Hirte und Prophet

- Bittere Gedanken - Vorwürfe

Hirte und Prophet

Bittere Gedanken - Vorwürfe

„Und er hat in den Tagen seines irdischen Lebens (Luther 1912: seines Flei­sches) Bitten und Flehen mit lautem Schreien und mit Tränen dem darge­bracht, der ihn vom Tod erretten konnte; und er ist auch erhört worden, weil er Gott in Ehren hielt. So hat er, obwohl er Gottes Sohn war, doch an dem, was er litt, Gehorsam gelernt. Und als er vollendet war, ist er für alle, die ihm gehor­sam sind, der Urheber des ewigen Heils geworden.” Hebr. 5, 7-9.

Was in den Tagen seines Fleisches geschah, das ist für uns außerordentlich wertvoll - dort geschah das eigentliche Werk. Dort machte er den Tod und das Reich des Todes zunichte. Der Vater öffnete ihm das Ohr, so dass sich das Gebiet, in dem es galt gehorsam zu sein, ständig erweiterte. Wie könnten wir lernen zu hören, wenn wir nicht in Leiden kämen? In den Leiden sehen wir mehr von der Sünde, die in unserem Fleisch wohnt und können dadurch zu einer geistlichen Entwicklung kommen. Dieses Leben ist den allermeisten gläubigen Menschen verborgen.

„Wenn jemand anders lehrt und sich nicht an die gesunden Worte unseres Herrn Jesus Christus hält und an die der Gottseligkeit entsprechende Lehre, so ist er aufgeblasen und versteht doch nichts, sondern krankt an Streitfragen und Wortgezänk, woraus Neid, Hader, Lästerung, böser Argwohn entstehen. Zänkereien von Menschen, die verdorbenen Sinnes und der Wahrheit beraubt sind und die Gottseligkeit für eine Erwerbsquelle halten.” 1. Tim. 6, 3-5 (Schlachter-Übers.).

Hält man sich nicht zur Gottesfurcht, kommt man weg von der gesunden Lehre. Dann kommt all das Böse hervor. Es gibt eine ganze Lehre von der Gottesfurcht, und sie wird dem offenbart, der Christus nachfolgt. „Und aner­kannt groß ist das Geheimnis der Gottseligkeit: Gott ist geoffenbart im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, erschienen den Engeln, gepredigt unter den Heiden, geglaubt in der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit.” 1. Tim. 3, 16 (Schlachter-Übers.).

Wenn du in das Geheimnis der Gottesfurcht hineinschaust, erleuchtet Gott dich über das, was der Gottesfurcht entspricht. Du musst ein Bedürfnis und ein Verlangen nach einem solchen Leben haben. Darum müssen unsere Ver­sammlungen so sein, dass diejenigen, die ein Verlangen nach Gottesfurcht haben, Nahrung bekommen können. Dringe auf Gott ein, so dass du verbor­genes Manna bekommst, das Nahrung für die Menschen werden kann. Es muss in einem gottesfürchtigen Geist geschehen in der Gewissheit, dass der Allerhöchste deine Worte hört. Dieses Bewusstsein bewirkt, dass viel Leicht­sinn verschwindet.

„Fluche dem König auch nicht in Gedanken und fluche dem Reichen auch nicht in deiner Schlafkammer; denn die Vögel des Himmels tragen die Stim­me fort und die Fittiche haben, sagen es weiter.” Pred. 10, 20. Denke an dies, wenn du in Leiden kommst. Selbst wenn du nicht alles verstehst, musst du an Gott glauben, damit du nicht in Finsternis gerätst. „Fluchen” ist vielleicht zu stark ausgedrückt, aber bedenke, wie nahe es einem liegen kann, mit vor­wurfsvollen Gedanken umzugehen!

„Woher kommt der Kampf unter euch, woher der Streit? Kommt’s nicht daher, dass in euren Gliedern die Gelüste gegeneinander streiten?” Jak. 4, 1. Hier spricht Jakobus zu gläubigen Brüdern! Woher kommen die vorwurfsvol­len Gedanken? Sie kommen von den Lüsten, die in deinen Gliedern arbeiten. Das Kreuz soll gegen alle diese Gedanken wirksam sein. Ein Seufzen gegen die Brüder ist auch ein Vorwurf. Ein jeder solcher Gedanke wird zu einer Wurzel, in der Leben steckt - er entwickelt sich. Lässt du solche Gedanken leben, kommt das im Verhältnis zu der Person, der du Vorwürfe machst, in deinem Wandel hervor. Du bringst es nicht fertig deinem Bruder mit Ehrer­bietung zuvorzukommen. Es ist etwas Bitteres im Wurzelleben des Herzens. Es kommt vielleicht nicht als Anklage hervor, aber im Herzen wird etwas zerstört. Solche Gedanken kann man mehrere Generationen lang „weiter­vererben”. Weil man so eine bittere Wurzel hat aufwachsen lassen, liegt eine Auffassung in der Familie, die in ungeheurem Ausmaß zerstörend wirkt. In dieser Wurzel steckt Leben, und sie entwickelt sich. Nach einer Weile werden diese bitteren Wurzeln die Wirklichkeit solcher Menschen.

„Jagt dem Frieden nach mit jedermann und der Heiligung, ohne die nie­mand den Herrn sehen wird, und seht darauf, dass nicht jemand die Gnade Gottes versäume; dass nicht etwa eine bittere Wurzel aufwachse und Unfrie­den anrichte und viele durch sie unrein werden.” Hebr. 12, 14-15.

„Denn wen der Herr liebhat, den züchtigt er, und er schlägt jeden Sohn, den er annimmt. Seid ihr aber ohne Züchtigung, die doch alle erfahren haben, so seid ihr Ausgestoßene und nicht Kinder.” Hebr. 12, 6 und 8. Gottes Gnade ist, dass er mit uns verfährt wie mit Söhnen. Er gibt uns eine Ausbildung. Denke an Jesus, der von seinem Vater eine solche Behandlung bekam, ohne bitter zu werden. Im Gegenteil, er hatte im Herzen dieses Verhältnis zu Gott: „Gerechter Vater!”

„Darum sollen auch die, die nach Gottes Willen leiden, ihm ihre Seelen anbefehlen als dem treuen Schöpfer und Gutes tun.” 1. Petr. 4, 19. Wenn du einem Bruder oder einer Schwester begegnest, die sich in der Erniedrigung befinden und Dingen begegnen, die dir nicht begegnet sind, dann musst du in deinen Gedanken vorsichtig sein. Verachte niemanden, der sich in der Ernied­rigung befindet. Du, der du in der Erniedrigung bist, musst deine Seele dem treuen Schöpfer anbefehlen. Mache niemandem Vorwürfe, fluche nicht! Über­gib alle deine Gedanken ihm, der dich ausbildet, so dass seine Herrlichkeit in dir hervorkommen kann!

Die Lehre der Gottesfurcht ist ja auch die Lehre des Weizenkorntodes, die Lehre davon, täglich sein Kreuz aufzunehmen und durch Leiden zur Herrlich­keit und zu göttlicher Natur zu kommen. Dadurch, dass Jesus standhaft blieb und gegenüber dem Rat Gottes in seinem Herzen treu war, bekam er geübte Sinne, so dass er in seinen Gedanken nicht abwich, wenn er in Leiden kam.

„Denn auch Christus hat einmal für die Sünden gelitten, der Gerechte für die Ungerechten, damit er euch zu Gott führte, und ist getötet nach dem Fleisch, aber lebendig gemacht nach dem Geist.” 1. Petr. 3, 18. Gottes Sohn, der nur Gutes tat, behandelten sie wie einen ungerechten Mann. Er betete für sie. Die Ungerechten hielten sich selbst für gerecht und den Meister für ungerecht. So töricht kann man in seinen eigenen Gedanken werden, wenn die Ungerech­tigkeit überhand genommen hat! Die Lust, sich selbst zu rechtfertigen kam in Jesus sicherlich stark hervor, als er seinem eigenen Menschen begegnete, der eigenen Gerechtigkeit. Unser Eigenleben soll ja auch in den Tod gegeben werden, und da können wir in ihm einen starken Trost finden.

Jesu Ziel war es, die Menschen zu Gott zu führen. Er war gut zu den Men­schen. Das, was der Tod hinweg nimmt, ist tatsächlich weg. Es soll nichts zurückbleiben, was uns zu Märtyrern macht. Was dem Tod angehört, das soll der Tod nehmen, damit sollen wir uns nicht mehr beschäftigen. Auf diese Weise kommen Gottes Kraft und Weisheit in uns hervor. Dies muss so leben­dig und offenbar für uns sein, dass es wirksam wird, wenn wir in den Verhält­nissen des Lebens stehen.

„Aus einem Munde kommt Loben und Fluchen. Das soll nicht so sein, liebe Brüder. Lässt auch die Quelle aus einem Loch süßes und bitteres Wasser flie­ßen?” Jak. 3, 10-11. In unserem Leben darf nur die reine und gute Quelle sein, die von Gott kommt. Macht man seiner Frau oder seinen Kindern Vorwürfe, kommt dies ja von unbewältigten Gedanken. Das muss ein jeder sehr ernst nehmen, so dass all dieses ganz ausgerottet wird.