Kampf in der Gemeinde
Als 16-Jähriger saß ich still in meiner ersten Jugendstunde und hörte der Verkündigung zu. Plötzlich jedoch stürmte der Jugendleiter auf mich los, packte mich am Arm und warf mich aus dem Versammlungssaal. Meine Schwester, die etwas älter war als ich, fragte ihn, was ich denn gemacht hätte, dass er so reagierte. Er gab zur Antwort, dass ich nichts Verkehrtes getan hätte, sondern dass er mich deshalb packte, weil ich der Nächstbeste war. Da beschloss ich, von den Jugendstunden lieber zu Hause zu bleiben. Meine Mutter begriff, dass das für mich gefährlich sein konnte und ermahnte mich sehr, nichts gegen jemanden zu haben, weil sie Angst hatte, dass Bitterkeit mich zerstören könnte. An dem Tag, an dem der Bruder kam und mich um Vergebung bat, nahm ich das an. Dazu bekam ich eine große Banane von ihm!
Einige derer, die ich als „Feldwebelschicht” in der Gemeinde erlebte, waren in der Kinder- und Jugendarbeit und auch anderweitig in der Gemeinde tätig. Ich hatte bei ihnen das Gefühl, dass etwas Fremdes in die Gemeinde hineinkam, etwas, das nicht von Anfang an da gewesen war. Der eine oder andere von ihnen hatte einen Hintergrund in der religiösen Welt und brachte etwas von den juristischen Rechtsvorschriften in seinen Dienst in der Gemeinde hinein. So gab es z.B. starke Meinungen und Ansichten darüber, wie sich Kinder benehmen, wie sie während der Versammlungen sitzen, wie sie spielen sollten usw. In vielerlei Hinsicht fühlte ich, dass ich mit eiskalten Händen angefasst wurde und etwas in meinem guten und warmen Kinderherzen zufror. Doch wusste ich immer, dass es nicht von Anfang an so war, und unter den Geschwistern, die ständig in dem gastfreien Haus meiner Eltern aus- und eingingen, hatte ich es nie so empfunden. Jene dagegen gingen auf uns los und wollten uns vorschreiben, wie wir zum Beispiel in unserer Kleidung und anderen äußerlichen Dingen sein sollten – in Worten und Taten kamen ihre Gedanken zum Vorschein. Wenn wir ihren Meinungen und Anweisungen nicht gehorchten, so fühlte auf jeden Fall ich, dass das Feuer der Hölle nahe war.
Die Weihnachtsfeiern in Oslo waren ein unendliches Leiden. Das Verständnis des leitenden Bruders über die Notwendigkeit, seine Kinder zu züchtigen, führte dazu, dass „Weihnachtsfeier” in meinem Innern mit „Zuchtrutenfeier” übersetzt wurde. Er meinte wahrscheinlich, dass er die Gelegenheit ausnutzen musste, wenn so viele Eltern und Kinder versammelt waren. Die Weihnachtsfeier, die eigentlich ein gesegnetes Fest für die Kinder und Familien sein sollte, wurde daher dazu benutzt, die Bedeutung von Zucht und Prügel kräftig zu verkündigen. Es reichte nicht aus, wenn wir Kinder still an der Seite unserer Eltern saßen. Ich weiß noch, wie er unsere Eltern „anbrüllte”, dass die Kinder nicht nur still sitzen, sondern auch wach sein sollten. Wenn wir auf Vaters Schoß während der Versammlung einschliefen, konnten wir nicht in den vorderen Reihen sitzen. Vieles wurde wohl in Ermangelung von Weisheit getan. Der älteste Bruder war ein guter Mann, jedoch bot der Mangel an Weisheit unter anderem auf diesem Gebiet einen Nährboden für das Heranwachsen einer „Feldwebelschicht”, die einige dunkle Schatten über das schöne Reich meiner Kindheit warf.
