren in den Verhältnissen des Lebens ertönen: Zuallererst rein! Zuallererst rein! Nicht zuletzt gilt diese Forderung nach Reinheit in unserem Verhältnis zu Geld, Ehre, Macht und in unserem Verhältnis zum anderen Geschlecht und den geschlecht­lichen Lüsten. An einen Diener des Herrn besteht auch eine unbedingte Forde­rung nach Reinheit in Bezug darauf, das Seine zu suchen. Auch auf diesem Gebiet muss man rein und beschnitten sein – so weit das Licht reicht. Die Lust, das Seine zu suchen, hat kräftige Wurzeln in unserem Ich. Deshalb werden der Hunger und Durst nach einem gerechten Leben (Matth. 5, 6) das Verlangen wecken, ständig neue Tiefen von diesem Egoismus zu entdecken. Diejenigen, die das Ihre suchen, sind unruhig und mit ihrer eigenen Ehre, ihrem eigenen Namen, ihrer Verwandtschaft und ihrer Familie beschäftigt. In all dieser Selbst­sucht kann Gott seine Weisheit nicht offenbaren und man wird kein nützliches Gefäß in Gottes Hand. Sei zufrieden damit, wie Gott es für dich in deinen Ver­hältnissen gemacht hat, und diene Gott von ganzem Herzen. Ohne diese Rein­heit wird unser Leben in Untergang und Verdammnis versinken. Es bereitete dem Propheten des Alten Bundes Sorge und Schmerzen, zu sehen, wie Jerusalem genau aus diesem Grunde unterging.

„Ihr Unflat klebt an ihrem Saum. Sie hätte nicht gemeint, dass es ihr zuletzt so gehen würde. Sie ist ja gräulich heruntergestoßen und hat dazu niemand, der sie tröstet. „Ach Herr, sieh an mein Elend; denn der Feind triumphiert!» Der Feind hat seine Hand gelegt an alle ihre Kleinode. Ja, sie musste zusehen, dass die Heiden in ihr Heiligtum gingen, während du geboten hast, sie sollten nicht in deine Gemeinde kommen.” Klagel. 1, 9-10.

Die Cherubim, die vor Gottes Angesicht dienen, verbergen ihre Hände unter ihren Flügeln. Hes. 1, 8. Strecke deine Hände nie nach dem aus, was der Fürst dieser Welt anzubieten hat. Die Schrift redet mit großem Ernst von diesen Din­gen und jeder von uns sollte darüber nachdenken, welche Art Frucht er trägt. „Denn die Erde, die den Regen trinkt, der oft auf sie fällt, und nützliche Frucht trägt denen, die sie bebauen, empfängt Segen von Gott. Wenn sie aber Dornen und Disteln trägt, bringt sie keinen Nutzen und ist dem Fluch nahe, so dass man sie zuletzt abbrennt.” Hebr. 6, 7-8.

Paulus warnt auch kräftig davor, nach dem Irdischen zu trachten. Deshalb schreibt er unter anderem: „Denn die reich werden wollen, die fallen in Versu­chung und Verstrickung und in viele törichte und schädliche Begierden, welche die Menschen versinken lassen in Verderben und Verdammnis. Denn Geldgier ist eine Wurzel alles Übels; danach hat einige gelüstet, und sie sind vom Glau­ben abgeirrt und machen sich selbst viel Schmerzen.” 1. Tim. 6, 9-10.

Christi Gemeinde wird durch Brüder und Schwestern gebaut, die in ihren Lebensverhältnissen die Einfalt und Lauterkeit gegenüber Christus bewahren. 2. Kor. 11, 2-3. Solche haben auch diese Worte Jesu zu Herzen genommen: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.” Matth. 6, 33.