Hirte und Prophet

- Johan O. Smith

Hirte und Prophet

Johan O. Smith

Johan O. Smith hatte ebenso wie sein Sohn Aksel J. Smith ein sehr mildes Wesen. Beide wünschten sie in keinster Weise, über Menschen zu herrschen, sondern sie arbeiteten unermüdlich in Güte und Wahrheit, um Menschen zur Wahrheit zu ziehen – zu Jesus. Diese feinen Tugenden – Barmherzigkeit, Milde, Liebe und Güte – wurden in ihrem Leben reichlich offenbar. Johan O. Smith versuchte, sich selbst so wenig wie möglich sichtbar zu machen. Er griff nicht unnötig ein und wollte auf keinen Fall über irgendjemanden herrschen. Er redete Gottes Wort und wünschte, dass jeder Einzelne durch eine persönliche Verbindung mit Gott geleitet und auf dem Weg des Lebens vorwärts geführt werden sollte.

Er schrieb: „Lass lieber die Schmach der Leute dein Haupt schmücken an­statt deren Ehre, wenn nur dein Dienst für Gott deinem Herz den tiefen Frie­den gibt, den allein das Bleiben bei ihm mit sich bringen kann.” Auf dieselbe Weise lebte auch unser teurer Bruder Paulus. Er war die Pfade des Lichts so viele Male gegangen, dass sie gewissermaßen zu Wegen in Jesus Christus geworden waren. „Deshalb habe ich Timotheus zu euch gesandt, der mein geliebter und treuer Sohn im Herrn ist; der wird euch an meine Wege in Chris­tus erinnern, wie ich allenthalben in jeder Gemeinde lehre.” 1. Kor. 4, 17 (Schlachter Übers.). Ich möchte daher die Gemeinde innig ermahnen, in die­sen Spuren nachzufolgen. Das ist der Königsweg in Gottes Reich hinein.

Wenn man in den Briefen von Johan O. Smith liest, sieht man, dass er viele Male kräftige persönliche Zeugnisse darüber gibt, was Gott für ihn getan hat­te und welche Kraft er in seinem Innern verspürte. Er war stark ergriffen von Gottes Wort und liebte es, alleine zu sein und die Stimme seines geliebten Bräutigams zu hören. Wer ihn nicht kannte, konnte aufgrund dessen, was er las, vielleicht annehmen, dass er eine sonderliche und geistliche Person wäre, die wenig Kontakt zu anderen Menschen pflegte. Nichts ist wohl weiter ent­fernt von der Wahrheit. Mitten darin, dass er zweifellos ein großer Gottes­mann war, war er eine überaus unkomplizierte Person für seine Umgebung. Er arbeitete von ganzem Herzen mit Fürsorge und Güte, um die Menschen zu Gott zu führen. Seine Weisheit war weitaus größer als die, zu der das Gesetz und Salomo führen konnten. Er war seiner Zeit weit voraus, indem er gottes­fürchtige Menschen hoch achtete, ob sie nun Brüder oder Schwestern waren. Im Umgang mit Kindern und Jugendlichen hatte er eine sehr unkomplizierte Art. Er freute sich, wenn er mit ihnen zusammen sein konnte und benutzte solche Gelegenheiten gerne dazu, ihnen interessante Geschichten zu erzählen oder ihnen beizubringen, wie man einen Kopfsprung macht oder auf den Hän­den geht. Obwohl körperliche Bestrafung zu jener Zeit sehr verbreitet war, erzählen seine Kinder von einer Kindheit, in der von der Rute und körperli­cher Bestrafung nie Gebrauch gemacht wurde. Er war wach und züchtigte mit seinen Augen, aber ging nie physisch auf eines der Kinder los. Er war ein sehr guter Familienvater, der sein Heim und seine Kinder liebte. Sie hatten ihn so lieb, dass sie es nicht fertig brachten, ihm Kummer zu machen.

Die Hauptsache für Johan O. Smith war, alle Völker zu Jüngern zu machen. „Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Na­men des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.” Matth. 28, 19-20.

In der religiösen Welt wird das Evangelium als ein Geschenk betrachtet, das nichts mit persönlichem Gehorsam zu tun hat. Gehorsam wird als Gesetz und nicht als Evangelium betrachtet. Jedoch verstehen wir: Wenn die, die Verlangen haben nach dieser Erlösung, sie wirklich erleben wollen, dann müssen sie alles zu halten lernen, was Jesus befohlen hat. Sie müssen zum Gehorsam des Glau­bens geführt werden, wenn sie das Evangelium erleben wollen. Römer 1, 5 war daher einer der ersten Bibelverse, die für Johan O. Smith lebendig wurden: „Durch ihn haben wir empfangen Gnade und Apostelamt, in seinem Namen den Gehorsam des Glaubens aufzurichten unter allen Heiden.”

Als Johan O. Smith in einer Mainacht im Jahr 1900 mit dem Heiligen Geist gefüllt wurde, war dies der Beginn einer echten Jüngererweckung. Von die­sem Tag an begann Gottes Wort in seinem Herzen lebendig zu werden. Er wurde rasch in Gott voran geführt, indem er dem gehorchte, was der Heilige Geist in seinem Herzen redete. Er wurde ein Jünger Jesu. Die Jüngerschaft ist in keinerlei Weise mit gewöhnlicher Religiosität vergleichbar. Ist man ein Jünger, so hat man sich ganz und gar Gott hingegeben. Dann hat man ein Kreuz über alle Ehrsucht, ein Kreuz über alles Eigenleben und alle Eitelkeit! Galater 2, 20 ist das Zeugnis aller wahren Jünger. „Ich bin mit Christus ge­kreuzigt. Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dahingegeben.”

Ein Jünger ist dazu berufen, Sieg über alle bewusste Sünde zu bekommen und in der Heiligung zum Mannesalter in Christus heran zu wachsen. „Damit die Heiligen zugerüstet werden zum Werk des Dienstes. Dadurch soll der Leib Christi erbaut werden, bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zum vollendeten Mann, zum vollen Maß der Fülle Christi.” Eph. 4, 12-13. Dies ist eine phänomenale Erlösung!

Sirach schreibt, dass die alten Männer Gottes friedlich in ihren Häusern lebten - so lebte auch Johan O. Smith als ein wahrer Hirte und Wegleiter für seine Frau und seine Kinder, und sie spürten bei ihm einen wohltuenden Unter­strom von Güte und Barmherzigkeit. Er freute sich unbeschreiblich mit den anderen, wenn sie Licht bekamen, oft schlug er sich auf die Knie und lachte vor Freude über den Fortschritt der anderen im Licht. So ist es auch mit Gott. „Der Herr ist allen gütig und erbarmt sich aller seiner Werke.” Ps. 145, 9.

Johan O. Smith war gering in sich selbst und konnte sich daher leicht unter die Menschen stellen und sie erheben. Selbst den am tiefsten Gefallenen in der Gesellschaft konnte er zuhören und sich ihre Worte oder Ratschläge zu Herzen nehmen. Diese Niedrigkeit sah Gott an, genauso wie er die Niedrig­keit Marias ansah, und auf dieselbe Weise wie Gnade über sie kam, kam auch Gnade über Johan O. Smith. Maria begriff, dass es ihre Niedrigkeit war, die Gott angesehen hatte. Das verstand auch Johan O. Smith. Darum blieb er dort unten, damit diese Kraft und Gnade bei ihm bleiben konnten. „Ich bin nur ein gefüllter Schwamm, den man ausdrücken muss - nicht wahr? Darum bleibe ich lieber zu Hause, denn hier habe ich meine Antenne!” schrieb er in einem Gedicht an Edwin Bekkevold, als Aslaksen in Oslo große Erweckungs­versammlungen hielt.

Johan O. Smith sagte an seinem 70. Geburtstag, dass er in all seinem Dienst Wert darauf gelegt hätte, die einzelnen Menschen in Verbindung mit dem Haupt, Christus, zu führen und niemals um seine eigene Person zu sammeln. Er dien­te nicht so, dass er selbst groß wurde. Etwas vom größten bei ihm war wohl, dass er im Hinblick auf seine eigene Person und seinen Dienst bis ganz zum Schluss in Niedrigkeit bewahrt blieb.

Johan O. Smith als Vater und Hirte

In seinem Dienst arbeitete er dafür, das Wort in Mal. 3, 24 zu erfüllen: „Der soll das Herz der Väter bekehren zu den Söhnen und das Herz der Söhne zu ihren Vätern, auf dass ich nicht komme und das Erdreich mit dem Bann schla­ge.” Dies ist von enormer Bedeutung – und dabei nicht zuletzt, dass das Herz der Väter zu den Kindern bekehrt wird, so dass der Vater, wenn sie in das Jugendalter kommen und die Willen miteinander ringen, die Herzen der Kin­der gewonnen hat. Ohne diese Herzensverbindung kann es außerordentlich schwierig werden, dem Kind zu helfen.

„Mit erleuchteten Augen des Herzens fühlt und leidet man, denn nicht einmal die Hälfte von dem, was man sieht, kann in Ordnung gebracht werden, so dass das Herz dadurch geheilt würde.”, schreibt Johan O. Smith im Buch über den Epheserbrief. Wenn wir Liebe haben, sehen wir alle, dass es in einer Kinderschar oder einer Gemeinde vieles geben kann, das in Ordnung gebracht werden könnte - nur wenige aber sehen in ihrer Not auf Christus, so dass sie Weisheit bekommen und somit der Not abhelfen können. Hier ist es wirklich vonnöten, dass wir mit unserem ganzen Herzen Gottes Weisheit suchen. Die Not, die wir sehen, müssen wir in unseren Herzen vor Gottes Angesicht tra­gen, so dass er uns Worte und Offenbarungen geben kann, um der Not abzu­helfen.

„Hier in der Welt muss man das eine Auge zudrücken”, sagte Johan O. Smith oft. Hier kommt man in Leiden hinein für den Leib Christi und kann das erstatten, was noch mangelhaft und unvollkommen ist. „Nun freue ich mich in den Leiden, die ich für euch leide, und erstatte an meinem Fleisch, was an den Leiden Christi noch fehlt, für seinen Leib, das ist die Gemeinde.” Kol. 1, 24. Es fehlt nichts am Erlösungswerk, aber als Jesus zum Himmel auffuhr, überließ er es den Heiligen weiter zu bauen. Hier kann man in Leiden hineinkommen, um das auszufüllen, was noch fehlt. Man muss beständig für sich selbst und für das Volk leiden, damit man in seinem Dienst für das Volk weiterhin in der Liebe bleiben kann.

„Denn wer ist Gott, wenn nicht der Herr, oder ein Fels, wenn nicht unser Gott? Gott rüstet mich mit Kraft und macht meine Wege ohne Tadel. Er macht meine Füße gleich den Hirschen und stellt mich auf meine Höhen. Er lehrt meine Hände streiten und meinen Arm den ehernen Bogen spannen. Du gibst mir den Schild deines Heils, und deine Rechte stärkt mich, und deine Huld macht mich groß. Du gibst meinen Schritten weiten Raum, dass meine Knö­chel nicht wanken. Ich will meinen Feinden nachjagen und sie ergreifen und nicht umkehren, bis ich sie umgebracht habe. Ich will sie zerschmettern, dass sie nicht mehr aufstehen können; sie müssen unter meine Füße fallen. Du rüstest mich mit Stärke zum Streit; du wirfst unter mich, die sich gegen mich erheben. Du treibst meine Feinde in die Flucht, dass ich vernichte, die mich hassen.” Ps. 18, 32-41.

Diese Worte von David treffen auch sehr auf Johan O. Smith zu. Seine Hän­de waren gründlich gelehrt zum Krieg. Die Herren der Welt, die in dieser Finsternis herrschen, sind stark, aber sie haben nur in der Finsternis Macht. Mit den Waffen des Lichtes können wir sie überwinden. Dieser Kampf brach­te Johan O. Smith einen Sieg, der in der religiösen Welt völlig unbekannt ist. Er kämpfte und wurde im Geist bewahrt, ohne niedergetreten zu werden. Ohne solche Brüder wäre auch die Gemeinde niedergetreten worden. Es war Kampf an Bord der Schiffe: Zum einen war es nicht leicht, Unteroffizier in der nor­wegischen Marine zu sein. Ein Unteroffizier musste seine Pflichten genau erfüllen, so dass kein Vorgesetzter mit dem Finger auf irgendetwas zeigen konnte. Zum anderen hatte er all den Kampf gegen religiöse und ungläubige Menschen. Wenn man einen solchen Kampf aufnimmt, kann man in dieser Welt nicht groß werden - man wird zu lästig. Jedoch gewinnt man einen ge­waltigen Sieg, den man im Leib genießt. Es ist wohltuend zu erleben, was ein solcher Kampf bringt. Unser Geist wird in diesem Kampf gestählt. Wo man früher ängstlich, niedergedrückt und missmutig geworden wäre, hat man nun Glauben und Kraft von Gott.

„Keiner Waffe, die gegen dich bereitet wird, soll es gelingen, und jede Zun­ge, die sich gegen dich erhebt, sollst du im Gericht schuldig sprechen. Das ist das Erbteil der Knechte des Herrn, und ihre Gerechtigkeit kommt von mir, spricht der Herr.” Jes. 54, 17. An dieses Wort glaubte Johan O. Smith felsen­fest. Das erlebte er immer wieder, und er wird für alle Zeit ein kräftiges Zeug­nis dafür sein, dass, wer an ihn glaubt, nicht zu Schanden wird. Röm. 10, 11.